Acoustic Shells

Klangexperten testen Schallschutzmuscheln im Mauerpark

Eine technische Lösung soll Anwohnerbeschwerden wegen Ruhestörung entgegenwirken. An vier Orten werden die Muscheln erprobt.

Der Architekt Jason Flanagan besucht den Mauerpark und präsentiert seine "Acoustic Shells" erstmals in Berlin. In Großbritannien sind die Muscheln schon im Einsatz. 

Der Architekt Jason Flanagan besucht den Mauerpark und präsentiert seine "Acoustic Shells" erstmals in Berlin. In Großbritannien sind die Muscheln schon im Einsatz. 

Foto: Jason Flanagan / privat

Verhaltensregeln für Musiker sind das Eine – technische Möglichkeiten zur Vorbeugung von Lärmbeschwerden das Andere. Noch immer fehlen dem Mauerpark mit seinem Amphitheater und steilen Hängen die Voraussetzungen zur professionellen Spielstätte. Musiziert wird vor allem sonntags trotzdem. Und trotz der Vereinbarung, Konzerte auf die Zeit montags bis donnerstags von 11 bis 19.30 Uhr und an Freitagen, Wochenenden und Feiertagen von 11 bis 20.30 Uhr zu beschränken, drohen neue Beschwerden, mit denen sich das Bezirksamt Pankow auseinandersetzen muss.

Mobile Muschel mit 3,60 Meter Höhe in Arbeit

In Kürze können Parkbesucher nun erleben, wie Klangexperten versuchen, die Konzerte von Straßenmusikern mit speziellen Schallschutzmuscheln zu dämpfen. Diese Idee hatte die Initiative „Save Mauerpark“ schon im Rahmen des Runden Tischs im vergangenen Winter vorgetragen. Jetzt folgt die Umsetzung – zumindest probeweise. Am Sonntag, 21. Juni, um 16 Uhr wird der britische Architekten Jason Flanagan die so genannten „Acoustic Shells“ im Restaurant Mauersegler erstmals im Park vorstellen.

„Als Pilotprojekt sollen zunächst mobile Shells sonntäglich für die Zeiten, in denen das Musizieren erlaubt ist, auf und wieder abgebaut werden“, schreibt der Ingenieur, Ulrich Schweizer, einer der Köpfe bei „Save Mauerpark“. Die Konstruktion solle für die mobile Ausführung einen möglichst einfachen und schnellen Aufbau durch zwei Personen ermöglichen. Das Material der Schale besteht laut Schweizer aus Holzfaserplatten mit 25 bis 30 Millimetern Dicke. Angedacht ist ein Format von 3,60 Metern Höhe und 6,50 Metern Breite. Das Gesamtgewicht der Teile soll höchstens bei 56 Kilogramm liegen. Getestet wird die Muschel an vier Standorten zu beiden Seiten des Amphitheaters mit Ausrichtung zum Hang.

Schweizer hat neben den Muscheln, die den Schall von Wohnhäusern fernhalten und in Richtung des Konzertpublikums bündeln sollen, auch andere Möglichkeiten ausgelotet. Eine gerade Schallschutzwand müsste nach seinen Untersuchungen ungefähr ebenso hoch sein wie die Häuser in der Wolliner Straße und falle deshalb aus. Eine dichte Bepflanzung biete wiederum zu wenig Dämpfung. Insofern seien kompakte und tragbare Schalen für den Mauerpark ideal.

Feste Muschel könnte im Rahmen der Parksanierung folgen

„Sollte der Testlauf erfolgreich verlaufen, werden wir eine dauerhafte Lösung im Rahmen der Sanierung des Bestandsparks anstreben“, heißt es vom Verein Freunde des Mauerparks, der das Vorhaben unterstützt. Eine entsprechende Machbarkeitsstudie für die Aufwertung des 25 Jahre alten Grünanlage hatte die Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr im Mai vorgestellt.

Vorgeschlagen wird darin der Aufbau einer Parkbeleuchtung und die „Qualifizierung“ der verdorrten Liegewiese. Am Falkplatz, also dem Parkteil nördlich der Max-Schmeling-Halle, könnten Grillstationen entstehen. Welche Maßnahmen sich finanzieren lassen und tatsächlich umgesetzt werden, ist bislang noch offen.