Prenzlauer Berg

Neuer Vorstoß zur autofreien Schönhauser Allee

Initiative will Fahrbahn zum Tag der Verkehrssicherheit sperren. Bezirk und Senat prüfen erneut den Umbau im Bereich des S-Bahnhofs.

Vorrang für Fußgänger: Auf der Schönhauser Allee sollen Autofahrer zumindest zeitweilig das Nachsehen haben.

Vorrang für Fußgänger: Auf der Schönhauser Allee sollen Autofahrer zumindest zeitweilig das Nachsehen haben.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. In der Debatte um die Sperrung von Fahr- oder Parkstreifen der Schönhauser Allee für den Autoverkehr gibt es einen neuen Vorstoß. Für den Tag der Verkehrssicherheit am 15. Juni diesen Jahres plant die Initiative „Stadt für Menschen“ eine Aktion in Höhe des Einkaufszentrums Schönhauser Allee Arcaden. „Wir werden sicher nicht so weit gehen, die ganze Straße zu sperren, aber wohl eine Fahrbahn“, erklärt Sprecherin Oda Hassepaß auf Anfrage.

Es gehe darum, den Menschen zu zeigen, wie der Verkehr zukünftig funktionieren kann. Als Vorbild dient die temporäre Sperrung der Friedrichstraße im Bezirk Mitte während der Adventszeit im vergangenen Dezember – auch hier gab "Stadt für Menschen" den Anstoß. Damals blieb die gesamte Straße im Bereich des U-Bahnhofs Stadtmitte Fußgängern vorbehalten.

Auf der Schönhauser Allee sieht die Initiative ebenso Handlungsbedarf im Sinne der Passanten. „Momentan sind die Verkehrswege so eng, dass Radfahrer und Fußgänger die Leidtragenden sind. Selbst für Autofahrer läuft es derzeit sie nicht so, wie sie es sich wünschen“, meint Hassepaß. Auch wenn die Initiative in Prenzlauer Berg nicht ganz so weit gehen will wie bei ihrer Demonstration für eine Verkehrswende im Bezirk Mitte – hier sind die Aussichten auf eine dauerhafte Veränderung viel günstiger.

Bezirk will Autofahrern Fläche wegnehmen und sie Radfahrern schenken

Denn von Seiten des Bezirksamts Pankow und der Senatsverwaltung für Verkehr ist ohnehin geplant, dem motorisierten Verkehr auf der Magistrale Raum wegzunehmen und ihn Radfahrern und Fußgängern zu widmen. Fraglich blieb bislang nur, wie radikal diese Umwidmung ausfallen kann. Entweder fallen Parkplätze weg oder eine Fahrspur. Derzeit wartet der verantwortliche Stadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) auf eine Stellungnahme aus der Senatsverwaltung für Verkehr. Ob sie dem Wegfall von Parkplätzen zustimmt und wie schnell der Radweg auf dem Parkstreifen ausgewiesen werden kann, ist noch unklar. Am liebsten würden Bezirk und Senat sogar eine Fahrspur streichen, um den Radfahrern noch mehr Raum zu überlassen. Laut bisheriger Prüfungen ist dieser Schritt aber nicht möglich.

So oder so - es verwundert es nicht, dass Stadtrat Kuhn die zeitweilige Sperrung der Schönhauser Allee auf Initiative der Gruppe „Stadt für Menschen“ begrüßt. „Ich kenne noch keine Details der Aktion - trotzdem sind solche Aktionen analog wie bei der Friedrichstraße in Mitte letztes Jahr bei guter Vorbereitung und Abstimmung geeignet, die Verantwortlichen und alle Verkehrsteilnehmer zum Umdenken zu bewegen“, sagte Kuhn der Morgenpost. Er nimmt „konkrete Taten hinsichtlich mehr Flächengerechtigkeit im Straßenraum“ wohlwollend auf und sieht sich bestätigt, den Beschluss der Bezirksverordneten umzusetzen, der eine Streichung von Parkplätzen vorsieht.

Verkehrsaktivisten sehen Parklets als unnütz an

Utopisch wirkt daneben inzwischen die Vision des Architekten Jan Gehl aus dem Jahre 2015. Sie sah vor, den Autoverkehr in beiden Fahrtrichtungen auf der nördlichen Seite der Schönhauser Allee zusammenzulegen und die Spuren südlich des U-Bahnviadukts Fußgängern und Radfahrern zu überlassen. Eine echte Chance haben wohl nur noch die einfachen Lösungsansätze. So wie der Vorstoß von „Stadt für Menschen.“

Doch es gibt auch Punkte, in denen die Vorstellungen des Bezirksamts und der Verkehrsaktivisten auseinander gehen. Zum Beispiel zur Sinnhaftigkeit von Parklets. Während Bezirk und Senat die vier neuen hölzernen Stadtmöbel auf der Schönhauser Allee mit Fahrradbügeln und Sitzbänken als Boten der Verkehrswende betrachten, bleibt die Initiative skeptisch. Hassepaß sagt: „Das ist für uns keine gekonnte Umsetzung der Ideen, die der Architekt Jan Gehl vorgetragen hat. Man muss erst den Fahrradweg überqueren, um die Parklets zu erreichen und hockt dann auf der Straße. Da setzt sich keiner hin.“

Den jetzigen Fahrradweg und die halbe Straße überqueren müssen auch Fahrgäste der Straßenbahnlinie M1 - obwohl seit Monaten Konsens besteht, dass diese Haltestelle auf den Mittelsteg der Schönhauser Allee verlegt werden soll. Unterhalb des Hochbahnhofs der Linie U2 wäre auch genügend Platz. Aber noch stehen technische Gründe dem Haltestellen-Umzug im Wege. "Wir haben noch nicht genügend geeignete Straßenbahnen", sagt Sprecherin Petra Nelken. Und meint damit Bahnen des neuen Typs "Flexity", die es Fahrgästen erlauben, auf beiden Seiten einzusteigen.

"Wenn wir auch nur eine ältere Tatra-Bahn auf der Linie M1 einsetzen müssen, die keine Türen auf der linken Seite hat, müssten wir die neue Haltestelle auslassen", warnt sie. Voraussichtlich Ende des Jahres wird die BVG genügend "Flexity"-Bahnen besitzen. Dann wäre der Weg für Fahrgäste, die vom Mittelsteg der Allee einsteigen wollen, buchstäblich frei.

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