Pankower Tor

Investor scheitert vor Gericht - Ruinen in Pankow bleiben

Für das neue Stadtquartier am Pankower Tor wollte der Investor die verfallenen Lokschuppen abreißen lassen. Er wurde gestoppt.

Richter Matthias Schubert und die Fachleute des Verwaltungsgerichts tagten vor Ort im großen Rundlokschuppen am Pankower Tor.

Richter Matthias Schubert und die Fachleute des Verwaltungsgerichts tagten vor Ort im großen Rundlokschuppen am Pankower Tor.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Es war eine Anhörung zwischen herabgefallenen Dachbalken, brüchigen Backsteinmauern und beschmierten Trägern. Richter Matthias Schubert wollte wissen, wie schlecht es um die beiden verfallenen Lokschuppen und das Wirtschaftsgebäude auf dem Gelände des künftigen Stadtquartiers am Pankower Tor tatsächlich steht. Und so tagte das Berliner Verwaltungsgericht am Donnerstag bei winterlichen Temperaturen zwei Stunden lang in den zugigen Schuppen. Es kam zum Schlagabtausch im Inneren der Ruinen, die der Grundstückseigentümer, Investor Kurt Krieger, vor dem Verfall bewahren soll. So verlangte es das Bezirksamt Pankow.

Richter Schubert befand am Ende: Krieger muss zwei der drei Gebäude retten. Den 1893 erbauten Rundlokschuppen und das Wirtschaftsgebäude aus den 60er-Jahren. „Erstens sind es Denkmäler. Und zweitens drohen sie zu verfallen. Und es ist nicht ersichtlich, dass die Erhaltungsmaßnahmen unzumutbar sind“, sagte Schubert. Den zweiten, kleineren Lokschuppen muss der Investor nicht bewahren, weil er zu dicht an einer ICE-Trasse liegt und aus Sicherheitsgründen nicht mehr genutzt werden darf, erklärte der Richter.

Krieger hatte gegen eine sogenannte denkmalrechtliche Sicherungsanordnung des Bezirks beim Verwaltungsgericht Widerspruch eingelegt, weil die Herrichtung der Schuppen aus seiner Sicht wirtschaftlich eben nicht zumutbar sei. Diese Sicherungsanordnung sah vor, dass Krieger die heruntergekommenen Anlagen vor dem weiteren Verfall schützen muss. Kostenpunkt: 2,6 Millionen Euro. Nur für die reine Sicherung, wie Edda Metz, die Geschäftsführerin der Krieger Handel SE, bei der Anhörung betonte. Um die Anlagen komplett zu sanieren, müsste man 20 bis 30 Millionen Euro in die Hand nehmen.

Auf dem Gelände sollen 2000 Wohnungen entstehen

Metz stellte heraus, dass Krieger die Fläche der Schuppen nur unter der Vo­raussetzung zugekauft hatte, dass er hier für das neue Stadtquartier Pankower Tor eine Sekundarschule errichten muss. Inzwischen soll die Schule an einer anderen Stelle des 370.000 Qua­dratmeter großen Areals entstehen. Was blieb, war die Forderung, die Schuppen zu retten.

Mehr als 500 Millionen Euro will Krieger am Pankower Tor insgesamt investieren. Wenn er die Ruinen herrichten muss, wird das Projekt noch deutlich teurer. Diese Extrainvestition werde sich niemals rechnen, hatte Kriegers Anwalt Klaus Martin Groth gewarnt – „man kann das mit keinem Pfennig durch den Wohnungsbau subventionieren“, hieß es von Groth. Doch das Gericht sah die Sache anders und argumentierte damit, dass Krieger seine Gewinne beim Bau des Wohnquartiers für den Erhalt der Schuppen heranziehen kann.

Abriss der Schuppen oder Wiederaufbau? Um diese Frage stritten Krieger und der Bezirk zuletzt derart verbissen, dass die Planung für das Großprojekt an der Prenzlauer Promenade mit 2000 Wohnungen immer wieder stockte. Auch im städtebaulichen Wettbewerb mit sechs Architekturbüros, der dem Quartier noch in diesem Jahr sein endgültiges Gesicht geben soll, dürfte vor allem der große Rundlokschuppen ein entscheidender Baustein sein. Im Laufe der Jahre beflügelte dieses verfallene Denkmal immer wieder die Fantasie von Politikern und Planern. Von Fahrradkaufhaus über einen Techno-Club bis zum Busbahnhof reichte die Spanne der Nutzungsideen. Krieger hielt dagegen, dass sich die Kosten der Sanierung damit nicht annähernd wieder einspielen lassen.

Und noch eine zweite Richtungsentscheidung prägt in diesen Wochen den Streit um das Pankower Tor: So bleibt der Konflikt um den Rad-Schnellweg „Panetrail“ vorerst ungeklärt. Der gewünschte Verlauf dieser Strecke vom Ortsteil Buch hinunter zum Mauerpark beißt sich offenbar mit dem Standort des neuen Einkaufszen­trums im künftigen Quartier. Dort, wo das Center eröffnen soll, verlaufe der breite „Panketrail“ nur als schmaler Pfad, um dann dahinter wieder in Idealform Richtung Stadtzentrum zu verlaufen, warnt der ADFC vor einer Fehlplanung. „Es gibt kein Scheitern“, versichert Baustadtrat Kuhn (Grüne), der bei diesem Verkehrsprojekt eine Niederlage vermeiden will.

Druck spürt er auch deshalb, weil eine Bürgerinitiative um den Pankower Hans Hagedorn den voll ausgebauten „Panketrail“ mit einer Petition einfordert. Inzwischen kann Hagedorn rund 700 Unterschriften vorweisen, an denen sich Bezirk und Senat orientieren sollen. Im schlimmsten Fall muss Kurt Krieger doppelt umplanen: beim Schnellweg und bei den Schuppen.

Mehr Nachrichten aus dem Bezirk Pankow lesen Sie hier.