Thälmann-Park

Pankow will „grünes Band“ statt Wohnungen am Güterbahnhof

Der Konflikt um 400 Wohnungen am Thälmann-Park spitzt sich zu. Pankow wehrt Christian Gérômes Pläne ab.

Investor Christoph Gérôme (l.) und sein Partner Frank Trappe wollen das historische Bahnhofsgebäude als Eventlocation bewahren und nebenan Wohnungen bauen.

Investor Christoph Gérôme (l.) und sein Partner Frank Trappe wollen das historische Bahnhofsgebäude als Eventlocation bewahren und nebenan Wohnungen bauen.

Foto: Thomas Schubert

Berlin.  Christian Gérôme nimmt Platz auf einem Sofa und legt den Aktenordner auf den Tisch. Hier, in den alten Hallen des Güterbahnhofs Greifswalder Straße, so meint der Investor, zeige sich bereits der Geist seines Projekts, das den überhitzten Wohnungsmarkt in Prenzlauer Berg mit 400 bis 600 Wohnungen entlasten solle, schon jetzt. Dies ist ein Festsaal in alten Industriegemäuern. Ein ehemaliger Umschlagplatz für Güter mit einer gastronomischen Nutzung. „Von Greifswald“ nennt der Betreiber Frank Trappe seinen frech dekorierten Veranstaltungsort, in dem man Hochzeiten ebenso feiern kann wie ein geschäftliches Meeting abhalten. Wer ein Fest mit klassischer Musik begehen will, findet unter den Kronleuchtern einen Flügel.

„Das ist ein Wohnzimmer für Prenzlauer Berg“, meint Gérôme, der Eigentümer dieser Hallen. Und der Immobilienunternehmer spricht dabei nicht von einer Wohlfühlstube für Hipster, sondern für eine breite Mehrheit. Ein Kulturtreff im alten Anlieferungsgebäude im Güterbahnhof, das ist aber nicht etwa eine Zwischennutzung auf dem Weg zum neuen Wohnungsbauprojekt, sondern ein Fixpunkt der Planung. „Natürlich bleibt das ,Von Greifswald’ dauerhaft erhalten“, heißt sein Versprechen.

Alles andere als natürlich gestaltet sich jedoch die Planung der Wohnhäuser entlang der Ringbahn-Trasse nordöstlich des S-Bahnhofs. Denn das Bezirksamt Pankow wehrt Gérômes Konzept rigoros ab und sieht für ein neues Quartier am Verkehrsknoten Greifswalder Straße keinen geeigneten Platz.

„Die Stadt wird um dringend benötigte Mietwohnungen betrogen. Gerade in Prenzlauer Berg suchen Familien händeringend nach einer Bleibe“, sagt dazu der verhinderte Bauherr. Seit mehr als acht Jahren liegen Christian Gérôme und Spitzenpolitiker des Bezirksamts nun schon im Clinch. Aber auch eine erste gerichtliche Auseinandersetzung brachte den Plan, die Bahnhofsbrache zu bebauen, bislang nicht zum Erfolg.

Bezirksamt will das Gelände als „grünes Band“ schützen

Im Bauausschuss wird die Möglichkeit, zwischen Thälmann-Park und Ringbahn Wohnungen zu errichten, inzwischen gar nicht mehr diskutiert. Dort sprach Gerald Leue vom Stadtplanungsamt zuletzt nur von einem „grünen Band“, das sich künftig am Planetarium erstrecken soll. Mit einem neuen Bebauungsplan will das Bezirksamt das Areal „zur Sicherung öffentlicher Grünflächen und Gemeinbedarfsflächen“ frei halten.

Zum Gemeinbedarf zählt ein neues Hallenbad und vor allem ein neuer Schulcampus, der die Platznot in den Klassenzimmern lösen soll. „Es gibt in diesem Teil von Prenzlauer Berg einen ganz erheblichen Bedarf an Plätzen“, sagte Leue im Bauausschuss. Dass sich ein großer Teil der nötigen Flächen im Besitz des Landes Berlins befänden, sie ein „unschätzbarer Vorteil.“ Wenn der Bezirk aber Wohnungsbau, wie ihn Gérôme sich vorstellt, zuließe, wären die eigenen Ziele konterkariert.

Die neuesten Anträge des Investors will das Amt jetzt ein Jahr lang zurückstellen – bis der neue Bebauungsplan eine Wohnnutzung ausschließt. Klaus Risken, der Leiter des Stadtplanungsamts, sieht die aktuellen Anträge von Gérôme als „Versuchsballons“, um an Baurecht zu kommen. Es gehe um zwei Hochhäuser und zwei niedrigere Gebäude, die sich an vorhandenen Bauten im Thälmann-Park orientieren. Die Siedlung der DDR-Moderne weiterbauen? Dass will man in linksdominierten Bezirksamt auf keinen Fall.

Die Infrastrukturproblem Pankows gegen Wohnungsbau ins Feld zu führen - vor allem bei der Berliner FDP stößt diese Argumentation auf scharfe Kritik. „Besonders perfide ist diesmal, dass der notwendige Ausbau von Schulen gegen den Wohnungsbau ausgespielt wird“, sagt der Abgeordnete Swyter. „Die lange Liste der von Rot-Rot-Grün aktiv verhinderten Wohnungsbauprojekte ist damit um ein Beispiel reicher“, beklagt der Liberale im Streitfall des Güterbahnhofs Greifswalder Straße.

Da er sich vom Bezirksamt blockiert sieht, will Christian Gérôme den Streit nun auf eine höhere Ebene tragen. Der verhinderte Bauherr erwägt jetzt eine Klage auf Schadensersatz. Die Regresssumme wäre so hoch, dass sie das Bezirksamt im Ernstfall wohl nicht aufbringen könnte. „Es geht um einen zweistelligen Millionenbetrag“, warnt der Investor. Mit einem Gutachten will er untermauern, dass für sein Grundstück eine Bebauung tatsächlich zulässig ist und der Bezirk dieses geltende Recht mit seinen Plänen durchkreuzt. Der Unternehmer hat noch nicht aufgegeben und will zeigen, welches Potenzial an Wohnungsbau in Berlin auf Grundstücken in Gleisnähe verloren geht.

Bauherr will Schadensersatz in zweistelliger Millionenhöhe

Für Christian Gérôme ist es allerdings nicht das erste Berliner Projekt, dass am Veto des Bezirks scheitert. So wollte er vor drei Jahren auch am Bahnhof Westkreuz in Charlottenburg bauen. Hier präsentierte Gérôme einen Plan, die Brachen des Bahngeländes mit 900 Wohnungen, darunter 200 mit geförderten Miete, zu bebauen.

Aber auch hier setzte das Bezirksamt andere Prioritäten und beharrt bis heute auf der Freihaltung der Flächen. Nur dass es dort nicht um eine Schule geht, sondern um einen Park.