Jahn-Sportpark

Sorge vor Schäden am Mauerpark bei Neubau des Jahn-Stadions

Stadionabriss und Parksanierung finden gleichzeitig statt. Drei Senatsverwaltungen müssen sich abstimmen.

Spätestens in einem Jahr rücken im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg die Abrissbagger an. Es entsteht ein neues Stadion in gleicher Größe.

Spätestens in einem Jahr rücken im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg die Abrissbagger an. Es entsteht ein neues Stadion in gleicher Größe.

Foto: Annegret Hilse / dpa

Berlin. Als im Frühling die Lampen aus den Masten auf den Rasen stürzten und die Fußballer des BFC Dynamo Berlin ihre Heimspielstätte verlassen mussten, spätestens da war klar – das Jahn-Stadion in seiner jetzigen Form hat keine Zukunft mehr. Aber die Pläne für einen kompletten Abriss der 68 Jahre alten Sportstätte und einen 160 Millionen Euro teuren Neubau an gleicher Stelle ließen trotzdem aufhorchen. Bis zum Jahre 2023, wenn in Berlin die Special Olympics stattfinden, soll die Arena für 20.000 Zuschauer neu gebaut werden – dann barrierefrei und auf dem neuesten Stand der Technik. So wird der gesamte Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark „zu einer zentralen Inklusions-Sportanlage und zu einem Stützpunkt für den Behindertensport“, wie Staatssekretär Alexander Dzembritzki heraushebt.

Abgeordneter befürchtet „vielfältige Belastungen“

Mit dem Abriss der alten Anlage ab 2020 steht dem Westen von Prenzlauer Berg und vor allem dem Mauerpark ein radikaler Einschnitt bevor. Und Nachbarn des Stadions fragen: Wie stark wirkt sich das Bauprojekt auf die Umgebung aus? Der Pankower Linken-Abgeordnete Michail Nelken hat mit einer Anfrage bei der Senatsverwaltung für Sport diese Sorgen kundgetan. Und wundert sich, dass der Stadionneubau ohne Bebauungsplanverfahren auskommt, obwohl „vielfältigen Belastungen, und Interessenkonflikte“ zu erwarten seien.

LED-Leuchten verringern Blendung von Anwohnern

Eine Sorge, die Staatssekretär Dzembritzki zu entkräften versucht. „Städtebaulich wird eingeschätzt, dass es keine Konflikte geben kann, da die bestehenden Parameter des Stadions auch beim Neubau grundsätzlich eingehalten werden“, heißt es in seiner Antwort auf Nelkens Anfrage. Der Senat gehe davon aus, „dass eine deutliche Verbesserung im städtebaulichen Kontext und für die direkte Anwohnerschaft entsteht“. Als Beispiel nennt Dzembritzki die sinkende Belastung durch Lichtemissionen. „Neue Stadien beleuchten die Sportflächen üblicherweise nur noch über LED-Leuchten, die im Innern der Stadien verbaut werden und nicht nach außen in die Umgebung abstrahlen, wie die Flutlichter auf hohen Masten“, wendet er ein. Das neue Stadion entspreche in seiner Größe den bisherigen städtebaulichen Dimensionen. So kommt man ohne einen neuen Bebauungsplan aus.

Erste Informationsveranstaltungen im Herbst 2019

Auch im Hinblick auf den direkt benachbarten Mauerpark, der momentan erweitert und in Kürze auch saniert wird, hat der Staatssekretär keine Bedenken: „Wechselwirkungen zwischen der Parkerweiterung und dem Neubau von Stadion und Sportpark sind nicht erkennbar.“ Für bauliche Probleme zwischen Mauerpark- und Stadiongelände wie Höhenunterschiede im Geländeniveau, denkmalrechtliche Auflagen und die Gestaltung der direkten Grundstücksgrenze würden sich alle drei beteiligten Senatsverwaltungen in einer Arbeitsgemeinschaft abstimmen. Erste Informationsveranstaltungen für Anwohner seien für Herbst 2019 geplant.

Abschied von der Heimstätte des BFC Dynamo

Zum Abschiednehmen vom alten Stadion haben die Berliner maximal noch elf Monate Zeit, wie der Staatssekretär bekannt gibt: „Für den Betrieb der Sportstätte existiert eine kürzlich bis zum 30. Juni 2020 verlängerte Betriebsgenehmigung. Ein Weiterbetrieb des Stadions darüber hinaus, ohne eine deutliche Verbesserung der maroden Situation, ist nicht möglich und somit ist Handlungsbedarf geboten.“ Ein Handlungsbedarf, der nun definitiv mit Abrissbaggern vollzogen wird.

Die Anlage wurde 1951 anlässlich der Weltjugendspiele gebaut und war bislang die Heimstätte des DDR-Serienmeisters BFC Dynamo. Der Fußball-Regionalligist trug bis zuletzt seine Heimspiele im Jahn-Stadion aus, in dem auch jedes Jahr das Berliner Pokalfinale veranstaltet wurde.