Stadtentwicklung

Bürgerstadt Buch: Neuer Wohnraum für Tausende Berliner

Im Nordosten Berlins könnten 30.000 bis 40.000 neue Wohnungen entstehen. Die Initiativgruppe Bürgerstadt Buch stellt die Pläne vor.

Ein Arbeiter auf einer Baustelle.

Ein Arbeiter auf einer Baustelle.

Foto: Frank Hoermann/SVEN SIMON / pA

Berlins rot-rot-grüner Senat betont gerne, dass die Wohnungsnot in Berlin vor allem deshalb so groß ist, weil das Land Berlin nicht mehr über genug eigene Flächen verfügt, die es für den Bau preiswerter Wohnungen zur Verfügung stellen kann. Offenbar haben die Planer im Hause von Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) nicht richtig nachgeschaut. Das zumindest legt eine Projektstudie der Initiativgruppe Bürgerstadt Buch nahe, die sich die großen unbebauten Flächen im Nordosten Berlins einmal genauer angeschaut haben.

Die Projektgruppe, ein kleiner Kreis von überwiegend SPD-nahen Planern, Architekten und Wohnungsbauexperten, die sich im Herbst vergangenen Jahres zusammengefunden haben, um etwas gegen die Wohnungsnot zu unternehmen, hat in nur sechsmonatiger Recherche ein Baupotenzial von 30.000 bis 40.000 Wohnungen und bis zu 30.000 Arbeitsplätze ausgemacht. Rund 100.000 Berliner könnten hier eine neue Heimat finden.

Entwicklung von Quartieren in drei Stadtteilen

Am Donnerstag stellte die Initiative das Projekt vor. 70 Prozent der Flächen sind im Landesbesitz. „Von den insgesamt 750 Hektar Land , das entspricht einer Fläche von mehr als 1000 Fußballfeldern, gehören knapp 70 Prozent dem Land Berlin”, sagte Volker Härtig, der Vorsitzende des Fachausschusses Soziale Stadt der Berlin SPD. Insbesondere die ehemaligen Rieselfelder böten heute die Chance einer großstädtisch geprägten und nachhaltigen Stadterweiterung mit 16 neuen Stadtquartieren.

Weiterentwickelt beziehungsweise neu entwickelt werden könnten die Quartiere in drei Stadtteilen: im Westen die Gartenstadt Buchholz, im Zentrum die Bürgerstadt Buch als vollständig neues Stadtquartier mit 25.000 Einwohnern und 8000 Arbeitsplätzen und im Osten die Weiterentwicklung der Gesundheitsstadt Buch. „Natürlich hängen alle genannten Zahlen ab von der künftigen Planung”, so Härtig weiter.

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Herzstück soll die Bürgerstadt Buch sein

Die Bürgerstadt Buch soll auf der Fläche des ehemaligen Rieselfeldes Buch VI entstehen. „Die entscheidenden Akteure sollen die Bürger Berlins sein, die wieder selbst bauen, wie dies in der Gründerzeit üblich war”, ergänzte Günter Fuderholz, Mietenexperte der SPD. Hier sollten nach Auffassung der Initiative die Baufelder zu 80 Prozent für alte und junge Genossenschaften, für Baugruppen und sozial orientierte Unternehmen reserviert werden. „Erfolgreiche Modelle dafür gibt es in Freiburg, Tübingen, Wien, Kopenhagen”, so Fuderholz.

„Wir wollen keine Schlaf- und keine Satellitenstadt, sondern ein weiteres Stück lebendiges Berlin bauen”, sagte die Berliner Architektin Julia Tophof. Das vor 120 Jahren angelegte Raster der Rieselfelder und der Wasserkanäle ermögliche heute eine typische Berliner Quartiersstruktur. „Das städtebauliche Konzept folgt diesem landschaftlichen Raster und entwickelt ein Netz von miteinander verbundenen Straßen und Wegen, teilweise entlang der Wasserkanäle”, so Julia Tophof weiter. Es entstünden unterschiedliche Quartiere mit jeweils eigenständigem Charakter.

„Das städtebauliche Raster lässt ein alle Quartiere übergreifendes Fahrradstraßennetz zu und bietet zudem die Chance, das Wasser als Gestaltungselement der neuen Stadt zu nutzen, offene Kanäle anzulegen und an diese Wohnhäuser zu setzen“, ergänzte sie.

Gute Verkehrsinfrastruktur bereits vorhanden

Die Erreichbarkeit des neuen Quartiers sei durch mehrere bereits vorhandene Bahntrassen besser als anderswo: die Bahnhöfe Karow und Buch mit der S2 nach Buch/Bernau und der RB27 nach Schönerlinde/Wandlitz, die Trassen des RE 3 (Eberswalde/Angermünde) und RE 5 (Oranienburg, Stralsund) führten durch das Gebiet, zudem die S8 nach Birkenwerder, die RB 12 nach Templin.

„Von hier ist man in 15 bis 25 Minuten am Alex”, sagte Härtig. In Buchholz fahre zudem die Straßenbahn nach Pankow, zwei Anschlüsse an die A114 und den Autobahnring sind vorhanden.