Campus in Pankow

Klassenzimmer und Kitaplätze in australischer DDR-Botschaft

Der Humanistische Verband hat das alte Botschaftsgebäude gekauft und will hier seine erste Schule eröffnen – wenn Denkmalschützer mitspielen

Die neuen Hausherrinnen der früheren australischen Botschaft in Pankow: Katrin Raczynski (l.) und Marie Wätke vom Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg.

Die neuen Hausherrinnen der früheren australischen Botschaft in Pankow: Katrin Raczynski (l.) und Marie Wätke vom Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Von der Landesvertretung zum Kunsthaus – und vom Kunsthaus zur Schule und Kita: In der früheren australischen Botschaft der DDR an der Grabbeallee bricht in diesen Tagen ein neues Kapitel an. Neuer Hausherr ist der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg. Und mit dem Verkauf des denkmalgeschützten Diplomatenhauses aus dem Jahre 1973 waren als erstes zwei Gewissheiten da: Auch die letzten Künstler der bislang ansässigen Ateliergemeinschaft müssen die Botschaft verlassen – und das Haus steht nicht mehr zu Verfügung für den Ausbau von Eigentumswohnungen, wie es der alte Besitzer, die Immobilienfirma Prexxot lange geplant hatte.

„Für uns ist das ein Pilotprojekt“

Stattdessen eröffnet im Pankower Ortsteil Niederschönhausen voraussichtlich im Schuljahr 2021 /22 ein neuer Bildungscampus mit rund 60 Kitaplätzen und mit einer privaten Grundschule für 120 Kinder. Während der Humanistische Verband in Berlin bereits etwa 2000 Kitaplätze stellt, betritt man mit der Schulnutzung absolutes Neuland. „Es wird die erste Einrichtung dieser Art überhaupt sein“, sagte die Vorstandsvorsitzende Katrin Raczynski bei einem Rundgang. „Für uns ist das ein Pilotprojekt.“ Es gehe darum, Familien in Pankow einen nahtlosen Übergang von der Kita in die Schule zu ermöglichen.

Bis der Bildungscampus eröffnet, wird es aber noch einige Umbauarbeiten brauchen. Erste Abstimmungen mit dem Denkmalamt seien problemlos verlaufen, sagt die Projektverantwortliche Marie Wätke. Wenn es keine weiteren Probleme gibt, könne man Anfang 2020 mit einer Baugenehmigung rechnen. „Auf jeden Fall brauchen wir hier eine Grundsanierung“, kündigt Wätke an. Erhalte bleiben definitiv die markanten Keramikmodule an der Fassade aus der Werkstatt von Hedwig Bollhagen – sie brachten dem Haus 2015 auch seinen Denkmalstatus ein. Entworfen wurde das Haus vom Architekten Horst Bauer, der in Berlin auch das Café Moskau an der Karl-Marx-Allee verantwortete.

Baurecht für Eigentumswohnungen war vorhanden

Trotz der absehbaren Mühen beim Umbau hat der Humanistische Verband eine Immobilie erworben, die dank des großen Gartens alle Anforderungen erfüllt, die bislang schwer erfüllbar waren. Der Markt in Berlin an solchen Objekten sei leergefegt, sagt Wätke. Im Übrigen ist es nicht so, dass der vorherigen Eigentümer mit seinen Plänen für die Umwandlung in ein Wohngebäude gescheitert war. Eine Baugenehmigung sei eigentlich vorhanden gewesen, heißt es vom Verband – aber dann kam es anders. Prexxot entschied sich zur Freude der Humanisten für den Verkauf.

Beitrag gegen den Mangel an Kitaplätzen in Pankow

„Es tut mir leid, dass wir den Künstlerinnen und Künstlern keine Perspektive bieten können, aber wir leiden selbst unter den Entwicklungen auf dem Berliner Mietmarkt. Vielleicht ist es für sie tröstlich, dass sie zumindest den Bau von Eigentumswohnungen verhindert haben. Davon gibt es in Pankow genug“, meint Raczynski. Ganz anders sehe es mit Kitaplätzen aus. Mit dem Campus-Projekt, erklärt Marie Wätke, leiste der Verband einen Beitrag gegen die Mangelsituation im Bezirk.