Verkehrssicherheit

Wie Kinder den toten Winkel aus Trucker-Sicht erleben

Verkehrssicherheitsprojekt des Bundesverkehrsministers: Dekra lässt Lastwagen auf Schulhöfen vorfahren.

Die Sechstklässler Michael und Jill erleben die Gefahren in der Lastwagenkabine aus erster Hand.

Die Sechstklässler Michael und Jill erleben die Gefahren in der Lastwagenkabine aus erster Hand.

Foto: Thomas Schubert

Pankow.  Von einem toten Winkel zu sprechen, das ist schon Fehler Nummer eins. „Es sind sogar vier“, warnt Fahrlehrer Bernd Lauckner – und die Kinder betrachten den sieben Tonnen schweren Lastwagen von allen Seiten, bedenken die Gefahr, die von ihm ausgeht. Vor dem Kühlergrill, zu beiden Seiten des Führerhauses, hinter der Rampe am Heck – an vier Stellen also wird ein kleiner Mensch für den Fahrer trotz aller Außenspiegel unsichtbar. Je näher das Kind, desto weniger sieht es der Fahrer am Steuer.

Unterrichtsstunde in vielen Berliner Schulen

Genau das bekommen Jill, Michael und die übrigen Sechstklässler der Rudolf-Dörrier-Grundschule in Pankow nicht nur gesagt. Sie dürfen es gleich darauf auch in der Fahrerkabine überprüfen. Dies ist eine Unterrichtsstunde, wie sie in diesen Wochen auf vielen Schulhöfen im Berliner Stadtgebiet stattfindet. Im Rahmen des Projekts „Toter Winkel“ erteilen Bernd Lauckner und die Dekra im Namen von Bundesverkehrsministers Andreas Scheuer (CSU) eine Lektion, die eine der häufigsten Unfallursachen nicht nur in der Theorie erklärt.

Kinder dürfen selbst ans Lenkrad

Jedes Kind darf ans Lenkrad eines Lasters. Jedes Mädchen und jeder Junge darf in die vier Außenspiegel blicken, die trotzdem nicht zeigen, was unmittelbar vor dem riesigen Gefährt geschieht. In den vier toten Winkeln kann eine halbe Klasse verschwinden. „Sie sind einfach weg“, wundert sich die elfjährige Jill über die unsichtbaren Kameraden, die eigentlich rechts neben dem Laster stehen. „Wenn der Laster jetzt abbiegt, seid ihr Ketchup“, erklärt Bernd Lauckner draußen Jills Freunden die Gefahr.

Damit niemand übersehen wird, lehrt die Dekra Kinder einen einfachen Grundsatz. „Wenn ihr dem Fahrer im Spiegel ins Gesicht schauen könnt, kann er euch auch sehen“, sagt Helmut Enk, der Projektbetreuer von der Dekra. Um sich bemerkbar zu machen, gibt er einen einfachen Tipp. „Einfach winken“, empfiehlt Enk. Falls der Trucker zurückwinkt, ist klar: Er hat das Kind nicht übersehen. Im Zweifelsfall gilt: „Lieber stehen bleiben und den Lastwagen abbiegen lassen.“

Selbst wenn ein elektronischer Abbiegeassistent in Lastwagen ab dem Jahre 2022 vorgeschrieben wird, wie Verkehrsminister Scheuer es anstrebt: Abbiegeunfälle völlig ausschließen wird auch dieser technische Helfer keineswegs. „Die Bestätigung an den Radfahrer oder Fußgänger, dass der Lkw-Fahrer ihn wirklich gesehen hat, kann auch der Assistent nicht senden“, gibt Enk zu bedenken.

Der wirksamste Schutz bleibt deshalb: Verkehrsunterricht mit Lastwagen auf dem Schulhof.