Bryggeri Helsinki

Heftiger Streit um finnische Kneipe in Prenzlauer Berg

Das Bündnis gegen Rechts wirft einem finnischem Bierbrauer Engagement für eine SS-Vereinigung vor. Der will nun Anzeige erstatten.

Die Kneipe "Bryggeri Helsinki" will für Biergenuss stehen und mit rechtsextremen Botschaften nichts zu tun haben.

Die Kneipe "Bryggeri Helsinki" will für Biergenuss stehen und mit rechtsextremen Botschaften nichts zu tun haben.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Um die finnische Brauereikneipe „Bryggeri Helsinki“ in Prenzlauer Berg ist ein heftiger Streit entbrannt. Ein Flugblatt des Berliner Bündnisses gegen Rechts setzt den Wirt Pekka Kääriäinen massiv unter Druck. „Der Geschäftsführer ist Vorsitzender des SS-Traditionsvereins ,Veljesapu-Perinneyhdistysry‘ in Finnland“, prangert das Bündnis darin an. Dieser Verein habe auf seiner Internetseite Runen, SS-Symbole und Hakenkreuze gezeigt.

„Auch wenn in der Kneipe selbst nichts auf eine Verherrlichung des Nationalsozialismus hinweist, ist es für uns in keiner Form hinnehmbar, dass jemand, der in einem SS-Traditionsverein ist, ein Geschäft in Berlin betreibt. Da gilt ganz klar: Kein Bier von, für und mit Nazis, weder hier in Berlin noch in Finnland“, schreibt David Kiefer, Sprecher des Bündnisses gegen Rechts.

SS-Vorwürfe des Bündnisses gegen den Betreiber

Eine Darstellung, gegen die sich Wirt Pekka Kääriäinen entschieden wehrt. „Wir sind keine Nazis, wir sind nicht rechts“, sagt der Betreiber des Lokals auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Er fühle sich verleumdet. „Uns bleibt keine andere Möglichkeit, als einen Anwalt einzuschalten“, erklärt der Bierbrauer.

Er bestätigt zwar, dem finnischen Verein, der sich zu Deutsch „Brüder-Hilfe“, nennt, vorzusitzen. Aber der Charakter des Vereins sei nicht rechtsextrem gefärbt, beteuert er.

Es geht um Veteranen und den eigenen Vater

Ziel der seiner Meinung nach politisch neutralen Gruppierung sei es lediglich, finnischen Veteranen, die im Zweiten Weltkrieg gekämpft haben, zu helfen. Ein solcher Veteran ist Kääriäinens eigener Vater.

Die Annahme, dass dabei die Taten der SS verherrlicht würden, beruhe auf einem Missverständnis. Und es gebe erst recht keinen Zusammenhang zwischen dem finnischen Verein und der Kneipe in Prenzlauer Berg. „Das Ganze ärgert mich sehr“, sagt Kääriäinen.

Lokal-Mitarbeiter fürchten sich vor Angriffen

Am Montag ist vom Streit um das Lokal an der Ecke Raumer-/Göhrener Straße auf den ersten Blick nichts zu bemerken. „Komm rein und probiere unsere wunderbaren Craft-Biere“, steht in geschwungenen Lettern an einer Tafel vor der Tür geschrieben. Daneben hat eine Mitarbeiterin zwei Blümchen aufgemalt.

Nur ein kleiner Aushang neben der großen Tafel lässt darauf schließen, dass die finnische Kneipe in Prenzlauer Berg in diesen Tagen gegen Vorwürfe kämpft, die mit einer angeblich rechtsextremen Gesinnung des Wirts zu tun haben.

„In unserem Restaurant befinden sich keine Dinge, die mit Nazis in Verbindung gebracht werden können“, wird dort unter der Anrede „Hallo allerseits“ klargestellt.

Seitdem das Flugblatt in Umlauf ist, fürchten sich Mitarbeiter des Lokals vor Übergriffen. Vor allem die Kollegen, die Familie haben, lebten nun in Angst, sagt eine Frau, die in der Kneipe arbeitet. Aber man wolle unbedingt weitermachen. Und bekomme auch verstärkt Besuch von Kneipengästen, die sich sich mit dem kleinen Betrieb solidarisch zeigen wollen.

Es geht um 30 Existenzen

Beim Berliner Bündnis gegen Rechts hingegen hält man an den Vorwürfen fest. Es nennt in seinem Flyer auch Gräueltaten eines finnischen SS-Bataillons und sieht dieses als Beteiligten an den Verbrechen des Holocausts.

Nach eigenen Angaben hat das Bündnis bisher 3000 Flyer in Umlauf gebracht, um zum Boykott der Kneipe aufzurufen.

Dass es im Streit um die vermeintliche politische Gesinnung des Wirts um Existenzen geht, hebt die Erklärung im Schaufenster der Kneipe hervor.

„Wir beschäftigen nahezu 30 Personen in Finnland und Deutschland, und eine versehentliche Assoziierung unseres Unternehmens mit Nazismus kann deren Lebensgrundlage und Sicherheit gefährden“, heißt es dort.

Das Craft-Bier wird jedenfalls weiterfließen, verspricht Kääriäinen. Wegen politischer Mutmaßungen zum Boykott der „Bryggeri Helsinki“ aufzurufen, hält er für absurd.