Zerstörungsorgie

50.000 Euro Schaden über Nacht – was ist los im Bürgerpark?

Abgerissene Engel, kaputte Bänke, Gewalt im Tiergehege: Freiwillige fegen in der Grünanlage Trümmer zusammen. Und machen sich Gedanken.

Christian Friedrich vom Bürgerpark-Verein zog einen der Engel eigenhändig aus der Panke.

Christian Friedrich vom Bürgerpark-Verein zog einen der Engel eigenhändig aus der Panke.

Foto: Christian Friedrich / Privat

Berlin. Vielleicht wäre der Engel noch Tage lang in der Panke getrieben. Vielleicht hätte ihn jemand herausgefischt und sich als Trophäe ins Wohnzimmer gestellt. Vielleicht hätte das Wasser die pittoreske Figur, die Unbekannte vom Dach des Rosenpavillons gerissenen haben, irreparabel beschädigt. Christian Friedrich, der Vorsitzende des Bürgerpark-Vereins, wollte so lange nicht warten. Er zog seine Gummistiefel an und zog die Figur eigenhändig aus dem Fluss.

Das war am Sonntag vor einer Woche. Kurz nach dem wohl größten Fall von Vandalismus, der sich in diesem Jahr in Berliner Grünanlagen ereignet hat. Fünf Tage hat es gedauert, bis die Polizei eine Nachricht absetzte über einen Vorfall, der nicht nur in Pankow für Entrüstung sorgt. Eine Gruppe von Randalierern soll am Wochenende des 5. bis 7. April zwei Engelsfiguren vom Dach des Rosenpavillons gerissen und sie zu Boden und in die Panke geworfen haben.

Die Randale im Bürgerpark Pankow in der Übersicht:

  • Zwei Engelsfiguren in die Panke geworfen
  • Das Dach des Rosenpavillions beschädigt
  • Auf Sandsteinsäulen eingeschlagen
  • Futterraufe des Ziegengeheges im Kleintierzoo demoliert
  • Vier handgefertigte Parkbänke beschädigt

Bilanz der Zerstörungswut im Bürgerpark Pankow: 50.000 Euro Schaden

Auch der historische Pavillon selbst, der gerade aufwändig restauriert wird, nahm dadurch Schaden. Außerdem schreibt die Polizei von Schäden an den Sandsteinsäulen des Gebäudes, hervorgerufen durch stumpfe Gewalt – und von Bänken, die von den Unbekannten so verbogen wurden, dass die Lehnen nun waagerecht stehen. Auch die Futtertraufen im benachbarten Ziegengehege des Parks hätten sie demoliert, heißt es. 50.000 Euro Schaden in einer Nacht – das ist die bisherige Bilanz.

„Natürlich tut es da umso mehr weh, zu sehen, wenn solche schönen und wertvollen Figuren sinnlos zerstört werden. Das muss in Zukunft verhindert werden. Sowas geht gar nicht, das macht mich wütend, so etwas zu sehen“, sagt Christian Friedrich. Auch der Bürgerpark-Verein hat bewusst fast eine Woche lang gewartet, mit der Nachricht über die Verwüstung an die Öffentlichkeit zu gehen. Denn statt einer schnellen Vorverurteilung will der Zusammenschluss aus freiwilligen Helfern etwas anderes: In Ruhe darüber nachdenken, welches gesellschaftliche Problem der Zerstörungswut zugrunde liegt und wie es künftig besser werden kann.

Bürgerpark-Verein: „Zu wenige Angebote für junge Leute in Pankow“

„In letzter Zeit gab es genau wie im letzten Jahr wieder Menschen, die nachts nicht wissen wohin mit ihrer Kraft“, beschreibt Friedrich die einzige Tatsache, die bislang feststeht. Statt solche Parkbesucher an den Pranger zu stellen, setzt er aber auf Verständnis und sagt: „Die meisten Jugendlichen sind vernünftig und wollen eben mal einen trinken und Party machen. Sowas haben wir alle in der Jugend gemacht. Aber wir haben zu wenig Angebote für junge Leute in Pankow.“

Am jetzigen Sonnabend habe er von Jugendlichen gehört, dass sie einen Geburtstag im Park feiern, weil zuhause kein Platz sei. Seine Schlussfolgerung: „Da braucht man Angebote und Räume. In unserem Bezirk leben 406.000 Menschen, es ist klar, dass da auch viele Jugendliche dabei sind und die ihr Leben nicht im stillen Kämmerlein verbringen wollen.“

Weil es im Bezirk Pankow auch in anderen Grünanlagen, etwa im Park am Weißen See oder dem Gelände an den Arkenbergen, immer wieder zu Sachbeschädigungen kommt, sollen künftig fünf „Parkläufer“ für Ordnung sorgen. Für Friedrich ein Hoffnungsschimmer, dass der Bezirk die Situation noch in diesem Frühling unter Kontrolle bringen kann – „denn wenn sich das nicht bessert, gibt es schon verschiedene Stimmen die fordern, den Park nachts abzuschließen.“

Unterdessen geht im Fall des Bürgerparks die Suche der Polizei nach den Tätern unter dem Stichwort „Gefallene Engel“ weiter. Wer am genannten Wochenende Beobachtungen gemacht hat, wird gebeten, sie zu schildern. Hinweise nimmt der Polizeiabschnitt 13, Hadlichstraße 37 in 13187 Berlin-Pankow unter der Rufnummer 46 64 11 37 00 oder per E-Mail oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

Die Berliner Polizei fragt:

  • Wer hat an dem genannten Wochenende, insbesondere in den Nachtstunden, Beobachtungen im Bürgerpark Pankow und/oder in der Umgebung gemacht?
  • Wer kann sonst sachdienliche Hinweise geben?