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Prozess

Sohn angeschossen: 73-jähriger Pankower schweigt vor Gericht

Ein Pankower soll auf seinen Sohn geschossen und ihn lebensgefährlich verletzt haben. Vor Gericht schweigen Täter und Opfer.

Eine Justitia vor einem Gerichtsgebäude (Symbolbild)

Foto: Stefan Puchner / dpa

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Berlin. Was geschah am frühen Abend des 6. März 2013 im Flur eines Einfamilienhauses im Norden von Pankow. Das ist die entscheidende Frage, mit der sich seit Mittwoch eine Schwurgerichtskammer des Landgerichts befassen muss. Für die Staatsanwaltschaft ist der Fall klar. Wilhelm K., heute 73, soll deutlich angetrunken zweimal gezielt auf seinen damals 40-jährigen Sohn geschossen haben.

Familienstreit war der Auslöser

Ein heftiger Familienstreit soll den Schüssen vorangegangen sein. Die Ermittlungen ergaben, dass das Opfer die Arme schützend vor sein Gesicht gehalten hat, vergeblich. Eine Kugel durchschlug einen Unterarm und blieb im Unterkiefer stecken, in unmittelbarer Nähe der Halsschlagader. Der zweite, jüngere Sohn des Angeklagten soll anschließend die Abgabe weiterer Schüsse verhindert haben.

Die Staatsanwaltschaft erhob schon drei Monate später Anklage gegen Wilhelm K. wegen versuchten Totschlag. Dazu kam der Vorwurf des Verstoßes gegen das Waffengesetz. Denn Wilhelm K. besaß mehrere halbautomatische Handfeuerwaffen nebst Munition, nicht aber die erforderliche waffenrechtliche Genehmigung.

Täter hatte eine Vorliebe für Waffen

K. hegte offenbar nicht nur eine große Vorliebe für Waffen, er besaß zudem womöglich detaillierte Kenntnisse über deren Technik. Denn die Waffen, ursprünglich vergleichsweise harmlose Schreckschuss- und Reizgaspistolen, waren fachkundig zu scharfen Waffen umgebaut worden.

Die Beweisführung in dem Fall war von Anfang an schwierig. Bereits bei der Polizei schwieg nicht nur der Verdächtige selbst, auch seine Ehefrau und seine beiden Söhne machten von ihrem Recht Gebrauch, als Angehörige des Beschuldigten die Aussage zu verweigern. Auch zum Prozessbeginn am Mittwoch schwieg die komplette Familie.

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Der ursprünglich erlassene Haftbefehl gegen K. wurde kurze Zeit nach der Tat aufgehoben und das Landgericht verwies den Fall, reduziert auf den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung an das Amtsgericht. Auf eine Beschwerde der Staatsanwaltschaft ordnete das Kammergericht an, die Sache doch als versuchten Totschlag vor dem Landgericht zu verhandeln.

Dann war eine zügige Prozesseröffnung wegen einer langwierigen Erkrankung des Angeklagten nicht möglich, sodass es erst jetzt zur Eröffnung der Hauptverhandlung kam. Weil lange die dauert und vor allem, wie sie ausgeht, ist völlig unklar. Eine Fortsetzung ist zunächst am 6. März geplant