Stadtentwicklung

Neue Aussichten für den Schlachthof an der Landsberger Allee

Raum für die Büros statt Schweinehälften: Das Projekt „Dstrct“ gibt der letzten Brache des Zentralviehhofs eine neue Bestimmung.

Der Investor HB Reavis will der Kreativwirtschaft auf der Brache im Süden von Prenzlauer Berg ein Zuhause geben. Und zeigt Bilder einer neuen Dachterrasse.

Der Investor HB Reavis will der Kreativwirtschaft auf der Brache im Süden von Prenzlauer Berg ein Zuhause geben. Und zeigt Bilder einer neuen Dachterrasse.

Foto: HB Reavis

Berlin.  Seit den Schilderungen in Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“ gehört der alte Schlachthof zum Inventar der literarischen Orte der Spreemetropole. In der Nachwendezeit fanden die brachliegenden Viehhofhallen und Liegenschaften des Fleischhandels im südlichsten Zipfel von Prenzlauer Berg eine neue Bestimmung – alle bis auf eine: Der oberste Teil des Komplexes mit vier markanten Backsteinbauten an der Landsberger Allee geriet zu Sorgenfall. Und das in mehrfacher Hinsicht. Erst entbrannte ein Streit mit einer Anwohnerinitiative über den Plan des damaligen Investors, den Komplex zum 70. Einkaufszentrums Berlins mit angeschlossenem Kongresszentrum zu entwickeln, dann nahmen die Hallen bei einem Großbrand im April 2018 schweren Schaden.

Danach rottete die letzt Ruine des zentralen städtische Vieh- und Schlachthof, wie das Industriegelände offiziell hieß, vor sich hin – bis jetzt. Seit März, kurz nach dem Weiterverkauf des Geländes, sind die Hallen eingerüstet, und Bagger graben an einer Grube für einen Neubau südlich der denkmalgeschützten Gemäuer. „Dstrct“ nennt sich das neue Projekt des slowakischen Entwicklers HB Reavis . Vorgesehen ist eine Kombination aus neuen und alten Gebäuden, die nach dem Ende der Bauarbeiten im Jahre 2021 als Kreativ- und Gewerbezentrum mit Büros, kleinen Läden, Cafés und Street Art-Gemälden dienen sollen. Insgesamt 49.000 Quadratmeter Fläche stehen den künftigen Mietern dann bereit. Analog zum New Yorker Szeneviertel im Westen von Manhattan spricht der Investor bei dem Gelände vom „Meatpacking District.“

Weniger Einzelhandel, mehr Büros und begrünte Höfe

„Im Gegensatz zu früheren Planungen soll die Einzelhandelsfläche deutlich reduziert werden. Entstehen wird ein modernes Bürogebäude mit begrünten Innenhöfen und Veranstaltungsflächen sowie eine gewerbliche Nutzung der Hallen“, beschreibt Projektsprecherin Birgit Haase das Vorhaben. Neue Simulationsbilder zeigen auch eine Dachterrasse, die einen Blick auf den Fernsehturm erlaubt. Mit dem überarbeiteten Konzept rückt HB Reavis vom Plan des früheren Eigentümers ab, massenhaften Einzelhandel im Dreibezirke-Eck zwischen Pankow, Friedrichshain-Kreuzberg und Lichtenberg zu platzieren. Ein Vorhaben, das in den angrenzenden Wohngebieten für erheblichen Widerstand und zur Gründung einer Bürgerinitiative führte. Sie nennt sich „Alter Schlachthof – nicht noch‘n Center“ und war für Anfragen zum aktuellen Projekt nicht zu erreichen.

In den drei alten Hallen, die dem Gelände an der Landsberger Allee also auch künftig ein Gesicht geben werden, ging es Döblins Zeiten in den 20er Jahren übrigens besonders blutig zu: Es handelte sich um Schweineschlachthäuser und eine „Verkaufsstelle für ausländische Schweine“, wie man in alten Aufzeichnungen nachlesen kann. Trotz des Großbrands 2018 dürften sich die historischen Hallen vollständig wiederherstellen lassen. „Insbesondere die gusseisernen Stützen konnten vollständig gerettet werden. Es wird uns daher möglich sein, die historische Halle vollkommen denkmalgerecht zu sanieren“, berichtet Birgit Haase. Angedacht ist außerdem ein Fahrradparkhaus mit 700 Plätzen und ein öffentlicher Stadtplatz.

CDU und Grüne begrüßen die Planänderung

Noch ist kein Termin für eine Anwohnerversammlung zur Vorstellung des Projekts in Sicht, da melden sich erste Bezirkspolitiker zu Wort. „Die Reaktivierung der denkmalgeschützten Halle des Alten Schlachthofs begrüße ich ausdrücklich“, sagt der CDU-Ortsvorsitzende David Paul. Im benachbarten Blankensteinpark sei bereits zu sehen, wie der neue Nutzungsmix aussehen kann. Neben der Liegewiese betreibt Zweirad Stadler in einer früheren Auktionshalle eines der größten Fahrradkaufhäuser Europas. „Gewerbeflächen sind in Berlin Mangelware geworden“, gibt David Paul zu bedenken. Insofern sei es richtig, dass der neue Investor auf Büros setzt. In Berlin gebe es noch „ein enormes Potenzial in der Tech- und Kreativszene.“ Ein Mix aus mehreren Wirtschaftszweigen mit Dienstleistungen verspräche „ein innovatives Umfeld im Schmelztiegel von Prenzlauer Berg und dem angrenzenden Friedrichshain.“

Anbindung durch Tram und S-Bahnhof

Auch die Pankower Grünen begrüßen die Pläne zur Belebung der letzten Schlachthofbrache. „Es ist höchste Zeit, dass die unter Denkmalschutz stehenden Hallen saniert und wieder genutzt werden“, erklärt die die Bezirksverordnete Almuth Tharan als Sprecherin für Stadtentwicklung. Sie sieht eine günstige Ausgangssituation und sagt: „Das Gelände ist mit Straßen- und S-Bahn bestens erschlossen und eignet sich daher sehr gut als Standort für innovatives Gewerbe, Büroflächen und Tagungsräume. Zudem wäre das Vorhaben ein Beispiel dafür, wie bereits versiegelte Flächen umgenutzt werden können, was auch an anderen Stellen im Bezirk ansteht.“

Projekt soll in Ausschusssitzung vorgestellt werden

Zu den zukünftigen Mietern macht HB Reavis noch keine Angaben. Fakt ist aber, dass der Investor im fertiggestellten Gewerbezentrum selbst Regie führen wird. Man habe als Projektentwickler den Anspruch, Büro- und Geschäftsimmobilien ganzheitlich zu entwickeln, erklärt Projektsprecherin Birgit Haase. „Das bedeutet, dass wir investieren, planen und designen, bauen und unsere Gebäude auch betreiben.“ Weitere Details zu den Entwicklungen auf dem Schlachthof-Areal sollen am Dienstag, 14. Mai zur Sprache kommen. Dann wird das Projekt im Ausschuss für Stadtentwicklung der Bezirksverordnetenversammlung Pankow im BVV-Saal an der Fröbelstraße 17 erstmals öffentlich vorgestellt und diskutiert.