Prenzlauer Berg

Auf Druck der Eltern: Asbestmüll vor Schule entfernt

Eineinhalb Monate lagerte haufenweise Asbest vor einer Schule in Prenzlauer Berg. Nun hatte der Protest der Eltern zum Teil Erfolg.

Elternvertreterin Vanessa Remy steht auf der Schultreppe nur wenige Meter entfernt vom Zaun, hinter dem der verdächtige Bauschutt lag.

Elternvertreterin Vanessa Remy steht auf der Schultreppe nur wenige Meter entfernt vom Zaun, hinter dem der verdächtige Bauschutt lag.

Foto: Thomas Schubert

Berlin.  Illegal abgeladener Asbestmüll direkt vor einem Schulhof – und keine Deponie, die das gefährliche Material annehmen will: das ist ein Dilemma, das Familien, Bezirkspolitiker und Bauherren in Prenzlauer Berg seit Ende Februar in Aufruhr hielt. Erst kurz bevor die Kinder des Gymnasiums im Europasportpark vergangene Woche in die Osterferien entlassen wurden, kam die erleichternde Nachricht: Der womöglich krebserregende Giftmüll ist endlich entfernt.

Müll nach Schulschluss in Säcke und Container verpackt

Aber auch dieser Abtransport brauchte einen Zwischenschritt und stellte die Beteiligten erneut vor eine Geduldsprobe.

„Der illegal abgeladene Wellasbest wurde im März – in Rücksprache mit den Schulen natürlich außerhalb der Unterrichtszeiten – sicher in sogenannte Big Bags und dann in einen Container verpackt“, beschreibt Johanna Steinke vom Berliner Immobilienmanagement (BIM) den ersten Akt, der aus Sicherheitsgründen geboten war. In der letzten Schulwoche vor den Ferien erfolgte dann schließlich die Abholung dieser Container.

Verantwortlich war die BIM deshalb, weil „unbekannte Dritte“, wie es heißt, den Giftmüll auf einer Baustelle des Landes Berlin direkt vor den Schultoren abgeladen hatten. Neben dem Gelände des Gymnasiums und der benachbarten Grundschule im Blumenviertel lässt das Immobilienmanagement derzeit ein Plattenbau-Hochhaus aus der DDR-Zeit zum Finanzamtsgebäude umrüsten. Über Nacht hatten sich im Februar Unbefugte Zugang zum Baugrundstück verschafft und dort ihre eigenen Asbestplatten abgeladen – offenbar, um die Entsorgungskosten zu sparen. Seit der Entdeckung wenige Tage danach war es nicht gelungen, den Abtransport der Platten zu regeln.

Landeskriminalamt war mit der Klärung befasst

Auch wenn laut des Bezirksamts Pankow und der BIM zu keiner Zeit Gesundheitsgefahr bestand, beharren die Familien auf ihrem Standpunkt. Wochenlang hatten sie eine Entfernung der Müllhalde und einen Baustopp eingefordert. Neben der Abteilung des Schulstadtrats Torsten Kühne (CDU) waren auch das Landeskriminalamt und die Gesundheitskasse mit der Klärung der Problems befasst.

Nun könnte der Konflikt befriedet sein. Aber die Erleichterung bei den Betroffenen hält sich in Grenzen. Denn laut eines neuen Briefs der Elternsprecherin Vanessa Remy enthält auch der reguläre Schutt der Baustelle Schadstoffe: Darunter Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Obwohl die Eltern wegen dieses Verdachts einen kompletten Baustopp gefordert hatten, gingen die Arbeiten noch Wochen weiter. „Ein Ruhen der Baustelle kam erst mit Unterstützung durch die Presse zustande“, schreibt Remy.

Tatsächlich hatte die BIM gegenüber der Morgenpost eingeräumt, „dass in der Ereigniskette einiges schieflief“, und die Arbeiten gestoppt.

Eltern prüfen rechtliche Schritte

Zwar hat die BIM für die Fortführung der Arbeiten größte Sorgfalt versprochen. Beim jetzigen Stand wollen es die Eltern aber nicht belassen. Laut Vanessa Remy werden nun rechtliche Schritte geprüft. Das, was die Eltern erreicht haben, kam aus ihrer Sicht zu spät. „Leider können wir die Zeit nicht zurückdrehen, was geschehen ist, ist geschehen. Und Kinder, die jüngsten im Alter von sieben Jahren, gehen nun mit einer potenziellen Hypothek durchs Leben“, befürchtet die Mutter.