Stadtentwicklung

Pläne für bis zu 7600 Wohnungen in Karow und Buch

Die Großprojekte im Pankower Nordosten könnten die Verkehrsprobleme noch verschärfen. Senat und Bezirk streiten über neue Bahnhöfe.

Die Karower müssen sich vor allem im Süden von Freiflächen verabschieden. Es entstehen bis zu 3000 Wohnungen.

Die Karower müssen sich vor allem im Süden von Freiflächen verabschieden. Es entstehen bis zu 3000 Wohnungen.

Foto: Thomas Schubert

Berlin.  Mit den umstrittenen Vorhaben an der Michelangelostraße, am Pankower Tor und dem Blankenburger Süden sind Pankows Wachstumspotenziale längst nicht erschöpft. Neben diesen Entwicklungsgebieten, die Berlin knapp 10.000 neue Wohnungen bescheren sollen, laufen Planungen für weitere Großprojekte auf Freiflächen in den nordöstlichen Ortsteilen des Bezirks.

Gerade hat das Abgeordnetenhaus eine Änderung des Flächennutzungsplans für das Gelände der früheren DDR-Regierungskrankenhäuser an der Hobrechtsfelder Chaussee in Buch eingeleitet, mit dem Ziel, hier durch den Abriss der Kliniken Platz für 2000 bis 3000 Wohnungen zu schaffen. Das ließ die Planer des Bezirksamts aufhorchen.

Denn nur wenige Tage zuvor hatten die man bei einem Bürgerforum zur Rahmenplanung für Buch-Süd informiert. Die wichtigste Nachricht: 1600 Wohnungen entstehen durch Nachverdichtung in den Korridoren zwischen Plattenbauvierteln und dem Campusgelände. Und dann berief der Bezirk in Karow einen Workshop zur dortigen Rahmenplanung ein.

Die entscheidende Frage hier: Wie lassen sich bis zu 3000 Wohnungen so einfügen, dass der „dörfliche Charakter“ von Karow gewahrt bleibt? Dies ist ein dringlicher Wunsch der Anwohner. Noch wichtiger, das zeigten bei der Veranstaltung die Notizen der Bürger an der Pinnwand, ist die Angst vor dem Zusammenbruch des Verkehrs. „Befürchtung: Staus, Staus, Staus“, schrieb einer der Teilnehmer auf. Insgesamt 7600 neue Wohnungen bedeuten noch mehr Gedränge auf den Bahnsteigen und Straßen.

Bau von der neuen Quartiere könnte ab 2025 starten

Über das genaue Baupensum in den Entwicklungsgebieten in Karow und Buch werden Senat und Bezirksamt aber noch verhandeln. „Es ist nicht klar, ob das Potenzial von 3000 Wohnungen in Karow auch ausgeschöpft wird“, sagt Baustadtrat Vollrad Kuhn (Grüne). Es verteilt sich auf die drei Standorte Karow-Süd, am Teichberg und Straße 52, wobei in Karow-Süd die größte Baumasse zu erwarten ist.

Hier könnten Bauherren mit Geschosswohnungsbau preisgünstig bauen und damit für niedrige Mieten sorgen. Ansonsten sollen sich die Neubauten an der bestehenden Bebauung mit einem dichten Netz aus Einfamilienhäusern und tiefen Gärten orientieren, berichtet der Landschaftsplaner James Miller Stevens vom Büro Stadt, Land, Fluss. Er stellte bei den bisherigen Schritten der Bürgerbeteiligung fest: „Die Gebiete mit hoher Geschossigkeit und Dichte führen bei Anwohnern zu Dissens.“

Neben den Wohnungsgesellschaft Gesobau und Gewobag könnten auch Investoren aus der privaten Bauwirtschaft zum Zug kommen. Mit einem Baustart rechnet das Bezirksamt frühestens im Jahre 2025, zumal es auch neue Schulen und Kitas mitzuplanen gilt. Damit fällt das Projekt Karow in den gleichen Zeitrahmen wie die Nachverdichtung in Buch-Süd. Erst danach dürfte die Bebauung des Krankenhausgeländes folgen.

