Neuer Radweg

Berliner Mauerweg wird zum „Grünen Band“ für Radfahrer

Entlang des früheren Grenzstreifens in Pankow sollen Berliner Natur erleben. Wo Scharfschützen standen, kriechen nun Zauneidechsen.

Neue Wege und zartes Grün: Das "Grüne Band" wird noch Monate brauchen, bis sich die Vegetation zu einem Park entwickelt. 

Neue Wege und zartes Grün: Das "Grüne Band" wird noch Monate brauchen, bis sich die Vegetation zu einem Park entwickelt. 

Foto: Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz / BM

Sand knirscht zwischen den Zähnen, Sturmböen zerrupfen das Haar. Eine gewisse Entschlossenheit gehört in diesen Tagen dazu, sich im Fahrradsattel auf den neu eröffneten ersten Abschnitten des „Grünen Bands Berlin“ gegen den Wind zu stemmen. Noch weht reichlich Staub von Böschungen, auf denen es in den kommenden Monaten sprießen soll. Es sind Rasenflächen, die hier, im Westen von Pankow, künftig zu einem ausgedehnten städtischen Biotop mit einem vier Meter breiten Radweg gehören sollen. Vom früheren Grenzgebiet in Schönholz bis hinauf in den Barnim wird dieser Korridor schließlich reichen. 15 Kilometer entlang des Berliner Mauerwegs zwischen Pankow und Reinickendorf – das Band soll verknüpfen, was früher getrennt war. Das ist der Geist des Projekts.

„Gebietsheimische Wiesen“ und Zauneidechsen

Eine „hochwertige naturnahe Grünfläche“ und einen „fertiggestellten Radweg“ hat die Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr in einer Mitteilung zum Auftakt für die Herrichtung des „Grünen Bands“ versprochen. Tatsächlich muss der neue Bewuchs in den ersten beiden Teilstücke des Erholungsgebiets wohl noch jahrelang sprießen, ehe er die karge Schneise schmücken kann. Zwischen dem Startpunkt an der Klemkestraße und dem Zielpunkt in der Kopenhagener Straße spult man auf dem Fahrrad rund eineinhalb Kilometer künftig durch 4,5 Hektar „wertvolle gebietsheimische Wiesen“, vorbei an Birkenhainen und Schildern, die den neuen Artenreichtum im Unterholz erklären. Wo früher an der deutsch-deutschen Grenze Scharfschützen standen, kriecht jetzt die seltene Zauneidechse durch den Sand.

Radfahrer und Fußgänger auf getrennten Wegen

Ein zweiter fertiger Abschnitt des künftigen „Grünen Bands“ führt weiter vom Friedhof Rosenthal zum Wilhelmsruher Damm an der Grenze zum Märkischen Viertel. Wer die topfebene Asphalttrasse entlang rollt, bekommt eine Ahnung davon, wie es künftig auf den Radschnellwegen im Berliner Stadtgebiet zugehen wird. Auch wenn diese Strecke in Pankow offiziell nicht zu den geplanten Schnellwegen gehört, erfüllt sie zumindest stellenweise die hohen Ansprüche. Damit sich Pedaleure und Fußgänger nicht in die Quere kommen, bewegen sie sich auf getrennten Wegen.

Ärger über gefällte Bäume

Trotzdem sind durchaus nicht alle Anwohner zufrieden mit dem Ergebnis. „Es ist echt schade, dass für das Projekt zahlreiche Bäume gefällt werden mussten“, ärgert sich zum Beispiel Annette Schulz. Wo man ein „Grünes Band“ schaffen wolle, müsse es behutsamere Wege geben, um die Landschaft zu gestalten. Tatsächlich musste die Senatsumweltverwaltung an mehreren Stellen Altlasten in den Böden abbaggern lassen. Wo die Umweltschäden bereinigt wurden, brauche die neue Vegetation ihre Zeit, heißt es von der Verwaltung. Zäune und Banner sorgen dafür, dass niemand die zarten Halme wieder platt trampelt.

Geldsorgen gaben es bei diesem Projekt ausnahmsweise keine. „Die Grünflächen sind aus Mitteln des Autobahnbaus vom Bund finanziert worden. Beide Teilstücke sind Kompensationsflächen für den Eingriff in Natur und Landschaft im Zuge der Baumaßnahmen des 16. Bauabschnitts der Bundesautobahn A 100“, teilt die Verwaltung mit.

Kleine Version des „Grünen Bands Deutschland“

Die Idee, an der früheren deutsch-deutschen Grenze Natur zu erfahren, existiert nicht nur im Gebiet der Berliner Mauer, sondern auch im großen Maßstab. Unter dem Titel „Grünes Band Deutschland“ sollen Ausflügler eines Tages mit dem Fahrrad die gesamte ehemalige innerdeutsche Grenzlinie von der Ostsee bis hinunter nach Tschechien abfahren können. Anders als in Berlin, wo man in den nächsten Jahren zum Abschluss kommen will, liegt die Vollendung des großen Projekts in fernerer Zukunft. Wer die über 1000 Kilometer lange Strecke jemals bewältigen möchte, kann in Pankow jetzt schon üben.