Prenzlauer Berg

Kleingärtner retten Litfaßsäulen vor dem Abriss

In der Anlage Bornholm finden fünf abgerissene Säulen eine neue Verwendung. Sie werben für ein Projekt.

Vom Bürgersteig in den Garten: Fünf von 2500 Berliner Litfaßsäulen finden in den Bornholmer Gärten eine neue Bestimmung.

Vom Bürgersteig in den Garten: Fünf von 2500 Berliner Litfaßsäulen finden in den Bornholmer Gärten eine neue Bestimmung.

Foto: Kleingartenanlage Bornholm / BM

Sie waren ein Berliner Kulturgut, stellten in den Kiezen jahrzehntelang Plakate zur Schau – und mussten in den vergangenen Monaten trotzdem weichen: Der Senat gab fast alle der rund 2500 bestehenden Litfaßsäulen zum Abriss frei, weil ein neuer Betreiber stattdessen seine eigenen Werbeträger aufstellen wollte.

Aber fünf Säulen sind der Verschrottung entgangen – dafür seien sie zu schade, befanden Kleingärtner der Anlage Bornholm in Prenzlauer Berg. Also verhandelten sie mit dem früheren Betreiber, der Firma Wall, boten an, die Reklameanzeiger zu übernehmen. Jetzt stehen sie tatsächlich im Reich der Laubenpieper. Und dienen dort als neue Boten der Kampagne „Da wächst was“, einem Projekt zum Erhalt von sozial genutzten Grünflächen in der wachsenden Stadt.

Kleingärtner solidarisieren sich mit dem Kulturgut

Die Gärtner wollen in dem Zusammenhang auch für den dauerhaften Erhalt von Kolonien in Pankow werben. Dabei zählt die Anlage an der Bornholmer Brücke zu den größten Kleingartenarealen der östlichen Berliner Innenstadt. „Die alten Litfaßsäulen gehören zu Berlin – genauso wie die Kleingärten“, erklärt Robert Ide, der als Journalist arbeitet und in der Kleingartenanlage Bornholm 1 als ehrenamtlich stellvertretender Vorsitzender wirkt. Ide sagt: „Mit der Aufstellung der Säulen wollen wir zeigen, wie vielschichtig und bunt das Kleingartenwesen bereits ist. Um auch den sozialen Wert zu zeigen, stellen wir nun neue Motive vor.“

Besucher der Kolonie können also auf Plakaten an den Litfaßsäulen die neusten Ideen zur Kampagne „Da wächst was“ ablesen und Neuigkeiten zu ökologischen Themen erfahren. „Außerdem wollen wir das Außenbild der Kleingärtner ein bisschen entstauben. Wir sind ein durchmischter Haufen, der weitaus lockerer und offener ist, als viele denken“, betont Sebastian Krumeich, der als kreativer Kopf der Kampagne gilt. Zuletzt hatten die Gärtner mit ihrem Konzert zur Fête de la Musique überrascht, als sie das Reich der Zierpflanzen und Gartenzwerge in eine Konzertkulisse verwandelten.