Schönhauser Allee

Vorsicht Parklet: Dreieck warnt Radfahrer vor Passanten

Die Parklets an der Schönhauser Allee sind nur mit einem Sprung über den Radweg erreichbar. Markierungen sollen die Gefahr verringern.

Warnung vor Fußgängern: Markierungen auf dem Radweg vor den Parklets sollen die Aufmerksamkeit erhöhen.

Warnung vor Fußgängern: Markierungen auf dem Radweg vor den Parklets sollen die Aufmerksamkeit erhöhen.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Von der ersten Minute an hat die Geschichte der neuen Parklets in Prenzlauer Berg zum Staunen eingeladen. Erst feierten die hölzernen Stadtmöbel nicht im Sommer, sondern pünktlich zum Herbst, also am Ende der Freiluftsaison, Premiere. Dann ragte das erste Exemplar mit seinen Holzkanten 50 Zentimeter bedenklich weit in den Radweg an der Schönhauser Allee hinein.

Und als die Balken der 50.000 Euro teuren Konstruktion im November schließlich abgesägt waren, fiel es den ersten Nutzern gleich bei der Einweihungsfeier auf: Wer die Parklets an der Schönhauser Allee erreichen will, muss vom Bürgersteig über den Radweg hechten. Die stark befahrene Spur zieht sich wie ein Trennstrich zwischen das Parklet und den Fußweg, zu dem das Möbel eigentlich gehört. Laut der Senatsverwaltung für Verkehr soll es in erster Linie eines leisten: Die Aufenthaltsqualität erhöhen.

Radfahrer und Fußgänger werden voreinander gewarnt

Damit der Wunsch nach einem Aufenthalt nicht mit einem Unfall endet, sorgen jetzt, sechs Monate später, zwei Markierungen auf dem Radweg für klare Verhältnisse: Die eine warnt Radfahrer vor kreuzenden Fußgängern. Die andere Fußgänger vor schnell herannahenden Radlern.

Unfälle oder gefährliche Situationen habe es bislang nicht gegeben, betont Nicole Holtz, die Sprecherin des zuständigen Stadtrats Vollrad Kuhn (Grüne). Die Aufbringung der Warnhinweise habe vielmehr mit einem Saisonwechsel zu tun. „Die Parklets werden aktuell alle von der Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr für den Sommer umgerüstet. Anstelle der Fahrradständer werden nun in alle Parklets Bänke und Tische eingebaut. Dementsprechend wurde eine präventive Erhöhung der Sicherheit im Bereich zwischen den Parklets und dem Gehweg, also auf dem schnell befahrenen und hoch frequentierten Radweg in der Schönhauser Allee, mittels Markierungen für nötig erachtet. Damit hier gar nicht erst gefährliche Vorkommnisse entstehen.“

FDP-Verordnete ärgert sich über unnötige Kosten

Ob Warndreiecke die Gastlichkeit der Parklets erhöhen? Die Pankower FDP-Bezirksverordnete Sophie Regel hegt daran Zweifel und sieht darin „eine Schadenbegrenzung von Konflikt- und Gefahrensituationen, die ja erst durch die Parklets geschaffen wurden.“ Wenn man von Anfang an günstigere Standorte gewählt hätte, seien auch solche unnötigen Folgekosten zu vermeiden gewesen, kritisiert sie das Projekt. Es gebe in Prenzlauer Berg außerdem noch genügend andere Gefahrenstellen – „wenn nun schon ein Dienstleister mit Markierungsarbeiten beauftragt war, hätte man auch die übrigen Gefahrenstellen ebenso markieren können“, meint Regel.

„Ein Warndreieck ändert nichts“

Aus Sicht von Roland Stimpel vom Verein „Fuß“, der sich für die Rechte von Passanten einsetzt, handelt es sich im Fall der Parklets um ein allgemeines Problem. Er sagt: „Ein Warndreieck ändert nichts. Rücksichtsvolle Radfahrer passen auch ohne Warndreieck auf, rücksichtslose auch mit Warndreieck nicht. Zu Fuß muss man beim Überqueren von Radwegen immer aufpassen. Das ist kein spezielles Problem dieses Orts.“

Parklets werden noch erprobt und bewertet

Ähnlich wie die Parklets in der Begegnungszone an der Kreuzberger Bergmannstraße befinden sich die vier Exemplare in Prenzlauer Berg noch in der Erprobung und sollen nach dem Ende des Testzeitraums eine Bewertung bekommen. Dabei hat das Bezirksamt Pankow aus den Negativerfahrungen aus dem Nachbarbezirk gelernt. Damit sich Vermüllung und Vandalismus in erträglichen Grenzen halten, sehen Paten nach dem Rechten.

Sechs Monate nach der Premiere soll die Umrüstung der Parklets von Fahrradgaragen zu Sitzecken also die zweite Etappe der Erprobung einleiten. Vielleicht beginnt damit ein erfreulicheres Kapitel in der Geschichte der Holzkästen. Denn die erste Sitznische vor der Klax-Kinderkunstgalerie, die das Möbel im übrigen selbst betreut, fand zuletzt durchaus Anklang, wie Mitbetreiberin Julia Ehni berichtet. „Die Leute verbringen da gerne ihre Pause“, hat sie beobachtet. „Weniger schön ist, dass wir morgens den Abfall aufsammeln müssen.“ Wenn sich Ehni etwas wünschen könnte, wären es nicht Warnzeichen auf der Straße, sondern ein ganz banales Ausstattungsdetail, das man an Parklets tatsächlich anbringen kann: Mülleimer.