Verkehr in Pankow

Sitzstreik für eine Fahrradstraße am Schloss Schönhausen

Eine Initiative fordert seit Monaten die Verkehrsberuhigung am Schlosspark in Pankow ein. Jetzt ruft sie zur Blockade gegen Autos auf

Protestbewegung: Katrin Gruner (l.) und ihre Initiative organisierten im März bereits einen Fahrradkorso durch Pankow.

Protestbewegung: Katrin Gruner (l.) und ihre Initiative organisierten im März bereits einen Fahrradkorso durch Pankow.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Sie haben um Auskunft gebeten, nachgehakt, den Wunsch nach einer Verkehrsberuhigung auf der Strecke vom Schlosspark Schönhausen zum Bahnhof Pankow immer wieder mitgeteilt. Doch selbst eine Fahrraddemonstration der staugeplagten Familien im strömenden Regen Mitte März vermochte am Ist-Zustand nichts zu ändern. Noch immer quetschen sich Radfahrer, Autos und Lieferwagen auf engstem Raum morgens in Richtung Süden und abends wieder hinauf nach Niederschönhausen.

Jetzt geht die Initiative aus unzufriedenen Eltern und frustrierten Pendlern einen Schritt weiter – und ruft zu einem Sitzstreik auf, der den Verkehr im Kiez zeitweilig zum Erliegen bringt.

Am Donnerstag, 23. Mai, ab 17 Uhr wird die Fahrbahn der Ossietzkystraße für eine Protestkundgebung beschlagnahmt. Das Motto: „Verkehrssicherheit umsetzen statt aussitzen.“ Unverändert gilt laut Sprecherin Katrin Gruner die alte Zielsetzung: Eine Fahrradstraße soll her – auf der Ossietzkystraße habe der Durchgangsverkehr nichts mehr zu suchen.

Zumindest soll die Verkehrsführung so verändert werden, dass es sich nicht mehr lohnt, wegen ständiger Staus in Niederschönhausen Schleichwege durch Wohnstraßen am Schlosspark zu suchen. Das meinen die Aktivisten.

Beschlüsse zur Verkehrsberuhigung sind fünf Jahre alt

Und formell gibt es auch ein Einvernehmen mit der Pankower Politik. Seit fünf Jahren prüft die Pankower Verwaltung einen Auftrag der Bezirksverordneten, die Straßen im Schlosspark-Kiez im Sinne von Radfahrern und Familien neu zu gestalten. Ohne Ergebnis.

Bloße Absichtsbekundungen sind der Initiative um Katrin Gruner nicht mehr genug. „Seit unserem Fahrradkorso ist einiges passiert, unter anderem ein schrecklicher Verkehrsunfall mit einem Kind direkt hier im Kiez“, nennt Gruner den Anlass der erneuten Protestaktion. „Es brodelt im Schlosspark-Kiez. Verkehrssicherheit kann nicht warten“, mahnt die kämpferische Mutter.

Problemlage längst bekannt

Die Problemlage sei längst bekannt: „Auf engen, unübersichtlichen Straßen treffen mit teilweise beispielloser Aggressivität agierende Durchraser täglich auf Hunderte Radfahrer und Fußgänger, besonders Schulkinder.“

Dem zuständigen Stadtrat Vollrad Kuhn (Grüne), dessen Partei eigentlich die Verkehrswende vorantreiben wollte, wirft die Initiative vor, er verstecke sich hinter verwaltungsrechtlichen Formalien, die erklären, warum die Umsetzung der Fahrradstraße aktuell nicht möglich sei.

Und Kuhn? Er sucht den Schulterschluss mit den Aktivisten, betont immer wieder, das gleiche Anliegen zu verfolgen, wie sie. „Ich bin auch dafür. Deswegen kann ich den Ärger verstehen. Aber die Ausweisung einer Fahrradstraße dauert leider“, sagte der Stadtrat auf Nachfrage. Es brauche erst eine Verkehrszählung – „und dafür fehlt uns derzeit das Geld.“

Knappe Begründungen, die man in der Initiative als Ausflucht empfindet. Nun gehe es darum, „den Stillstand der Bezirksverwaltung sicht- und fühlbar zu machen“, heißt es in der Ankündigung zum Sitzstreik. „Absolut nachvollziehbar“, nennt den Sitzstreik der Pankower CDU-Fraktionsvorsitzende Johannes Kraft, der selbst immer wieder versuchte, eine sichere Verkehrsführung rund um das Schloss durchzusetzen. „Es ist logisch, dass die Anwohner jetzt einen anderen Weg suchen“, meint Kraft. Alle anderen Möglichkeiten seien nun ausgeschöpft.

Bau des Radschnellwegs Panketrail ab 2021 geplant

Das wichtigste Projekt für den Radverkehr in Nordosten Berlins kommt in diesen Wochen hingegen deutlich voran. Eine Machbarkeitsstudie für den Radschnellweg „Panketrail“ im Auftrag der Senatsverkehrsverwaltung nähert sich dem Abschluss.

Aus 40 möglichen Streckenführungen für die Verbindung vom Stadtrand ins Zentrum soll in den nächsten Monaten die günstigste Trasse hervorgehen. Wenn sich bei der Planung keine neuen Probleme ergeben, könnte der Bau der vier Meter breiten, beleuchteten Trasse Im Jahre 2021 erfolgen, teilte eine Sprecherin Baugesellschaft „Infravelo“ bei einer Informationsveranstaltung mit.

Der Korridor der bislang untersuchten Streckenführungen verläuft vom S-Bahnhof Karow entlang der Strecke der S-Bahnlinie 2 nach Südosten, um sich in Höhe des Bahnhofs Pankow zu gabeln. Von hier aus geht ein Streckenzweig über Gesundbrunnen zum Nordbahnhof, der andere Zweig weist direkt nach Süden, führt durch Prenzlauer Berg und endet am Rosa-Luxemburg-Platz.

Allerdings startet die Streckenführung des „Panketrail“ nicht, wie bislang versprochen, am S-Bahnhof Buch, sondern erst in Karow – obwohl der nördlichste Ortsteil von Pankow seine Einwohnerzahl dank 5000 neuen Wohnungen wohl verdoppeln wird. Der Widerstand von Bucher Initiativen gegen die abgespeckten Pläne ist programmiert.

Auf engen, unübersichtlichen Straßen treffen mit teilweise beispielloser Aggressivität agierende Durchraser täglich auf Hunderte Radfahrer und Fußgänger, besonders Schulkinder.
Katrin Gruner, Sprecherin der Demonstranten