Streitfall

Pankow will Spielplatz durch Enteignung retten

Der Bezirk geht gegen einen Investor vor: Statt Wohnungen zu bauen, soll er auf der Fläche einen Spielplatz bewahren.

Spielplätze und Wohnraum Mangelware: In Prenzlauer Berg streiten Bezirksamt und Investor nun um einen Freizeitort, der Wohnungen weichen soll.

Spielplätze und Wohnraum Mangelware: In Prenzlauer Berg streiten Bezirksamt und Investor nun um einen Freizeitort, der Wohnungen weichen soll.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Berlin. Je größer der Mangel, desto umkämpfter die Flächen: Während sich Kinder auf dem Spielplatz an der Liselotte-Herrmann-Straße in Prenzlauer Berg vergnügen, ist der Streit um die Rettung dieses Freizeitorts eskaliert. Schon im Januar hatte das Bezirksamt Pankow angekündigt, den Eigentümer der Kriegsbrache notfalls zu enteignen, der an dieser Stelle lieber ein Wohnungsbauprojekt verwirklichen will. Der Investor hatte mit einer Räumungsklage versucht, die Nutzung als Spielplatz zu beenden.

Spielplatz wurde im Wert von 100.000 Euro saniert

Die Stadträte Torsten Kühne (CDU) und Vollrad Kuhn (Grüne) hatten Anfang 2019 wiederum angekündigt, den Spielplatz notfalls durch Enteignung des Investors sichern zu wollen. Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, hat dieses Enteignunsverfahren inzwischen begonnen. Es könnte aber mehrere Jahre dauern, bis feststeht, ob der Bezirk tatsächlich Besitzer der Fläche wird, kündigt Stadtrat Kühne einen langwierigen Prozess an. Der strittige Spielplatz wurde erst vor Kurzem mit einer Investition von 100.000 Euro saniert.

Sowohl freie Wohnungen als auch Spielplätze sind in Pankow ein rares Gut. Wichtige Projekte wie die Bebauung des Güterbahnhofs Greifswalder Straße mit 400 Wohnungen kommen wegen Streitigkeiten zwischen Bezirksamt und Investor nicht in Gang. Und die meisten Brachgrundstücke sind inzwischen durch Neubauten gefüllt. Vor allem Familien, die sich vergrößern wollen, haben auf dem umkämpften Markt in Prenzlauer Berg Schwierigkeiten, eine passende Wohnung zu finden.

Pankow fehlt Personal für die Spielplatzwartung

Ähnlich gravierend fällt der Mangel an Spielplätzen aus. Weil der Bezirk jahrelang an der Unterhaltung sparen musste, sind viele Anlagen beschädigt und gesperrt. Gerade das Bötzowviertel, in dem sich sich der Spielplatz an der Liselotte-Herrmann-Straße befindet, gilt in Sachen Freizeitflächen als schlecht versorgt. Der Mangel bereitet in fast allen Teilen Pankows Probleme. Anfang des Jahres waren 160 von 220 öffentlichen Spielorten im Bezirk „sanierungsbedürftig“, sieben komplett gesperrt, 13 teilweise. Trotz Förderprogrammen des Senats kommt die Spielplatzsanierung nur langsam voran. Im Bezirk verweist man darauf, dass vereinzelte Finanzspritzen keine echte Abhilfe bringen, so lange es nicht genügend Personal gibt, das Spielplätze wartet und repariert.