Stadtentwicklung Pankow

Australische Botschaft: Investor setzt Künstler vor die Tür

Dem Atelierhaus auf dem früheren Botschaftsgelände droht die Räumung. Die Künstler wollen den Bau von Eigentumswohnungen verhindern.

Ende eines Kunsthauses: Alle Ateliermieter sollen die frühere Botschaft in Pankow ab Anfang Juli verlassen - und leisten Widerstand.

Ende eines Kunsthauses: Alle Ateliermieter sollen die frühere Botschaft in Pankow ab Anfang Juli verlassen - und leisten Widerstand.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. An einem heißen Frühsommermorgen saust der Ball über das Tennisnetz. Es sind vielleicht die letzten Aufschläge, die Künstler in ihren schöpferischen Pausen ausführen können, hier auf dem Sportplatz im Garten der früheren australischen Botschaft der DDR an der Grabbealle. Nur noch wenige Tage bleiben – dann ist die Nutzung des Botschaftsgeländes als Atelierhaus Geschichte. So hat es der Eigentümer der Fläche, Immobilienentwickler Prexxot, in einem Schreiben an die Künstlergemeinschaft nun verfügt. Am Sonntag, 30. Juni, laufen alle Verträge definitiv aus. Nach mehreren Verlängerungen in den vergangenen Jahren gibt es diesmal kaum noch Hoffnung auf eine Fortsetzung der Zwischennutzung.

Investor plant Umbau zum Wohnhaus

Ob Prexxot nun seine Pläne zum Bau von Eigentumswohnungen in der Botschaft realisieren wird? Oder das Objekt lieber weiterverkauft? Vom Unternehmen war zu den Plänen am Dienstag keine Auskunft zu erhalten. Egal wie es weitergeht – Sandy Schwermer, Sprecherin des Vereins Atelierhaus Australische Botschaft Ost bedauert, dass es wohl keine weiteren Verhandlungen des Investors mit den Künstlern geben wird. Sie sagt: „Unsere Lösung für einen Erhalt des Kunststandorts wird dadurch abgewürgt“. Zwei Jahre lang habe man sich mit dem Eigentümer und Rückendeckung durch das Bezirksamt Pankow um eine Fortsetzung der Zwischennutzung bemüht. Und um einen Kauf des Geländes. Nun bricht dieser Prozess ab.

Botschaft wird am 30. Juni mit roten Bändern verpackt

Schwermer zeigt sich enttäuscht und erklärt: „Das ist für uns nicht akzeptabel.“ Auch wenn sich die Situation für die Künstler ungünstig darstellt – die Sachen packen und die laufenden Projekte abbrechen, das kommt für die Mieter trotz des Vertragsendes nicht in Frage. Am wohl letzten Tag der offiziellen Nutzung als Kunsthaus, Sonntag, 30. Juni, plant der Betreiberverein eine Kunstaktion unter dem Motto „Botschaft für alle“. Auf dem Programm stehen Konzerte, Kunstvorführungen und ein symbolisches Kuchenessen. „Es soll ein großer Botschaftskuchen serviert werden, damit alle ein Stück von der Botschaft haben können“, heißt es in der Einladung.

Umbau der Botschaft ist seit Jahren im Verzug

Schon von weitem sollen Besucher erkennen, dass hier etwas Besonderes im Gange ist. Künstlerin Andrea Fürst will die Fassade auffällig verpacken. „Es wird eine expressive Verwandlung des Gebäudes geben“, kündigt sie an. Die Nachricht könnte lauten: Die alte Botschaft ist ein Geschenk für die Stadt. Ein Präsent, dass durch Immobiliengeschäfte verschwinden könnte. Denn längst war der Umbau der Botschaft zum Wohngebäude beschlossene Sache. Im heruntergekommene Bauzeugnis der 70er Jahre sollten unter der Regie von Prexxot hochwertigen Eigentumswohnungen entstehen – sogar einen Termin zur Fertigstellung gab es schon: Das Jahr 2018. Aber geschehen ist bis heute nichts.

Landesdenkmalamt hält DDR-Gebäude für schützenswert

Dass sich dieses Immobilienprojekt so stark verzögert hat, liegt vor allem am Denkmalschutz. „Wegen seiner klaren modernen Formensprache, der Größe des Baukörpers und seiner aus der Baupflicht zurückgesetzten Lage war das Gebäude der ehemaligen Australischen Botschaft im Straßenbild der Grabbeallee besonders präsent“, stellte das Landesdenkmalamt fest. Und weiterhin heißt es: „Eine besondere Bedeutung für das Stadtbild erhielt die Australische Botschaft, weil sie die einzige im Bezirk Pankow von Berlin ist, die öffentlichkeitswirksam an einer Hauptstraße gebaut und dennoch in unmittelbarer Nachbarschaft zu vielen anderen ruhiger gelegenen Staats- und Länderbauten für Fremde Missionen angesiedelt wurde.“ Als besonders wertvoll gelten die Keramik-Blenden von Hedwig Bollhagen an der Gebäudefront. Inwiefern solche wertvollen Details bei einem Umbau zum Wohnhaus zu erhalten sind, dazu streiten Denkmalschützer und Investor bis heute.

Künstler wollen Botschaft am liebsten selbst kaufen

Gleichgültig, zu welchem Ergebnis man kommt: Die Künstler müssen jetzt raus – gegen ihren Willen. „In der kurzen Zeit ist es für uns aber unmöglich, auszuziehen“, wendet Sandy Schwermer ein. Man erhoffe sich noch einen Aufschub von wenigstens sechs bis neun Monaten – Zeit, in der man noch einmal am eigenen Finanzierungskonzept für einen Kauf der Botschaft arbeiten könnte. Das sieht vor, die Botschaft mit Hilfe einer Stiftung und dem Kredit einer Genossenschaftsbank für einen Preis von 8,5 Millionen Euro zu kaufen und den Kulturstandort mit Hilfe der Edith Maryon Stiftung zu sichern. Zuvor wurde auch zweimal geprüft, ob das Land Berlin die Botschaft kaufen kann. Aber beide Versuche endeten negativ. Der Verkaufspreis war zu hoch.

Dunkle Vorzeichen für den Erhalt des Kreativstandorts. Nicht einmal 15 von einstmals 40 Künstlern harren noch in den Gebäude mit aus – der Rest zog fort, bevor der Eigentümer eine Räumung verlangte. Aber diese 15 wollen am Sonntag vor der zum Geschenk verpackten Botschaft eine Nachricht vermitteln: Dieser Ort soll sich in Zukunft am Gemeinwohl orientieren, nicht an Gewinninteressen.