Schulbauoffensive

Alte Schule am neuen Ort – Pankow baut gegen den Mangel an

Die Schulbauoffensive hat viele Gesichter, nicht nur Neubau, sondern auch Sanierung. Ein Beispiel aus Pankow zeigt die Herausforderung.

Die Elisabeth-Christinen-Grundschule in Pankow feiert Eröffnung – in einem attraktiverem Gebäude.

Die Elisabeth-Christinen-Grundschule in Pankow feiert Eröffnung – in einem attraktiverem Gebäude.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Wenn das hier ein Märchenfilm wäre, dann würde man sich als Kind die Augen reiben und sagen: „Huch, was ist plötzlich aus meiner Schule geworden?“ Eben wurde noch in einem heruntergekommenen sozialistischen Plattenbau gelernt und nun plötzlich in einer frisch sanierten Schule aus der Kaiserzeit. Genauso erging es nämlich den Schülern der Elisabeth-Christinen-Grundschule in Niederschönhausen im Bezirk Pankow. Obwohl, von einem schlagartigen „Huch“ kann keine Rede sein. Ein bisschen länger war die Leidenszeit schon.

Also zurück auf Anfang. Spätestens im Januar 2017 war nach einer Brandsicherheitsschau in der alten Schule, dem Plattenbau an der Lindenberger Straße, klar – hier sieht alles inzwischen nicht nur schäbig aus. Das ist richtig gefährlich! Denn im Brandfall hätte man die Grundschule mit 345 Schülern nicht rechtzeitig evakuieren können. Kurzfristig wurden mehrere Obergeschosse der Schule gesperrt, bis zum Schluss blieb ein Seitenflügel unzugänglich. Und die Hauptstadt führte eine Welt-Neuheit ein: die menschlichen Brandmelder, sprich Lehrer. So überbrückte man die nächsten zwei Jahre. „Länger wäre auch nicht gegangen“, sagt Konrektorin Nadine Jaeschke sehr bestimmt.

„Heute könnte man sagen: Saniert in schwierigen Zeiten“

Aber man wusste ja, es hat ein Ende. Denn rund einen Kilometer entfernt lag eine ehemalige Schule, die 2002 geschlossen worden war. In der Kaiserzeit erbaut, hatte sie eine wechselvolle Geschichte – mal Gemeindeschule, mal Hilfskrankenhaus. Der morphinsüchtige Autor Hans Fallada starb hier 1947 in einem der umgewandelten Klassenzimmer. „Erbaut in schwierigen Zeiten“, steht als Motto über dem Haus A, welches während des Ersten Weltkriegs entstand. „Heute könnte man sagen: Saniert in schwierigen Zeiten“, witzelt der Pankower Schulstadtrat Torsten Kühne (CDU) beim Schulfest, mit dem man den neuen Standort offiziell eröffnet.

Alle sind gekommen – nicht nur Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), auch der Vorsitzende des Landeselternausschusses Norman Heise und einige seiner Mitstreiter, der Leiter der Pankower Musikschule Béla Bartók, eine Polizistin aus dem Bereich, die Jungs von der Feuerwehr. Sie alle wollen mit den Kindern die Schuleröffnung feiern.

„Bei Schulbauoffensive denkt man häufig nur an Neubauten“, sagt Kühne. Dabei sei die Sanierung und der Ausbau der bestehenden Schulen mindestens genauso wichtig. Zu lange hatte man in der Senatsverwaltung Bezirkspolitikern wie denen aus Pankow nicht richtig zugehört, obwohl die warnten, dass ihre Schulen bald aus allen Nähten platzen würden. „Wir haben ja gesehen, wie voll die Kitas sind“, erzählt Kühne. Erst im Frühjahr 2016 wurden die Hilferufe aus dem Bezirk wirklich Ernst genommen.

Wie dringend Pankow neue Klassenräume braucht, spiegelt sich in der aktuellen Statistik des Bezirksamts nieder. Jedes Jahr steige die Schülerzahl in Pankow um 1000 bis 2000 Kinder, betont der Chef Kühnes – Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke). „Wir brauchen bis zum Jahr 2030 deutlich über 12.000 neue Schulplätze in Pankow“, beschreibt er den immensen Bedarf. In keinem anderen Bezirk ist der Druck so gravierend wie in Pankow. Deshalb habe das Thema Schulneubau oberste Priorität, sagt der Bürgermeister. Man habe zuletzt mehrfach Bauplanungen verändert, um dem noch Schulbau mehr Geltung zu verschaffen als bisher.

Der Trend in Pankow geht zum dritten Kind

Im Juni wurde der erste Bauabschnitt einer neuen Grundschule in der Cotheniusstraße übergeben, 2020 werde eine neue Schule an der Rennbahnstraße in Weißensee teilweise fertigstellt. 2022 sollen dann vier Neubau-Grundschulen gleichzeitig eröffnen. „Es passiert jetzt mehr als jemals zuvor – wenn auch nicht schnell genug“, bewertet Benn die Lage. Es werde definitiv noch mehrere Jahre einen dramatischen Schulplatzmangel im einwohnerstärksten Bezirk Berlins geben. Die Probleme sollen temporäre Schulen in modularer Bauweise abfedern, die eine Kapazität von 4000 Plätzen haben werden.

Auch wenn es Differenzen gab – nun wollen Schulstadtrat Kühne und Bildungssenatorin Scheeres deutlich zeigen, wie gut man endlich zusammenarbeitet. Scheeres weiß jetzt, wie es im Bezirk läuft: „Der Trend geht zum Drittkind.“ Drum müsse man dynamisch weitermachen mit Sanierungen und Neubauten. Und Kühne ruft freudig: „Das Glas ist mehr als halbvoll.“ Die Zeiten des halbleeren Glases, sie seien endlich vorbei. Ganz nah platzt ein Deko-Ballon, ein Schüler piekst ihn an.

Sanierung der Christinen-Schule kostete 11 Millionen Euro

Und was wird aus der Plattenbauschule? Auch die wird nun saniert, denn sie wird dringend gebraucht. Man habe gute Erfahrung mit der Sanierung von DDR-Bauten, sagt Kühne. So lange es wirtschaftlich bleibe, reiße man nicht ab.

Apropos wirtschaftlich. Senatorin Scheeres sprach auch an diesem Nachmittag wieder von 5,5 Milliarden Euro, die in die Schulbauoffensive fließen. Doch klar ist, diese Summe wird am Ende nicht reichen. „Das hat der Finanzsenator schon vor einem Jahr gesagt“, meint Scheeres. Denn die Summe 5,5 Milliarden entstand aus einem ersten Monitoring, Außenflächen sind dort häufig nicht einberechnet. Und wie viel hat die Sanierung der Elisabeth-Christinen-Schule gekostet? Rund 11 Millionen Euro.