Verkehrsproblem

Lastwagen lassen in Pankow Wände beben und Schränke wackeln

Anwohner wehren sich jetzt gegen den Schwerlastverkehr aus Reinickendorf und fordern Sperrungen für Lkw über 7,5 Tonnen.

Die Wackenbergstraße könnte eine ruhige Wohngegend sein – wären da nicht die Sattelschlepper.

Die Wackenbergstraße könnte eine ruhige Wohngegend sein – wären da nicht die Sattelschlepper.

Foto: Thomas Schubert

Es war das Jahr, das die Freiheit brachte – und ein Ärgernis, das bis heute anhält. Als 1989 in Berlin die Mauer fiel, befanden sich die Industriegebiete des West-Bezirks Reinickendorf nicht mehr in einer Randlage, sondern mitten in der wiedervereinigten Stadt.

„Seitdem donnern Tag und Nacht Hunderte Lastwagen in Richtung Autobahn durch Wilhelmsruh, Rosenthal und Niederschönhausen“, mahnt Thomas Zoller, einer von Tausenden Betroffenen. Er will die Karawane der Laster nicht länger hinnehmen und sagt: „Schwerlastverkehr in Wohngebieten bedeutet Ausnahmezustand – jeden Tag, jede Nacht, jedes Wochenende.“

Zoller spricht nicht nur als Leidtragender, sondern auch als Vorsitzender des Vereins für nachhaltige Verkehrsentwicklung in Pankow. Mehr als 3600 Einwohner haben dessen Petition bereits unterzeichnet, um die Situation zu entschärfen.

Tempo 30 und Durchfahrtverbot

Die Petition enthält Forderungen, die nun die Pankower Grünen-Fraktion in einem Antrag teilweise übernommen hat. Dazu gehört die Erstellung eines Konzepts für schweren Lastverkehr aus den Industriegebieten in Reinickendorf, das Pankow mit dem Bezirksamt und Senat ausarbeiten soll. Zudem müsse in Wohnstraßen mit besonders hoher Lärm- und Verkehrsbelastung, vor allem in der Kastanienallee, der Friedrich-Engels-Straße, der Schönhauser Straße und der Straße vor Schönholz Tempo 30 gelten. Und drittens versuchen die Grünen, ein Durchfahrtverbot für Lkw mit einem Gewicht von über 7,5 Tonnen erwirken.

Im Verkehrsausausschuss wollen unzufriedene Anwohner und Fachpolitiker aller Fraktionen nun über diese und andere Lösungsmöglichkeiten beraten. Vonseiten des Bezirksamt ist wenig Widerstand gegen die Vorschläge zu erwarten.

Allerdings sind die Befugnisse der Pankower Ämter begrenzt, weil man von Entscheidungen des Bezirksamts Reinickendorf, des Senats und der brandenburger Umlandgemeinden abhängig ist, wie Verkehrsstadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) betont. Er sagt: „Wir brauchen dringend ein Gesamtkonzept für Berlin, insbesondere für den Nordost-Raum.“ Wenn dann auf Straßen wie der Kastanienallee wirklich Einschränkungen greifen, müsse man sicherstellen, dass die Lkw nicht auf benachbarte Routen ausweichen und neue Probleme bewirken.

Krachende Ladung reißt Pankower aus dem Schlaf

Wie auch immer das Ergebnis ausfällt – Thomas Zoller und seine Nachbarn fordern, dass die Maßnahmen 30 Jahre nach Entstehung des Problems schnell kommen. „Es ist normal, dass wir nicht schlafen können, weil die Ladungen der Laster krachen und unsere Schränke wackeln“, sagt er. Auch im Sommer müssten Fenster nachts geschlossen bleiben.