Pankow prüft Schließzeit

Pfleger: Ziegen im Bürgerpark wurden mit Steinen beworfen

Mit Parkläufern und beschränkten Öffnungszeiten möchte Stadtrat Kuhn nach den Vorfällen im Bürgerpark in Pankow für Ordnung sorgen.

Frühlingsgefühle und Gewaltvorfälle: Im Bürgerpark liegen Freud und Leid zu Ostern dicht beieinander.

Frühlingsgefühle und Gewaltvorfälle: Im Bürgerpark liegen Freud und Leid zu Ostern dicht beieinander.

Foto: Thomas Schubert

Auch eineinhalb Wochen, nachdem Unbekannte in einer Nacht Schaden in Höhe von 50.000 Euro angerichtet haben, kommt der Pankower Bürgerpark nicht zur Ruhe. Wie ein Mitarbeiter des Grünflächenamts am Donnerstag berichtete, sollen nächtliche Besucher in dieser Woche die Ziegen im Tiergehege des Bürgerparks mit Steinen beworfen haben. „Die Ziegen waren deswegen verängstigt und liefen auch vor uns weg. Das ist sehr ungewöhnlich. Außerdem wurden über Nacht 20 Mülleimer aus den Halterungen getreten“, schildert der Mann, der sich auch als Pfleger um die Ziegen kümmert, seine Beobachtungen. Noch offen war am Donnerstag, wie der Bezirk mit dem Vorfall umgeht, ob eventuell Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt wird.

„Wer nachts in den Park kommt, hat sowieso nichts mit Erholung im Sinn“

Anlass dieses Berichts war eine Veranstaltung, die eigentlich Freude bereiten sollte: die Aufstellung des Osterbaums vor dem Brunnen im Park. Doch auch der stellvertretende Bürgermeister Vollrad Kuhn (Grüne) stellte die Vorfälle ins Zentrum seiner Ansprache und kündigte drastische Schritte an. „Wir überlegen, den Park nachts zu verschließen. Denn wer nachts in den Park kommt, hat sowieso nichts mit Erholung im Sinn“, sagte er Kindern und Familien, die zum Schmücken des Baums erschienen waren.

Parkläufer könnten ab Mitte Mai zum Einsatz kommen

Tatsächlich ließe sich die Grünanlage abschotten, wenn man alle acht Tore verschließt. Geht es nach Kuhn und den Mitarbeitern des Grünflächenamts, wird es wohl noch in diesem Frühjahr zur abendlichen Schließung kommen.

Frühestens ab Mitte Mai stehen dann auch die fünf Parkmanager bereit, die jegliche Art von Konflikten in Grünanlagen schlichten sollen. Neben dem Bürgerpark sollen auch der Mauerpark und der Park am Weißensee diese neue Art der Betreuung erhalten. Pankow wird als einer der ersten Bezirke am Pilotprojekt teilnehmen können. Aber dass der Senat die neuen Parkbewacher bezahlt, heißt noch nicht, dass sie sofort starten können. Erst müsse ein Träger gefunden sein, der die Ausbildung übernimmt, gibt Kuhn zu bedenken. Als Grundvoraussetzung steht fest: Parkläufer sollen mit ehrenamtlichen Initiativen wie dem Bürgerpark-Verein in Verbindung stehen, ohne sie zu ersetzen.

Außerdem wolle man sich dafür einsetzen, dass die Baustelle am Rosenpavillon im Park besser abgesichert wird, so Kuhn. Hier investiert das Bezirksamt derzeit 106.000 Euro für die denkmalgerechte Herrichtung. Dass man jetzt die herausgerissenen Engelsfiguren wieder anbringen muss, hatte niemand auf der Rechnung. Überhaupt geht es bei der Sicherung des Parks um viel Geld. Im rückwärtigen Teil wurde eine neue Revierunterkunft des Grünflächenamts gebaut. „Die hat eineinhalb Millionen Euro gekostet. Es geht darum, dass wir unsere Investitionen schützen“, sagt ein Mitarbeiter.

Osterbaum vom alten Standort an der Kirche abgezogen

Vielleicht kann der neue Frühlingsbote die Gemüter beruhigen. Dass der Bezirk eine Birke mit bunten Eiern behängen lässt, ist eine fast 50-jährige Tradition. Neu ist diesmal der Standort des Osterbaums. Erstmals finden Familien die geschmückte Birke nicht mehr am Dorfanger vor der Pankower Kirche in der Breiten Straße, sondern hinter den gusseisernen Toren des Bürgerparks, direkt vor dem Brunnen. „Der alte Platz ist ein Verkehrsknotenpunkt. Die Ecke ist verkehrsbedingt sehr laut und zugig. Vor zwei Jahren fiel der Baum mehrmals um“, heißt es als Erklärung für den Umzug aus dem Straßen- und Grünflächenamt. Und selbst wenn das Gewächs stehen blieb: sonderlich viele Baumfreunde sah man an der verkehrsumtosten Kreuzung nie.