Stadtentwicklung

Wilhelmsruher Tor: Mief stört Bau von 400 Wohnungen

Bevor ein Quartier gebaut wird, gibt es viele Gutachten. Doch dass der Geruch einen Bau hindern kann, kommt nicht oft vor.

Ob Wilhelmsruh Zuzug erlebt, hängt ab von einem Geruchsproblem.

Ob Wilhelmsruh Zuzug erlebt, hängt ab von einem Geruchsproblem.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Dass man Verkehrszählungen durchführt, künftiges Bauland auf Schadstoffe untersucht, nach seltenen Tierarten Ausschau hält und die Schallbelastung ermittelt, gehört zur Routine bei der Planung neuer Quartiere. Im Falle des Baugebiets Wilhelmsruher Tor in Pankow müssen die Entscheidungsträger im Bezirksamt auf ein mögliches Problem reagieren, das in Berlin eher selten auftritt: Gestank.

Bäckerei und Abfallanlage deutlich zu riechen

Wenn der Wind aus Westen weht – und diese Windrichtung kommt in der Hauptstadt am häufigsten vor - ziehen die Ausdünstungen von Fabriken aus einem benachbarten Industriegebiet in Reinickendorf hinüber zum Baugrundstück in Wilhelmsruh.

Dazu zählen die Gerüche einer Bäckerei ebenso wie der Gestank einer Abfallanlage. So hat es ein Geruchsgutachten bestätigt, das der Bezirk zur Aufstellung eines Bebauungsplans in Auftrag gab. „Wir werden mit dem Gutachter eine Lösung finden müssen, weil wir gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse sicherstellen wollen“, erklärt Gerald Leue vom Stadtentwicklungsamt.

Wegen der Seltenheit der Problematik wollen auch die Bezirksverordneten im Bauausschuss erst einen Bericht des Gutachters hören, bevor sie dem Bebauungsplan zustimmen werden.

Diskussion zum Wilhelmsruher Tor läuft seit sechs Jahren

Im Rahmen des Projekts Wilhelmsruher Tor sollen an der Kopenhagener Straße 82 und 96 bis zu 400 Wohnungen entstehen, wobei das so genannte Berliner Modell zur Anwendung kommt. Damit wird der Investor verpflichtet, ein Drittel der Wohnungen mit geförderten Mieten auf den Markt zu bringen. Auch eine Kita soll auf dem Grundstück Platz finden, das zuvor eine gewerbliche Nutzung erfuhr.

Diskussionen für das Vorhaben sind bereits seit sechs Jahren im Gange. Von der Aufstellung des Bebauungsplans bis zum Start der Arbeiten dürften nochmals zwei Jahre vergehen.