Wollankstraße

Investoren entdecken Florakiez in Pankow als Premiumstandort

An der Wollankstraße verschwindet das Kleingewerbe. Innerhalb von eineinhalb Jahren entsteht Wohnraum im gehobenen Preissegment.

Würfelfenster an der Wollankstraße: Das Ensemble „Neue Florahöfe“ mit 35 Wohnungen füllt das  Grundstück komplett aus.

Würfelfenster an der Wollankstraße: Das Ensemble „Neue Florahöfe“ mit 35 Wohnungen füllt das Grundstück komplett aus.

Foto: Radtke Immobilien / BM

Berlin. Das Rattern der Schlagschrauber ist verklungen, das Reifengeschäft geschlossen. Und noch in diesem Monat fahren Baumaschinen vor, um das niedrige, graue Gebäude einer Werkstatt an der Wollankstraße 116 in Pankow abzureißen. Wo das Kleingewerbe verschwindet, entsteht innerhalb von eineinhalb Jahren Wohnraum für Familien auf der Suche nach den eigenen vier Wänden im gehobenen Preissegment.

Ab Ende 2020 sollen sich auf dem bislang kaum ausgenutzten Grundstück zwischen Bürgerpark und S-Bahnhof Wollankstraße gleich drei Gebäude mit großformatigen, quadratischen Fensterfronten staffeln. Ein Entwurf aus der Feder des Architekturbüros Axthelm und Rolvien, dem man den Anspruch des Projekts „Neue Florahöfe“ ansehen soll. Die Preise der Wohnungen in dieser Anlage erreichen mit bis zu 610.000 Euro ein Niveau, das im Florakiez neue Maßstäbe setzen dürfte.

Trotzdem sind die 35 Wohnungen des Ensembles schon fast abverkauft, sagt Maklerin Nina Radtke. „Die Nachfrage unter jungen Familien ist extrem hoch“, nennt sie die wichtigste Gruppe von Interessenten. „Aber es melden sich auch Senioren, die in einer größeren Wohnung leben und sich verkleinern wollen.“ Zur Wahl stehen verschiedene Zuschnitte im Größenbereich zwischen 33,50 und 114 Quadratmetern.

Bauträger ist die Firma Wollankstraße 116 GmbH, hinter der laut Radtke Investoren stehen, die in Berlin schon mehrere vergleichbare Projekte verwirklicht haben. Dass sich der Start derzeit noch hinzieht, sei dem Tierschutz geschuldet. „Wir siedeln gerade eine Igelfamilie um, die auf dem Gelände lebt“, erzählt Radtke.

Die Zeit drängt womöglich auch deshalb, weil derzeit nur 100 Meter weiter auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Entwickler Project Immobilien ein vergleichbares Vorhaben verwirklicht. Unter dem Namen „Kiez & Gloria“ ragt dort künftig ein fünfgeschossiges Wohnhaus mit sandfarbener Fassade und Quadratmeterpreisen von rund 5400 Euro empor. Hier ist die Baugrube schon ausgehoben. Und auch hier entstand die Baulücke dadurch, dass Gewerbe verschwand. Zuletzt befand sich an der Ecke Kreuz- und Wollankstraße ein Autohaus. Im einst verschlafenen Florakiez, einem Stadtteil geprägt von Kleingärten und Brachen, ist längst großstädtische Dichte eingekehrt. Und wo Familien viel Geld für Wohnungen ausgeben wollen, da verschwindet der Platz zum Verkauf von Karossen und Pneus.

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