Palliativmedizin

Neubau gegen die Platznot im Kinderhospiz

Die Björn Schulz Stiftung nimmt am „Sonnenhof“ einen Erweiterungsbau in Betrieb. Und braucht noch mehr Raum für todkranke Kinder.

Mehr Raum für die Hospizarbeit: Bärbel Mangels-Keil und Senatorin Dilek Kalayci (l.) nehmen den neuen Gebäudetrakt des „Sonnenhofs" in Betrieb.

Mehr Raum für die Hospizarbeit: Bärbel Mangels-Keil und Senatorin Dilek Kalayci (l.) nehmen den neuen Gebäudetrakt des „Sonnenhofs" in Betrieb.

Foto: Thomas Schubert

Es ist eine traurige Facette in der Geschichte der wachsenden Stadt: In Berlin ziehen so viele Familien zu, dass auch die Zahl der Kinder wächst, die an einer tödlichen Krankheit leiden. Und so kommt es, dass die Hospize der Hauptstadt dieser Entwicklung kaum noch Herr werden können. Allein im „Sonnenhof“, einer landesweit bekannten Einrichtung der Björn Schulz Stiftung in Pankow, stehen derzeit 100 Familien auf der Warteliste, die dringend eine ambulante oder stationäre Betreuung für ihr Kind bräuchten. Doch die Aussichten, dass ein solcher Pflegeplatz bewilligt wird, sind gering. „Es ziehen nicht nur mehr Familien mit kranken Kindern in die Stadt, es werden auch mehr Kinder geboren, die unsere Hilfe brauchen“, nennt Bärbel Mangels-Keil vom Vorstand der Björn Schulz Stiftung die Ursachen der Platznot.

„Sonnenhof“ sucht Erweiterungsflächen in Pankow

Am „Sonnenhof“ betreut ein Team aus 180 Mitarbeitern zwölf Kinder stationär – und deckt 600 Fälle in der ambulanten Versorgung ab. Aber noch immer übersteigt der Bedarf die Möglichkeiten. Um die Situation weiter zu verbessern, hat der „Sonnenhof“ nun einen Erweiterungsbau in Betrieb genommen – nach einer kurzen Bauzeit von nur acht Monaten schafft der fertiggestellte Trakt mit Büro- und Behandlungsräumen mehr Platz für die eigentlichen Aufgaben in den älteren Gebäudeteilen. „Dort können wir zum Beispiel zusätzliche Zimmer einrichten, in den Eltern übernachten können“, berichtet Mangels-Keil. Außerdem gewinne man mehr Platz für Therapieangebote – dazu gehören Massagen mit speziellen Ölen.

Aber auch der dreigeschossige Neubau mit rosenroter Fassade bringt nur kurzzeitig Entlastung, weil die Nachfrage stärker wächst als man mit dem Bauen hinterherkommt.

Betreuung der Kinder beginnt schon im Moment der Diagnose

Ein Problem, das Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) bestens kennt. „Leider stehen Hospiz- und Palliativversorgung nicht im Mittelpunkt des medizinischen Angebots“, sagt sie. Dabei gehöre der Umgang mit lebensverkürzenden Krankheiten in die Mitte der Gesellschaft. Auf Anregung von Mangels-Keil will Kalayci nun prüfen, ob die Schulz Stiftung Auszubildende beschäftigen könnte, damit sie die Erfordernisse eines Kinderhospizes von Grund auf lernen. Es gelten durchaus andere Regeln als in einer vergleichbaren Einrichtungen für Erwachsene. So beginnt die Betreuung der Kinder schon im Moment der Diagnose – und zieht sich hin bis zur langwierigen Trauerarbeit nach dem Tod.

Medizinischer Fortschritt ermöglicht ein längeres Leben

So groß die Freude über den neuen Trakt auch war – es wird nicht die letzte Erweiterung des „Sonnenhofs“ gewesen sein. Die Schulz Stiftung will weiter expandieren, sucht bereits nach geeigneten Flächen in Pankow. Zur Not kämen auch Standorte außerhalb des Bezirks infrage. Zusätzlichen Platz wird man auch wegen des medizinischen Fortschritts brauchen. Denn es gibt nicht nur immer mehr kranke Kinder, die Berlin ihr Zuhause nennen. Sie leben wegen immer besserer Behandlungsmethoden für Krankheiten wie Leukämie auch immer länger. Und das ist eine Facette der Entwicklung Berlins, die Bärbel Mangels-Keil gern erzählt.