Flüchtlinge in Pankow

Anstehen für Informationen zu Flüchtlingsheim in Rosenthal

An der Kirchstraße sollen sieben kleine Unterkünfte für 288 Bewohner entstehen. Die Bürgerinformation zum Projekt provozierte Ärger.

Viel Andrang, wenig Struktur: Besucher der Anwohnerversammlung mussten sich Informationen mühsam zusammensuchen.

Viel Andrang, wenig Struktur: Besucher der Anwohnerversammlung mussten sich Informationen mühsam zusammensuchen.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Wenn bisher von Modularen Unterkünften für Flüchtlinge (MUF) die Rede war, dann ging es um wuchtige Riegelbauten mit mindestens sechs Geschossen. Doch was bis Mitte des Jahres 2020 in Rosenthal entstehen wird, erinnert eher an eine Siedlung aus Stadtvillen. 288 Bewohner sollen sich künftig auf sieben dreigeschossige Häuser verteilen, die von der Gesobau errichtet werden. Damit ist klar: Die neue Gemeinschaftsunterkunft auf einem Brachgrundstück an der Kirchstraße 69 fällt wesentlich kleiner und verträglicher aus als die aktuellen MUFs, wie man sie zum Beispiel am Senftenberger Ring im Märkischen Viertel besichtigen kann. Eine Nachricht, die es Vertretern des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten eigentlich leicht machen müsste, bei den Berlinern auf Akzeptanz zu stoßen.

Trotzdem hörte man bei der Anwohnerversammlung im Rathaus Pankow am Donnerstagnachmittag wütende Zwischenrufe. Und das lag im Wesentlichen an einem neuen Veranstaltungsformat des Senats. Anders als bei früheren Anwohnerversammlungen gab es keinerlei Vortrag zu dem, was im Fall des neuen MUF-Standorts in Rosenthal zu erwarten ist. Die Einführung in das Thema entfiel. Es gab auch keine Stühle, auf denen Besucher geordnet hätten Platz nehmen können, um die Projektdetails zu hören. Stattdessen mussten sie kreuz und quer im Veranstaltungssaal anstehen, bis sie an mehreren Tafeln einen Blick auf einige Simulationsbilder und Listen von Stichpunkten werfen konnten. Wer etwas über die Details dieses Vorhabens erfahren wollte, musste dann die Experten befragen, die wartend danebenstanden.

Nachgefragt wurde das, was für gewöhnlich im Einleitungsvortrag zur Sprache kommt. Und zwar der Reihe nach von Dutzenden Bürgern. So kam es zu hitzigen Zwiegesprächen mit Staatssekretär Daniel Tietze und Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke), während andere warten mussten, ohne auch nur die groben Informationen zu kennen.

Landesamt verteidigt neues Veranstaltungsformat

„Ich finde es gut, dass es Thementische gibt, an denen die Leute explizit nachfragen können“, verteidigte Sascha Langenbach vom Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten dieses recht neuen Verfahrens. Er räumte aber ein, dass es in dem Fall besser gewesen wäre, vor den Einzelgesprächen eine Einführung zu geben.

„Ich will nicht anstehen müssen, um zu wissen, was in meiner Nachbarschaft geschieht“, beschwerte sich hinter ihm eine Frau, die sich durch die Menschenmenge zu drängen versuchte, um an die Schautafeln zu gelangen. Ihr Mann ärgerte sich über die Zwiegespräche mit Experten, die er als unsinnig empfand. „Die Fachleute müssen doch das Gleiche immer wieder von vorne erzählen. Warum nehmen sie nicht ein Mikrophon und beantworten die Fragen direkt für alle?“

Fest steht, dass für den MUF-Standort in Rosenthal noch keine Baugenehmigung erteilt ist. Laut Staatssekretär Tietze geht es darum, Anwohner besonders frühzeitig zu informieren. Bezirksbürgermeister Sören Benn lobte die innovative Bauweise mit mehreren, niedrigen Einzelgebäuden. „Die sieben Häuser sind gut angepasst an die Bauten in der Gegend. Es ist eben kein MUF, wie man es zum Beispiel in Buch kennt“, betonte Benn.

Wer der Träger der Einrichtung sein wird, steht noch nicht fest. Das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten wird diese Aufgabe demnächst europaweit ausschreiben. Drei Jahre nach Eröffnung der Unterkunft können die neuen modularen Bauten auch an Familien, Studenten und Senioren vermietet werden. Dann endet die Belegungsbindung. Gleiches gilt für zwei weitere MUFs, die in Pankow künftig noch entstehen werden. Eines an der Falkenberger Straße in Weißensee und eines auf dem Gelände des Krankenhauses Prenzlauer Berg an der Fröbelstraße.

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