Leukämie

Klinik sucht Stammzellenspender für die krebskranke Alina

Registrierungsaktion in Pankower Krankenhaus: Ein zehnjähriges Mädchen kämpft gegen Leukämie und hofft auf einen Retter.

Alina bekommt Rückhalt von Mutter Iana und Dr. Patrick Hundsdörfer, dem Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin im Helios Klinikum Berlin-Buch.

Alina bekommt Rückhalt von Mutter Iana und Dr. Patrick Hundsdörfer, dem Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin im Helios Klinikum Berlin-Buch.

Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken

Alinas Kopf ist kahl, ihr Alltag wird vom Rhythmus der Therapie diktiert, ihr Lächeln erzählt von Lebensmut. Und vom Willen, die Krankheit zu besiegen. Seit drei Jahren trotzt die Zehnjährige mit diesem Lächeln einer niederschmetternden Diagnose: Leukämie. Blutkrebs. Es gibt auch eine Beschreibung, die jedes Kind verstehen kann: „kaputtes Blut.“ Ihre Ärzte am Helios-Klinikum Buch sehen jetzt nur noch einen Weg für eine Heilung: Es muss sich ein Stammzellenspender finden. Jemand, der Alinas Blut „repariert.“

Die Suche nach dem genetischen Zwilling

Um solch einen Retter zu finden, veranstaltet die Deutsche Knochenmarkspenderdatei DKMS im Foyer des Krankenhauses am Sonnabend, 25. Mai, zwischen 11 und 16 Uhr eine Registrierungsaktion für mögliche Spender. Jeder könnte Alinas genetischer Zwilling sein und die passenden Stammzellen in sich tragen, ohne es zu wissen.

Das Prozedere ist einfach und schmerzlos. Mit einem Wattestäbchen nehmen Mitarbeiter Abstriche von der Wangenschleimhaut und schicken die Probe mit der ausgefüllten Einverständniserklärung des Teilnehmers an ein Labor. Wer diesem Mädchen nicht helfen kann, rettet vielleicht einen anderen Menschen. Nach der Registrierung speichert die DKMS Ergebnisse des Wangenabstrichs deshalb in ihrer Datei und stellt sie anonym für den weltweiten Patientensuchlauf zur Verfügung.

Alina träumt von Reisen ans Meer und nach Paris

Vor drei Jahren brach bei Alina der Blutkrebs aus. Seitdem hat sich in ihrem Leben vieles geändert. Hinter ihr liegen ein Umzug aus ihrer ukrainischen Heimat, unzählige Untersuchungen und Therapieversuche. Welchen Lebenswillen das Mädchen nach Jahren der anstrengenden Behandlungen noch besitzt, zeigt ihr Fernweh.

Alina mag durch den straffen Zeitplan der Behandlung ans Krankenbett gefesselt sein. Aber sie möchte gerne ans Meer fahren, den Sand zwischen den Füßen spüren und die Meeresluft genießen. Insgeheim träumt sie auch von einer Reise mit ihrer Familie nach Paris. Vor allem aber möchte sie wieder gesund werden und wie ein normales Mädchen zur Schule gehen – und nicht über den nächsten Krankenhausaufenthalt nachdenken. Das ist Alinas größter Herzenswunsch. Die Sehnsucht eines ganz normalen Kindes.

Klinik lobt die „tapfere Kämpferin“

Für das Klinikum Buch ist diese Patientin etwas Besonderes. „Wunderschöne blaue Augen und ein strahlendes Lächeln voller Lebensfreude: Das ist Alina, 10 Jahre alt, aus Berlin – eine tapfere Kämpferin“, schreibt das Krankenhaus im Aufruf zur Registrierungsaktion.

Es sind Schicksalstage auf der kindermedizinischen Station. Patrick Hundsdörfer, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin im Helios Klinikum Berlin-Buch, erklärt: „Das wichtigste Kriterium für die Auswahl eines geeigneten Spenders ist eine größtmögliche Übereinstimmung von relevanten Gewebemerkmalen von Spender und Empfänger, damit Abstoßungsreaktionen vermieden werden. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, dass sich viele Menschen als potenzielle Spender registrieren lassen.“

Fantasy-Geschichten erlauben die Alltagsflucht

Bis erste Ergebnisse der Typisierung vorliegen werden, versuchen Ärzte und Pfleger den Alltag der Patientin so angenehm und tröstlich zu gestalten, wie nur möglich. Was beim Warten hilft, sind Kleinigkeiten, liebgewonnene Hobbys, eine Routine der Annehmlichkeiten. In ihrer Freizeit bastelt und töpfert Alina gerne. „Am liebsten forme ich Tierfiguren“, erzählt sie von ihrem Zeitvertreib. Um dem Alltag zu entfliehen, taucht sie auch regelmäßig in die Welt der Bücher ein, findet Freude an verrückten Fantasy-Geschichten. Drachen- und Wikingersagen bieten ihr Abwechslung vom Krankheitsalltag. Sie beherrscht sogar die „Drachensprache“, wie ihre Pfleger inzwischen erfahren haben.

Kette von Erfolgen und Rückschlägen

Bescheiden bleibt das Mädchen bei den Vorstellungen über seine berufliche Zukunft: Alina will Köchin werden und dabei einer Frau nacheifern, deren Künste am Herd sie bewundert: ihrer Mutter Iana. Die Familien gibt der Tochter die Kraft, das ständige Auf und Ab von Therapieerfolgen und Rückschlägen zu ertragen.

Schon die erste Chemotherapie Ende 2016 verläuft problematisch. Anfänglich scheint das Medikament kaum zu wirken – also wird die Dosis erhöht. Im Verlauf spricht Alinas Körper schließlich doch auf die Therapie an. Am Ende gibt es gibt keinen Nachweis von Leukämiezellen mehr. Doch dafür zeigen sich im Verlauf der Chemotherapie schwerwiegende Nebenwirkungen.

Plötzlich leidet Alina an symptomatischer Epilepsie. Deshalb kommt sie mit ihren Eltern im Mai 2017 nach Berlin und stellt sich im Klinikum Buch zur weiterführenden Therapie vor. Auch in dieser Zeit des Umbruchs bewahrt sie ihre Lebensfreude.

Krebs schien zwischenzeitlich besiegt

Als die Chemotherapie im Oktober 2018 endet, gibt es keinen Nachweis mehr für die Leukämie. Alina fühlt sich besser, der Krebs scheint überwunden. Alina soll sogar wieder zur Schule gehen. Doch dann der Rückschlag: Alina erkrankt erneut. Anfang 2019 wird ein Rezidiv der bereits bekannten Leukämie im Knochenmark und zentralen Nervensystem festgestellt. Eine erneute Chemotherapie beginnt.

Doch auch diese Therapie wirkt nicht, wie sie sollte. Nun steht schnell fest: Alina benötigt eine Knochenmarktransplantation von eine, geeigneten Spender. Sie ist die einzige Chance auf Heilung. Die Krankenhausleitung gibt sich optimistisch und schreibt: „Alina kann hoffentlich bald wieder gesund und mit Sand zwischen den Füßen am Meer spazieren gehen und den ganz normalen Alltag eines zehnjährigen Mädchens erleben.“