Chinesische Botschaft

Schutzwall mit Dornen: China baut in Pankow eine Mauer

Anwohner beschweren sich über einen drei Meter hohen Schutzwall mit Dornen. Berlin kann den Mauerbau aber nicht stoppen.

Bislang blickte man aus den Neubauten an Greta-Garbo-Straße ins Grüne. Jetzt versperrt ein Schutzwall die Sicht.

Bislang blickte man aus den Neubauten an Greta-Garbo-Straße ins Grüne. Jetzt versperrt ein Schutzwall die Sicht.

Foto: Thomas Schubert

Ein junge Mutter schiebt ihren Kinderwagen aus dem Einkaufszentrum an der Neumannstraße und blickt wie jeden Tag auf eines der rätselhaftesten Bauvorhaben, die in Pankow derzeit stattfinden. Direkt gegenüber der Mall entsteht ein mehr als drei Meter hoher Schutzwall mit Dornen.

Auf einem massiven Betonsockel sitzen stählerne Pfeiler. Und an der Spitze befinden sich Stacheln, die offensichtlich verhindern sollen, dass Kletterer die Barriere überwinden. „Aber es befindet sich ja überhaupt nichts dahinter“, wundert sich die Mutter. Das, könnte man sagen, hat die Chinesische Mauer von Pankow mit dem Originalbauwerk in Reich der Mitte gemein.

Chinesische Botschaft plant einen Neubau in Pankow

Der gerade entstehende Grenzwall um das Brachgrundstück zwischen Greta-Garbo-Straße und Arnold-Zweig-Straße ist nicht annähernd so lang wie die 6700 Kilometer lange Befestigungsanlage, die als eines der sieben neuen Weltwunder gilt. Trotz seiner imposanten Gestaltung erfüllt die Barriere in Pankow auch nur einen profanen Zweck: Sie schützt das Grundstück für ein Gebäude der chinesischen Botschaft, das es noch gar nicht gibt.

Fest steht, dass in einem Neubau hinter der Mauer künftig Botschaftsangehörige Wohnungen und Arbeitsplätze bekommen sollen. Details zum Bauvorhaben oder einen Zeitplan gibt China nicht preis. An einer Ecke der Mauer hängt zwar der Hinweis, das hier ein Architekturbüro aus Hamburg mit einem Projekt betraut ist. Aber zur Art und Gestaltung des Vorhaben gibt es keine Auskunft.

Anwohner ärgern sich über die martialische Gestaltung der Mauer

Umso mehr sind die Nachbarn verwundert und verärgert über den Bau der Mauer im Nirgendwo. Noch klaffen in der Wallanlage große Lücken. „Ab und zu sieht man Asiaten an der Mauer arbeiten. Aber an vielen Tagen geschieht überhaupt nichts“, sagt ein Passant. Dass die chinesische Botschaft hier einen Gebäudekomplex bauen wird, ist den meisten Anwohnern nicht bekannt. Viele Passanten, die man vor der Mauer antrifft, sind wenig begeistert über die martialische Gestaltung mit Stacheln. „Wir schauen jetzt von unserem Balkon auf dieses Ungetüm“, sagt Rentnerin Helga.

Die DDR überließ das Grundstück China

Die Geschichte des Mauerbaus geht bis in die 80er Jahre zurück. Damals reservierte die DDR das Brachgrundstück in Pankow für den Bau von Diplomatengebäuden Chinas. Doch die Volksrepublik machte von dieser Möglichkeit nie Gebrauch. Nach der Wiedervereinigung bemühte sich das Bezirksamt, die Fläche durch einen Grundstückstausch zurückzugewinnen, um hier ein Pflegeheim zu errichten. Doch obwohl auch China an einem Tausch interessiert war, platzte das Geschäft wegen formeller Probleme - und die Brache im Wohngebiet nahe des U-Bahnofs Vinetastraße blieb lange kahl.

Senat sieht ein besonderes Sicherheitsbedürfnis gegeben

Dass hier nun eine Mauer entsteht, darauf hat der Berliner Senat keinen Einfluss. „Unabhängig davon, ob uns ein solcher massiver Zaun gefällt oder nicht, stehen bei diplomatischen und konsularischen Nutzungen Sicherheitsbedürfnisse im Vordergrund“, erklärt Petra Rohland von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf Anfrage. Denn ein Empfangsstaat habe eine besondere Schutzpflicht sowohl gegenüber den Räumlichkeiten einer Botschaft und eines Konsulats als auch gegenüber den Privatwohnungen der Diplomaten.

Botschaftsgebäude sind „erhöhter Gefährdungslage“ ausgesetzt

Ein besonderer Schutz an solchen Grundstücken ist also rechtens, weil diplomatische und konsularische Liegenschaften und Privatwohnungen der Diplomaten einer „erhöhten Gefährdungslage“ ausgesetzt sind, wie Rohland sagt. Auch dann, wenn keine konkrete Gefahr eines Anschlags besteht, müsse man den Bau einer solchen Zaunanlage zulassen.