Grünflächen in Berlin

Aufwertung des Mauerparks: Pflaster könnte Radweg weichen

Eine Machbarkeitsstudie zeigt Möglichkeiten für die Entwicklung des Mauerparks. Kritiker befürchten den Verlust der Pflasterstraße.

Ausnahmsweise eben: Auf einer Baustraße der Berliner Wasserbetriebe rollen Radfahrer derzeit auf glatten Piste. Ansonsten bleibt nur der holprige Ritt über Kopfsteinpflaster.

Ausnahmsweise eben: Auf einer Baustraße der Berliner Wasserbetriebe rollen Radfahrer derzeit auf glatten Piste. Ansonsten bleibt nur der holprige Ritt über Kopfsteinpflaster.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Wer den Mauerpark mit dem Fahrrad durchqueren will, muss sich durchschütteln lassen. Holpriges Kopfsteinpflaster ist für jeden Radfahrer ein Greul – aber auf der Schwedter Straße, der zentralen Passage, zwischen Sonnenhügel und Liegewiese, zählen die groben Steine als Ausdruck von Charakter. Lässt sich eine Grünanlage voller Ecken und Kanten wie der Mauerpark als topfebene Piste vorstellen? Laut einer Machbarkeitsstudie im Auftrag der Senatsverwaltung für Verkehr Umwelt ist die Glättung der Schwedter Straße jedenfalls eine der Möglichkeiten zur Aufwertung des Freizeitorts. Sie fällt unter den Punkt „Herstellung der Barrierefreiheit“ und wird in der Studie nur bedingt empfohlen. Bei Parknutzern polarisiert die Sanierung der Verkehrsachse.

Pflaster Straße als „unentbehrlicher Zeitzeuge“

Eine wesentliche Befürchtung betrifft die Verkehrssicherheit. Denn aus Sicht des Vereins „Freunde des Mauerparks“ drohen im Falle der Neugestaltung Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern. „Einen Ausbau des Mauerparks zur Radrennstrecke lehnen wir ab. Sowohl in ihrem Verlauf wie auch in ihrem Erscheinungsbild ist diese Pflasterstraße als Zeitzeuge unentbehrlich“, mahnt der Vorsitzende Alexander Puell. Das Material und die Lage des Pflasters künde von den Zeiten, als der Mauerpark noch ein Güterbahnhof war – also von der Nutzung, bevor das Gelände nach der Teilung Berlins zum Todesstreifen wurde.

Trotzdem sind die Überlegungen, das Pflaster im Sinne von Radfahrern einzuebnen, schon fast so alt wie der Mauerpark selbst. Bereits Ende der 90er-Jahre stritten die Bezirksverordneten über das Für und Wider einer „glatten“ Piste – und entschieden sich dagegen. Meinungsverschiedenheiten über eine bessere Radfahrtauglichkeit der Schwedter Straße lassen sich so schnell nicht auflösen – das hat das Büro Planwerk beim Ausarbeiten der Machbarkeitsstudie erneut festgestellt. „Von barrierefrei und asphaltiert bis zu historisch wertvolles Pflaster war alles dabei“, berichtet Planerin Annette Hartfield vom Meinungsbild der befragten Parkbesucher.

Abfräsen der Pflastersteine als Kompromiss

Und so lässt auch die Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr offen, wie sie bei der geplanten Aufwertung des Parks bis zum Jahre 2022 verfahren will. „Dann sind Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern vorgezeichnet“, zeigt sich Sprecher Jan Thomsen bei der Umgestaltung skeptisch. Als Kompromiss sei das Abfräsen der Pflastersteine im Gespräch. So blieben die historischen Klötze liegen, wären aber besser „zu berollen“. Aber auch das lehnen die „Freunde des Mauerparks ab“. Denn nur die „raue Befahrbarkeit“, wie Alexander Puell es ausdrückt, führt dazu, dass Radfahrer langsam fahren und Unfälle vermieden werden. Er sagt: „Eine Glätten der Pflasterstraße entspricht technisch einem Neubau. Der finanzielle und technische Aufwand wäre völlig übertrieben und die Lärm- und Staubbelastung für Umwelt und Anwohner viel zu hoch.“

Am Falkplatz sollen Grillstationen entstehen

Abgesehen vom Streit um die Pflasterstraße finden die Verbesserungsvorschläge aus der Machbarkeitsstudie beim Verein Zustimmung. Zu den Ideen gehört der Bau einer gläsernen Schallschutzmuschel vor dem Amphitheater, um die Lautstärke des sonntäglichen Karaoke zu dämpfen, der Aufbau einer Parkbeleuchtung und die „Qualifizierung“ der geschundenen Liegewiese. Am Falkplatz, also dem Parkteil nördlich der Max-Schmeling-Halle, könnten Grillstationen entstehen. Welche Maßnahmen zur Aufwertung des Parks wirklich zur Umsetzung kommen, wird wohl davon abhängen, wie viel Geld der Senat für die Aufwertung des Mauerparks zur Verfügung steht. Verbesserungsideen gibt es so viele, dass Senat und Bezirksamt eine Auswahl treffen müssen.

Mountainbiker fahren Furchen in den Hang

Für Heinz Tibbe, der mit dem Büro Planwerk die Liste von Maßnahmen erarbeitet hat, steht fest: Der Mauerpark darf nach seiner Aufwertung nicht beliebig werden. Es handle sich um einen „kosmopolitischen Raum“, in dem Stadtgeschichte, Naherholung und touristische Anziehungskraft vereint seien. Wie dringend eine Aufwertung jedoch nötig sei, zeige sich am Sonnenhügel, wo sich durch Übernutzung und mangelnde Pflege tiefe Furchen gebildet haben. „Diese Erosionsrinnen werden sogar als Mountainbike-Strecken genutzt“, beschreibt Tibbe ein neues Phänomen, das so nicht gewollt ist.

Lärmproblem macht sich in Befragung bemerkbar

Insgesamt gingen bei der Onlinebefragung für die Ausarbeitung der Studie 225 Beiträge von Mauerpak-Besuchern ein. Allein 82 widmen sich dem Punkt „Regelung der Parknutzung und Aktivitäten“. Hier zeigt sich deutlich der Streit um die Ruhestörung durch Freiluftkonzerte, der sich so sehr zugespitzt hat, dass es in diesem Jahr neue Regeln gibt. Musiziert werden darf nur noch in Richtung Osten zum Hang und in den Zeiten von 11 bis 20.30 Uhr an Wochenenden und Feiertagen und bis 19.30 Uhr an Werktagen. Damit versucht Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) den Streit auf relativ milde Weise zu schlichten, ohne den Charakter des Parks zu zerstören. Denn „er verheiße Freiheit wie kein anderer Ort in Pankow“, wie Benn immer wieder betont. Zunächst werden die neuen Regeln für eine Saison erprobt – und womöglich kommt es dann bereits zu einer baulichen Lösung mit der Schallschutzmuschel.