Stadtentwicklung in Pankow

3000 Wohnungen für Karow - Anwohner befürchten den Kollaps

In Karow-Süd sollen ab Mitte der 2020er-Jahre 3000 neue Wohnungen entstehen. Anwohner sehen das kritisch.

Mitte der 2020er-Jahre soll der Pankower Ortsteil durch das Projekt Karow-Süd deutlich wachsen.

Mitte der 2020er-Jahre soll der Pankower Ortsteil durch das Projekt Karow-Süd deutlich wachsen.

Foto: picture alliance / Winfried Roth (Symbolbild)

Berlin. Wer in Karow lebt, der entscheidet sich für entspanntes Wohnen in ländlicher Umgebung, der schätzt die Ruhe in Schlagdistanz zur östlichen Innenstadt. Umso interessierter verfolgen viele der knapp 20.000 Anwohner des Ortsteils die Vorplanungen für den vielleicht größten Einschnitt seit der Wende: den Bau von 3000 Wohnungen an drei bislang unberührten Standorten. Ab Mitte der 2020er-Jahre könnte ein Quartier entstehen, das den Bestand an Einfamilienhäusern buchstäblich in den Schatten stellt.

Die bisherigen Sitzungen des Bezirksamts Pankow zur Rahmenplanung des Projekts Karow-Süd ließen diese Sorgen eher wachsen als schrumpfen – ein Grund, weshalb eine Initiative am Dienstagabend nun sogar eine alternative Planungsveranstaltung ins Leben rief. Zugleich hat der Zusammenschluss aus engagierten Anwohnern eigene Planungsziele in einem Anwohnerantrag umrissen, mit dem sich die Bezirksverordneten auseinandersetzen müssen.

3000 Wohnungen in Karow: Höchstens vier Geschosse im Abstand von 50 Metern

Die Kernforderungen decken sich mit Wünschen, wie man sie im Norden Pankows häufig hört: So soll die Verkehrserschließung für den Norden des Bezirks geklärt sein, bevor die großen Quartiere wie Karow-Süd oder der Blankenburger Süden erbaut werden. Wenn dann gebaut wird, sollen sich die neuen Bauten an der Höhe der schon vorhandenen Häuser orientieren. Im Fall von Karow bedeutet das: maximal viergeschossige Neubauten in einer Mindestdistanz von 50 Metern zu Nachbarhäusern. Drittens fordern die Anwohner eine schnelle Lösung für das „massive Schichtwasserproblem im Bereich der Panke-Niederung“, wie es im Antrag heißt. Die Bebauung der Flächen im Süden werde die Situation durch Grundwasser-Verdrängung und Versiegelung wohl noch verschärfen.

Initiativen aus Blankenburg und Buch warnen vor dem Verkehrsinfarkt

Vor allem beim Thema Verkehr können die Karower auf Verbündete von anderen Initiativen aus Blankenburg und Buch hoffen. Sie warnen in ihrem Antrag: „Bei Ansiedlung weiterer Menschen in Karow und dem Nordosten Pankows - laut Wohnungsbaukonzept Pankow sind es insgesamt fast 90.000 zusätzliche Einwohner, zusätzlich zur wachsenden Anzahl von Pendlern aus Brandenburg - endet die bereits jetzt schon katastrophale Verkehrssituation im Nordosten Berlins in einem Verkehrsinfarkt“. In der jetzigen Rahmenplanung für Karow-Süd gebe es in den kritischen Punkten „kein akzeptables und umfassendes Ergebnis“. Nach der Sommerpause werden die Bezirksverordneten über den Anwohnerantrag beraten.