Radverkehr

Fahrradstraße in Prenzlauer Berg bringt Umwege für Autos

Ab Frühjahr 2020 bekommen Radfahrer auf der Stargarder Straße Sonderrechte. Aber der Autoverkehr wird sich neue Wege durch den Kiez suchen.

Mit dem Rad auf blauem Grund: So stellt sich die Initiative Volksentscheid Fahrrad eine Fahrradstraße vor, wie sie 2020 in einer verkehrsreichen Gegend von Prenzlauer Berg entstehen wird. 

Mit dem Rad auf blauem Grund: So stellt sich die Initiative Volksentscheid Fahrrad eine Fahrradstraße vor, wie sie 2020 in einer verkehrsreichen Gegend von Prenzlauer Berg entstehen wird. 

Foto: Initiative Volksentscheid Fahrrad / BM

Berlin. Die letzten Monate der Stargarder Straße als Ost-West-Korridor für den motorisierten Verkehr sind angebrochen – zumindest für jeden Autofahrer, der nicht hier wohnt oder arbeitet. Mit Beginn der neuen Fahrradsaison im Frühjahr 2020 baut das Bezirksamt Pankow die Verkehrsachse so um, dass sich Radfahrer wohler fühlen und sicherer ans Ziel gelangen. Die Stargarder wird zur Fahrradstraße. Und das wird man beim Einbiegen unmissverständlich bemerken.

Bei einer Anwohnerversammlung beschrieben Verkehrsstadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) und die Experten der Büros Urbanizers und Brenner-Bernhard am Donnerstagabend einen zweistufigen Plan. Zum Frühjahr greifen zunächst geringfügige Veränderungen. Neue Schilder, farbige Markierungen auf dem Asphalt und „Tore“ an den Zufahrten mit Abstellplätzen für Velos werden deutlich machen, dass Radfahrer hier nebeneinander rollen dürfen und den Vorrang haben. Autos und Lieferfahrzeuge dürfen zwar einbiegen, aber nur diejenigen, die von Anliegern gesteuert werden. In Fahrradstraßen gilt grundsätzlich Tempo 30 – aber das ist auch jetzt schon der Fall. Weitere Einschränkungen gibt es in Phase eins noch nicht.

Stargarder Straße: Zweite Stufe der Fahrradstraße bringt starke Veränderungen

Eine Stufe zwei der Fahrradstraße wird dann umgesetzt, wenn sich der Durchgangsverkehr nicht nachweislich verringern lässt. Dann will Pankow den Autofahrern mit einem Trick die Durchfahrt verleiden: Auf der ganzen Stargarder Straße entstünde ein Netz von so genannten gegenläufigen Einbahnstraßen. Man könnte also nicht mehr geradewegs durchfahren, sondern müsste einen Zick-Zack-Kurs durch den Kiez nehmen, weil die direkte Durchfahrt nur in kurzen Abschnitten und immer nur eine Richtung gelingt.

Aber warum führt das Bezirksamt dieses Modell nicht von Anfang an ein? „Wir wollen schnell sein und die erste Stufe der Fahrradstraße sofort Wirklichkeit werden lassen“, erklärt Stadtrat Kuhn. Die Durchsetzung von gegenläufigen Einbahnstraßen brauche mehr Vorlauf, ließe sich aber immer noch umsetzen, wenn Bedarf besteht. Dann aber könnte sich die neue Fahrradstraße als besonders problematisch für einen großen Teil des Kiezes erweisen.

Denn Autofahrer würden das für sie gesperrte Stück umfahren, indem sie auf die Wicherstraße und die Danziger Straße ausweichen – beide sind schon jetzt als stark befahrene Ost-West-Verbindungen bekannt. Hier könnte es schlimmstenfalls zu einer Zunahme von 120 bis 320 Fahrzeugen pro Stunde kommen.

75 Prozent Durchgangsverkehr in der Stargarder Straße

Dass die Stargarder Straße die Kriterien für die Ausweisung einer Fahrradstraße erfüllt, ist wiederum deutlich belegt: Auf rund 5470 Autos pro Tag kommen 4260 Fahrräder. Schon 2000 hätten genügt, um eine Fahrradstraße auszuweisen. Auffällig ist auch die Quote des Durchgangsverkehrs: 75 Prozent der Autofahrer nutzen die Stargarder Straße nur als Passage, ohne hier anzuhalten. Den Ausschlag für die Umwandlung gab nicht zuletzt die Beteiligung von Kindern. „Viele von ihnen empfinden den Verkehr auf der Straße derzeit als zu riskant und weichen auf die Gehwege aus“, gibt Marie Neumüllers vom Büro Urbanizers zu bedenken.

Im Rahmen der Online-Bürgerbeteiligung seien ungewöhnlich viele Kommentare eingegangen - 307 Wortmeldungen beinhalteten zwar auch Bedenken zur Mehrbelastung benachbarter Straßen, aber hatten zumeist einen Tenor, der sich so umschreiben lässt: Die Fahrradstraße ist gewollt. Es wäre die fünfte in Pankow, die kurz nach der Nummer vier eröffnet: Auf der Ossietzkystraße gelten fahrradfreundliche Regeln schon ab diesem Herbst.