Sommerbaustelle

Baustelle auf der Bernauer Straße: Dauerstau in der City

Die Trasse der Straßenbahn am Mauerpark wird in die normale Spur zurückversetzt. Der Tramverkehr zum Hauptbahnhof ist unterbrochen.

Auf der Eberswalder und Bernauer Straße stehen Autofahrer im Bereich des Mauerparks bis zum 12. August im Stau.

Auf der Eberswalder und Bernauer Straße stehen Autofahrer im Bereich des Mauerparks bis zum 12. August im Stau.

Foto: Thomas Schubert

Berlin.  Neue Staufalle für Berlins Autofahrer: Seit Wochenbeginn gibt es auf der Eberswalder und der Bernauer Straße zwischen Prenzlauer Berg und Mitte kaum noch ein Vorankommen. Grund sind Bauarbeiten der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) an den Tramgleisen für die M10. Ausweichen ist kaum möglich. Denn auch auf der Invalidenstraße, der Karl-Liebknecht-Straße oder auf der Grunerstraße und der Leipziger Straße wird – teilweise schon seit Monaten – gebaut. Somit droht auf allen wichtigen Ost-West-Verbindungen in der Stadt derzeit der Stillstand.

Doch auch wer sein Auto stehen lässt, kommt nicht unbedingt schneller voran. Seit Montag fährt M10, die eigentlich von Friedrichshain und Prenzlauer Berg zum Hauptbahnhof führt, vorzeitig in der Wendeschleife am Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark. Wer auf dem 2015 eröffneten Streckenzweig über die Bernauer und die Invalidenstraße zum Hauptbahnhof gelangen will, muss bis Montag, 12. August, in Busse des Schienen-Ersatzverkehrs umsteigen.

Der Grund für die Großbaustelle auf dem Streckenabschnitt zwischen Jahn-Sportpark und dem S-Bahnhof Nordbahnhof: Die BVG hebt dort ein Provisorium wieder auf. Damit die Berliner Wasserbetriebe im Mauerpark Platz haben für die Zufahrt zur Baustelle eines neuen Stauraumkanals, hatte die BVG die Schienen 2017 um einige Meter versetzt. Nun neigen sich die Bauarbeiten am Stauraumkanal dem Ende entgegen – und die Verkehrsbetriebe rücken die Schienen der M10 in die ursprüngliche Bahn zurück.

M10 fuhr zweieinhalb Jahre einen „Schlenker“

„Mal wieder gerade machen“, nennt die BVG das Projekt in ihrer Erklärung zum Bauvorhaben. Rund zweieinhalb Jahre sei es nun her gewesen, dass man den Straßenbahngleisen in der Eberswalder und Bernauer Straße „einen kleinen Schlenker verpasste“. Damit sei es nun vorbei – „jetzt wird die Trasse wieder begradigt“, heißt es.

In der Praxis bedeutet das: Der Verkehr auf der wichtigen Ost-West-Achse zwischen den U-Bahnhöfen Schönhauser Allee und Bernauer Straße ist über die Sommerferien hinaus weitgehend lahmgelegt. Auf dem Mittelstreifen haben Bagger den Asphalt zertrümmert, Autos und Lieferwagen quetschen sich auf einer Spur in Richtung Hauptbahnhof. Und mit ihnen stehen auch die Busse des Ersatzverkehrs im Stau. In die Gegenrichtung ist der Abschnitt der Bernauer Straße sogar ganz gesperrt.

Das mag effizient sein, doch das Bauprojekt als Ganzes stellt BVG-Kunden wie Hanna Berger vor Probleme. „Ich muss jetzt zusehen, wie ich meinen Zug am Hauptbahnhof bekomme“, ärgert sich die Friedrichshainerin, als sie am Jahn-Sportpark vorzeitig aus der M10 steigen muss. Im Ersatzbus, der sie kurz darauf vor dem Bauzaun abholt, findet ihr Koffer immerhin mühelos Platz. Am Mittwochmorgen wollen nur wenige diese Notlösung nutzen.

Gleise werden vorsorglich erneuert

Presslufthämmer dröhnen, Staub fliegt, Lastwagen manövrieren im Schritttempo durch das Nadelöhr. Wer kann, umfährt die Baustelle mit dem Fahrrad. Eigentlich ist der Bereich, in dem die Gleise der M10 in die Normallage zurückverlegt werden, nur 100 Meter lang.

Aber die BVG nutzt die Zeit der Sperrung, um bei dieser Gelegenheit parallel noch weitere Arbeiten auf diesem Streckenabschnitt zu erledigen. So werden im Bereich zwischen Schwedter Straße und Gartenstraße die Gleise komplett erneuert.

Mit der neuen Baustelle auf der Eberswalder und der Bernauer Straße sind nun drei wichtige Ost-West-Verbindungen in Berlin gleichzeitig durch Bauarbeiten beeinträchtigt. Im Bereich der Gruner- und Leipziger Straße in Mitte werden bereits seit Monaten die Fahrbahnen verlegt, um Platz für den Wiederaufbau des Molkenmarkts in seiner historischen Gestalt zu schaffen. Im Rahmen des auf fünf Jahre angelegten Projekts will die Senatsverkehrsverwaltung 18 Millionen Euro verbauen. Künftig wird die Grunerstraße dichter am Roten Rathaus entlang verlaufen und zudem deutlich schmaler ausfallen. Dabei fallen vor allem auf dem Mittelstreifen rund 350 Parkplätze weg.

Karl-Liebknecht-Straße in Höhe Alex dicht

In Höhe Alexanderplatz ist seit Montag auch die Karl-Liebknecht-Straße fast dicht. Die Deutsche Bahn lässt dort bis zum 6. Oktober den Korrosionsschutz an der Bahnbrücke erneuern. Für Autofahrer steht zeitweise nur noch eine Fahrspur pro Richtung zur Verfügung. Die BVG nutzt die Zwangspause, um im Abzweig von der Liebknecht- in die Dircksenstraße neue Gleise und Weichen für die Tram einzubauen. Vom 5. August bis zum 1. September werden daher die Bahnen der Linie M2 ab Mollstraße/Prenzlauer Allee über den U-Bahnhof Rosa-Luxemburg-Platz zum S-Bahnhof Hackescher Markt fahren. Dass es in der Gleisschleife der Straßenbahn am Hackeschen Markt in dieser Zeit voller als gewohnt wird, hat einen positiven Nebeneffekt für die Fahrgäste der M5: Tagsüber fahren dann alle Züge der M5 bis zum Hauptbahnhof – das betrifft auch jene Zugfahrten, die sonst am Hackeschen Markt enden.

Alternative zum Auto: Fahrrad oder E-Roller

An der neusten Sommerbaustelle vor dem Mauerpark versuchen Berliner und Touristen dem Stau vor allem auf zwei Rädern zu entkommen. „Normalerweise fahre ich jeden Tag mit der M10 zum Hauptbahnhof und steige dort in die S-Bahn um“, erzählt Berufspendler Jörn Wilke. Jetzt schwingt sich der Prenzlauer Berger aufs Fahrrad und legt den kritischen Bereich der Baustelle schneller zurück als die Ersatzbusse im Stop-and-go-Verkehr. Für Wilke ist die Baustelle kein Drama – „auf dem Fahrrad hat man Fahrtwind. Und das ist bei der Hitze ganz angenehm“, zeigt er sich gelassen. Ähnlich denkt auch der Tourist Sean Grant aus den USA. Er schnappt sich einen der E-Scooter, die neben Wartehäuschen parken. Und vor der Abfahrt sagt er: „Für die vielen Baustellen in Berlin ist ein Roller perfekt.