Senat will Turmbahnhof Karow - Bezirk bevorzugt Buch

Bis zu 3000 Wohnungen in Karow und 4600 in Buch - der enorme Bevölkerungszuwachs bedeutet einen Stresstest für die S-Bahntrassen nach Birkenwerder und Bernau. Und lässt eine Frage in den Fokus rücken, die Verkehrspolitiker im Bezirk seit Jahren umtreibt. Sollte man einen neuen Regionalbahnhof in Buch eröffnen oder an einem neuen Turmbahnhof in Karow festhalten?

Aus Sicht der Pankower Bezirksverordneten fällt die Wahl auf Buch. Stadtrat Kuhn versucht derzeit immer wieder, diese Position gegen die Widerstände beim Senat durchzusetzen. „Ich weiß, dass es wirtschaftlich schwierig ist, Regionalzüge an zwei Bahnhöfen kurz hintereinander halten zu lassen. Aber vielleicht schafft man es, dass in Buch wenigstens jeder zweite Zug hält“, schlägt er einen Kompromiss vor.

Bei der Senatsverwaltung für Verkehr will man vom neuen Verkehrsknoten in Karow aber nicht ablassen, weil der verkehrspolitische Nutzen größer sei als bei einem neuen Halt in Buch. „Durch den Turmbahnhof Karower Kreuz soll eine Verbesserung der Verbindungsqualität in den Verkehrsbeziehungen zwischen den östlichen Stadtbezirken Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf und Ortsteilen Pankows, insbesondere Blankenburg, Karow und Buch, herbeigeführt werden“, erklärt Sprecher Derk Ehlert auf Nachfrage.

Er sieht auch Vorteile für diejenigen, die auf einen Regionalbahnhof in Buch verzichten müssten. „Mit der S-Bahn wird der Turmbahnhof Karower Kreuz in vier Minuten zu erreichen sein und attraktive Umsteigemöglichkeiten zu den Regionalzügen in alle Richtungen ermöglichen. Dass man sowohl in Karow als auch in Buch Haltestellen für Regionalzüge einrichten kann, gilt als unwahrscheinlich. So bekäme man „unwirtschaftlich kurze Halteabstände und eine Verlängerung der Reisezeiten für die durchfahrenden Fahrgäste“, warnt Ehlert.

Auch der Radschnellweg „Panketrail“ soll Entlastung bringen

Den Bau des Turmbahnhofs in Karow hält man im Hause von Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) aber erst in der zweiten Hälfte der 2020er Jahre für möglich. Dann wäre ein Teil der Neubausiedlungen im Pankower Nordosten womöglich schon bezugsreif. Bedenklich aus Sicht der Karower: Im neuen Nahverkehrsplan des Senats ist das Vorhaben noch gar nicht enthalten.

Auch Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) drängt auf eine Lösung für immer drängendere Verkehrsprobleme: „Es ist klar, dass die Verkehre mit dem Auto nicht abführbar sind“, bekennt er sich zu dabei ÖPNV. Jetzt gelte es, ein Verkehrsnetz aufzubauen, das die nächsten 50 bis 60 Jahre funktioniert – mit dem Schwerpunkt Schiene. „Aber auch der Radschnellweg Panketrail wird künftig drei Viertel des Jahres zu Entlastungen beitragen“, meint der Bürgermeister. Benn verweist darauf, dass die Bauvorhaben noch genügend Zeit zur Vorbereitung lassen und sagt: „Wer Angst hat, mit Menschen überschwemmt zu werden, den kann man beruhigen. Wer hofft, dass schnell viele Leute hinzukommen, den muss man enttäuschen.“

Genau wie Blankenburg, wo sich die jetzige Einwohnerzahl von 7000 Menschen durch das Bauvorhaben am Blankenburger Pflasterweg mit bis zu 6000 Wohnungen leicht verdreifachen kann, stehen auch die Ortsteile Karow und Buch, die um ein Drittel wachsen könnten, vor einem stadtplanerischen Neuanfang. Hier wie dort interessieren sich Anwohner für einen wichtigen Termin. Die lang erwartet Verkehrsprognose des Senats für den nordöstlichen Stadtraum soll in diesem Frühjahr präsentiert werden, kündigt Stadtrat Kuhn an. Vielleicht klärt sich dann auch die Frage nach den Bahnhöfen in Karow und Buch.