Eberswalder Straße

Warum die BVG intakte Straßenbahngleise versetzen muss

Eigentlich könnte das Gleis der M10 am Mauerpark bleiben wie es ist. Die BVG baut trotzdem um. Und nennt einen bürokratischen Grund.

Auf der Eberswalder- und Bernauer Straße im Bereich des Mauerparks stehen Berliner bis zum 12. August im Stau.

Auf der Eberswalder- und Bernauer Straße im Bereich des Mauerparks stehen Berliner bis zum 12. August im Stau.

Foto: Thomas Schubert

Es war nur ein kleiner Schwenk, für Fahrgäste kaum bemerkbar. Knapp zwei Jahre lang machte die BVG-Straßenbahnlinie M10 einen kleinen Bogen um die Einfahrt der Baustelle der Berliner Wasserbetriebe am Mauerpark. Um Platz für Anlieferungen zu schaffen, einigten sich die Bauherren und die BVG darauf, die Gleise auf der Eberswalder Straße 2017 um wenige Meter in Richtung Süden zu versetzen. Seit dem 22. Juli wiederholt sich das gleiche Prozedere wie damals: Sperrung des Straßenbahnverkehrs, Versetzung der Gleise – diesmal aber in die ursprüngliche Spur. Am Ende soll alles so sein, wie es ursprünglich war.

Schienenersatzverkehr ab Jahn-Sportpark

Noch bis zum 12. August – über das Ende der Sommerferien hinaus – müssen Autofahrer mit Verkehrsbehinderungen rechnen und Nutzer der M10 in Richtung Hauptbahnhof ab der Haltestelle Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark in die Busse des Schienenersatzverkehrs umsteigen. Viele, denen die Baustelle Umstände bereitet, fragen sich: Warum konnten die Gleise nicht einfach so liegen bleiben wie sie sind? Technisch gesehen funktionierte die provisorische Streckenführung mit dem kleinen Schwenk offenbar einwandfrei.

Trassenführung ist genau vorgegeben

BVG-Sprecherin Petra Nelken hat eine Erklärung, die mit praktischen Erwägungen nichts zu tun hat: „Ein Straßenbahnlinie ist planfestgestellt. Man kann sie nicht einfach willkürlich verändern“, erklärt Nelken. So müsse jede Abweichung von der Trasse, die einst im Planfeststellungsverfahren festgeschrieben wurde, wieder rückgängig gemacht werden. Selbst wenn es erheblich billiger wäre, es bei der Zwischenlösung zu behandeln, ist dies also baurechtlich nicht möglich. Die Kosten für die Versetzung der Gleise und den jetzigen Rückbau tragen im Übrigen die Wasserbetriebe – der Umbau ist im 20 Millionen Euro großen Gesamtbudget der Baustelle des Stauraumkanals enthalten.

Wasserbetriebe begrünen den Mauerpark

Unterdessen nähert sich das Großprojekt dem Abschluss. Im Bereich der Schwedter Straße im Mauerpark sind inzwischen alle Lüftungs- und Reinigungsschächte in den Stauraumkanal eingebaut. Fünf weitere sollen noch folgen. Ab September wird das Kopfsteinpflaster in der Schwedter Straße, das wegen der Bauarbeiten in Mitleidenschaft geriet, repariert. Dabei schreiten die Arbeiten am Pflaster von der Eberswalder Straße nach Norden zur Gleimstraße voran. Ab Ende Oktober wollen die Wasserbetriebe den Rasen des Parks im Baustellenbereich erneuern und die Wiesenböschungen wieder herstellen. Bis Dezember will man im Parkeingang an der Eberswalder Straße neue Bäume pflanzen und die Flächen wieder der Stiftung Grün Berlin übergeben. Zum Jahreswechsel soll auch der bislang für Autos voll gesperrte Gleimtunnel wieder befahrbar sein.

Der 654 Meter lange Stauraumkanal unter dem Mauerpark wird künftig bei starkem Regen die Wassermassen auffangen und so verhindern, dass Schmutzwasser in die Panke überläuft. Es handelt sich um das derzeit größte Bauvorhaben der Wasserbetriebe in Berlin.