Verkehrsproblem

Sitzstreik gegen Lastwagen in Pankower Wohngebieten

Verkehrsaktivisten wollen am Donnerstag die Kastanienallee blockieren und so den Schwerlastverkehr aus Reinickendorf stoppen.

Zielkonflikt zwischen Wohnen und Gewerbe. Sattelschlepper bahnen sich ihren Weg durch Pankower Wohnstraßen – wie hier in Niederschönhausen.

Zielkonflikt zwischen Wohnen und Gewerbe. Sattelschlepper bahnen sich ihren Weg durch Pankower Wohnstraßen – wie hier in Niederschönhausen.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Seit Jahren zittern die Schrankwände im Minutentakt, Tag und Nacht zwängen sich schwere Lastwagen dicht an Hauswänden und parkenden Pkw entlang der Autobahn entgegen, ohne dass die Speditionen Beschränkungen fürchten müssten. Jetzt wollen die Anwohner der Kastanienallee in Pankow nicht mehr auf politische Entscheidungen warten – jetzt handeln sie selbst.

Ein Sitzstreik am heutigen Donnerstag soll das Nadelöhr in Rosenthal vollkommen schließen. Pünktlich zur Stoßzeit kommt der Verkehr an der Ecke Kastanienallee und Schönhauser Straße ab 17 Uhr zum Erliegen. „Bringen Sie bitte Klappstühle und Sitzkissen mit“, ruft der Verein für nachhaltige Verkehrsentwicklung nach Unterstützung. Von 17.30 an wollen die Aktivisten dann mit Protestschildern die Kastanienallee entlang laufen und um 18.30 Uhr auch an der Ecke Friedrich-Engels-Straße ihren Ärger über den Schwerlastverkehr in diesem Wohngebiet mitteilen.

Angst vor heranrasenden40-Tonnern

„Rot-Rot-Grün muss Farbe bekennen“, ist die Veranstaltung überschrieben – ein Hinweis auf die Verkehrswende, deren Effekte viele Nachbarn der betroffenen Straßen in Niederschönhausen, Wilhelmsruh und Rosenthal nicht erkennen können. Tatsächlich werde die Kastanienallee sogar noch erweitert, um Lkw mehr Platz geben, beschwert sich der Vorsitzende des Vereins, Thomas Zoller. „Das führt dazu, dass sich Kinder und Senioren kaum noch auf die Straße trauen aus Angst vor heranrasenden 40-Tonnern“, beschreibt er das Problem.

Eine Petition für ein Verkehrskonzept für den Pankow Norden mit über 3600 Unterschriften liegt inzwischen auf dem Schreibtisch von Pankows Verkehrsstadtrat Vollrad Kuhn (Grüne). Er unterstützt die Forderung, sieht die Verantwortung für ein Verkehrskonzept aber beim Senat, der sich auch mit Brandenburger Kommunen und dem Bezirksamt Reinickendorf abstimmen müsse.

Im Verkehrsausschuss der Bezirksverordnetenversammlung wird in Kürze ein Antrag der Grünen-Fraktion beraten, der sich an die Petition des Vereins anlehnt. Kernforderungen sind die Ausweisung einer Tempo-30-Zone und ein Durchfahrtsverbot für Lkw über 7,5 Tonnen, die oft aus Reinickendorfer Industriegebieten kommend durch Pankow donnern. Zwar gibt es keine Bedenken gegen die Einschränkung an sich, sehr wohl aber, was die Konsequenzen für den ganzen Kiez bedeutet. Wenn man eine einzelne Durchfahrt vom Schwerlastverkehr befreien würde, könnte sich der Verkehr in die umliegenden Straßen verlagern, gibt Kuhn zu bedenken.

Tempo 10 in der Friedrich-Engels-Straße

Wie stark das Bezirksamt in der Vergangenheit schon eingegriffen hat, zeigt das Beispiel der Friedrich-Engels-Straße. Hier sind die Erschütterungen durch Lkw auf der Schlaglochpiste so extrem, dass Pankow das Tempo im Juli auf nur zehn Kilometer pro Stunde senken ließ. Eine entsprechende Beschilderung ließ sich der Bezirk 1150 Euro kosten.

Auch diese Maßnahme konnte Thomas Zoller und seine Mitstreiter nicht befrieden, wie die aktuelle Protestaktion gegen den Schwerlastverkehr am Donnerstag zeigt. Vorbild ist eine andere Sitzblockade, die in Pankow Ende Mai zu einem Erfolg führte. Damals protestierten Anwohner rund um den Schlosspark Schönhausen für eine Ausweisung der Ossietzkystraße als Fahrradstraße und freuten sich kurz darauf über das Resultat. Eine Umsetzung der Forderung erfolgt nun in diesem Herbst.