Büroflächen in Berlin

Bötzow-Brauerei wird Bürostandort für Firmen mit Platznot

Coworking statt Weißbier: Die einstmals wichtigste Privatbrauerei Berlins hat einen weiteren neuen Großmieter: den Büroanbieter Wework.

Medizintechnik trifft Kunst und Lifestyle: Der Unternehmer Hans Georg Näder entwickelt die Bötzow-Brauerei zum Kreativquartier.

Medizintechnik trifft Kunst und Lifestyle: Der Unternehmer Hans Georg Näder entwickelt die Bötzow-Brauerei zum Kreativquartier.

Foto: Chipperfield / Bötzow Berlin / BM

Berlin.  Wo früher hektoliterweise Bier gärte, eröffnet im Juli 2021 einer der größten Bürostandorte in Prenzlauer Berg. Am Mittwoch wurde bekannt: Der Anbieter Wework wird neuer Mieter im Kreativquartier des Investors Hans Georg Näder und will in den denkmalgeschützten Brauereigebäuden auf einer Fläche von 10.000 Quadratmetern Büros eröffnen, die sich Unternehmen und Freiberufler teilen können.

Zwei Brauereigebäude und zwei Neubauten reserviert

Fest steht, dass Wework zunächst zwei der historischen Bauten an der Prenzlauer Allee bezieht – insgesamt umfasst der Brauereikomplex sieben Bauten, die nach dem Masterplan des Architekten David Chipperfield bis Anfang der 2020er Jahre saniert und mit Neubauten ergänzt werden. Zwei dieser Neubauten will Wework voraussichtlich im Jahre 2024 übernehmen, wie das Unternehmen mitteilt. Derzeit betreibt Wework in Berlin zwölf Gemeinschaftsbüros, unter anderem am Hackeschen Markt und im Hochhaus Upper West am Breitscheidplatz.

In der Bötzow-Brauerei kommt zum bekannten Nutzungskonzept, das die Anmietung einzelner Schreibtische und Büroflächen für bestimmte Zeiträume erlaubt, ein neues hinzu: das Angebot „Headquarters by Wework“, das sich speziell an die Bedürfnisse von wachsenden Unternehmen richtet, die schnell expandieren und eine kurzfristige Lösung suchen.

„Wir beobachten, dass Unternehmen zunehmend nach flexibleren und effizienteren Immobilienlösungen suchen, um ihren dynamischen Geschäftszielen gerecht zu werden. Dies gilt insbesondere für wachsende Unternehmen, die ihre Team-Größen kurz- bis mittelfristig ausrichten“, erklärt Wework-Manager Heiko Himme.

Für dieses neue, 2018 in den USA getestete Angebot sind zwei der alten Industriebauten der Brauerei reserviert. „Der Umbau erfolgt denkmalgerecht und die historischen Säulen und Decken werden in das visuelle Konzept integriert“, heißt es von der Bauleitung.

Vier der sieben Industriebauten betreibt Ottobock

Mit dem neuen Großmieter nimmt das Projekt „Bötzow Berlin“ nach einer jahrelangen Bauverzögerung nun deutlich Form an. Nach dem Ende des 40 Millionen Euro teuren Umbaus der Industrieanlage zum neuen Stadtquartier mit Büros, Wohnungen, einer Kunsthalle und einem Biergarten sollen weite Teile des Geländes zum öffentlichen Raum gehören. Vier der sieben Brauereibauten bespielt das von Hans Georg Näder geführte Orthopädieunternehmen Ottobock aus dem niedersächsischen Duderstadt selbst.

Wichtige Firmenteile, wie die Entwicklungsabteilung für Rollstühle sind bereits in der Brauerei verortet. Im Hofbereich entsteht derzeit ein Garten, in dem sich Kunden an ihre neuen Prothesen gewöhnen können. Weitere Häuser werden nach und nach modernisiert und an andere Firmen vermietet.

Als einen der wichtigsten Ankermieter hatte Näder Anfang 2019 das Medizinunternehmen Sartorius benannt, mit dem Ottobock schon in anderen deutschen Städten zusammenarbeitet. In Prenzlauer Berg arbeiten für diese Firma künftig Teams aus dem Kreativ- und IT-Bereich wie das digitale Marketing, oder die Bereiche Software Engineering und Design. Bereits heute arbeiten rund 80 Mitarbeiter von Ottobock auf dem Gelände. Gemeinsam mit zwei Start-ups, die ebenfalls auf dem Gelände ansässig sind, entstanden bereits etwa 150 Arbeitsplätze. Weitere Jobs sollen folgen.

Auch für auswärtige Besucher des 30.000 Quadratmeter großen Brauereiareals zugänglich ist seit kurzem das Café „La Soupe Populaire Canteen“ im Erdgeschoss des Bürokomplexes von Ottobock. Dimitri Root, der Wirt des Lokals, begrüßt Gäste in Räumen mit Loftcharakter, die von der Industriegeschichte der Bötzow-Brauerei erzählen.

Am historischen Vorbild soll sich künftig auch ein Biergarten orientieren. Es werden zwar nicht mehr 6000 Gäste hineinpassen, wie im 19. Jahrhundert. Aber im kleineren Maßstab setzt sich die 150 Jahre lange Tradition doch noch fort.