Protestaktion

1012 Tage ohne Fachräume: Pankower Schüler lassen Dampf ab

Schüler der Ostrom-Humboldt-Oberstufe müssen wegen massiver Bauverzögerungen auf Klassenzimmer verzichten.

Kunstunterricht vor dem Sitz der Bildungsverwaltung: Schüler entfalten ein Banner und lassen einen symbolischen Kochdeckel hochgehen.

Kunstunterricht vor dem Sitz der Bildungsverwaltung: Schüler entfalten ein Banner und lassen einen symbolischen Kochdeckel hochgehen.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Es war ein Kunstunterricht der rebellischen Art: Mit einem selbst gebastelten symbolischen Kochtopfdeckel und einer Nebelmaschine haben die Schüler der Ostrom-Humboldt-Oberstufe vor dem Dienstsitz von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) Dampf abgelassen.

Dass die Gefühle hochkochen, hängt mit einer Bauverzögerung zusammen, die Abiturienten und Eltern aus Prenzlauer Berg kaum begreifen können. Seit exakt 1012 Tagen müssen die Schüler auf ihre neuen Klassenzimmer verzichten. Nachdem die Fertigstellung der Räume für den Fachunterricht in einem sanierten Gebäude an der Driesener Straße 2015 und 2016 platzte, steht nun auch die Eröffnung nach den Sommerferien 2019 in Frage. Augenscheinlich sind sie zwar fertig, aber die Bauabnahme steht seit Monaten aus.

Ostrom-Humboldt-Oberstufe: Schüler wollen nicht „dumm aber sexy“ sein

Und so hieß das Motto der Protestveranstaltung in Anlehnung an einen bekannten Ausspruch von Klaus Wowereit: „Dumm aber sexy. Abi ohne Fachräume“. Laut Elternvertreter Soeren Rutz wird nun tatsächlich ein Jahrgang seine Abiturzeugnisse erhalten, ohne die längst überfälligen neuen Räume für naturwissenschaftlichen Unterricht, Kunst, Musik und Informatik jemals gesehen zu haben.

Auch auf eine Cafeteria mussten sie verzichten – nur weil die Bauabnahme nicht gelingt. Für mehr als 100 Jugendliche gilt es weiterhin, provisorisch auf Räume der Elinor-Ostrom-Schule in der Mandelstraße auszuweichen. Durch das Hin- und Herpendeln entfallen regelmäßig Pausen.

Trotz guter Kontakte der Schulleitung und Elternvertreter zu Senatorin Sandra Scheeres (SPD) ist keine schnelle Lösung in Sicht. „Wir wissen wirklich nicht, wo der Fachunterricht nach dem Sommer stattfinden soll“, beklagt Rutz. Um auf die Notlage aufmerksam zu machen, überlege man auch, Räume der Senatsbildungsverwaltung zu beanspruchen oder auf der Straße zu unterrichten.

Baufirmen fordern mehr Geld

Mitarbeiter der Senatorin haben den Elternvertretern mehrfach geschrieben und die Lage mit Problemen bei den Baufirmen begründet. Die Argumente lauteten wie folgt: In den Ferien arbeiten die Baufirmen nicht. Die Firmen wollen nicht liefern. Das Baurecht hat sich verändert. Die Preise haben sich seit der Ausschreibung erhöht. Firmen fordern mehr Geld. Zur aktuellen Verzögerung heißt es, man dürfe die Räume erst abnehmen, wenn die Arbeiten wirklich abgeschlossen sind.

Auf Anfrage der Berliner Morgenpost beruft sich die Bildungsverwaltung darauf, dass nicht sie für die Baustelle zuständig sei, sondern die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Eine Erklärung liefert ein Sprecher trotzdem. Darin heißt es: „Nach unseren Informationen waren die Gründe für die Verzögerung notwendig gewordene Erweiterungen der Baumaßnahmen, Wechsel der Planungsbüros und insbesondere auch die Umsetzung von verschärften Brandschutzmaßnahmen. So sind beispielsweise die Arbeiten zur Ausstattung des modularen Ergänzungsbaus im Gange“.

Besänftigen konnte man die Demonstranten mit dieser Aussage aber nicht. Nach einer halben Stunden des lautstarken Protests vor dem Dienstsitz der Bildungsverwaltung gesellten sich Mitarbeiter zu den Schülern – und teilten mit, dass Senatorin Scheeres an diesem Vormittag wegen auswärtiger Termine verhindert sei. Sie habe die Probleme aber definitiv zur Kenntnis genommen und sei durch die Demonstration zusätzlich alarmiert.