Baustelle

Haus seit drei Jahren eingerüstet – erst jetzt wird gebaut

Anwohner der Schönhauser Allee 90 lebten offenbar jahrelang ohne Grund hinter Gittern. Nun nimmt ihnen auch noch eine Plane das Licht.

Seit 2015 hinter Baugerüsten, jetzt auch mit einer Plane verhängt: Die Fassade des Eckhauses Schönhauser Allee 90.

Seit 2015 hinter Baugerüsten, jetzt auch mit einer Plane verhängt: Die Fassade des Eckhauses Schönhauser Allee 90.

Berlin. Eigentlich wollten sie einen Abbau der Gerüste durchsetzen. Stattdessen leben sie jetzt im Finstern hinter einer Plane. Die Mieter der Schönhauser Allee 90 protestieren seit Monaten gegen eine Baumaßnahme, die vor drei Jahren zwar akribisch vorbereitet wurde, aber seitdem offenbar nicht in Gang kommt. In diesen Tagen schimpfen sie lauter denn je. „Drei Jahre lang ist nichts geschehen. Aber wir müssen hinter Baugerüsten leben. Im September wurde nun weiße Farbe auf die Fassade gepinselt. Es ist das erste, was hier passiert“, beschrieb Anwohnersprecher Andreas Geil nun in der Bezirksverodnetenversammlung die Lage. Freuen kann sich Geil über den Anstrich nicht – „es wurde leider unsachgemäß gearbeitet. Unsere Fenster sind mit Farbe bespritzt.“

Eigentlich sollte die weiße Bauplane, die seit kurzem am Gerüst vor der Fassade des Gründerzeit-Altbaus hängt, anzeigen, dass die Renovierungsarbeiten fortschreiten. Aber sie lässt kaum noch Licht in die Wohnungen. Und so sitzen Geil und seine Nachbarn nicht nur hinter Gittern, sondern auch im Dunkeln.

Mitarbeiter des Bezirks mit der Aufsicht überfordert

Nun will Baustadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) noch einmal bei der Hauseigentümergesellschaft vorsprechen. Er geht davon aus, dass die Unzulänglichkeiten beim Baugeschehen kein Zufall sind und Mieter vergrault werden sollen. „Wir versuchen diese Sondernutzung schnellstmöglich zu beenden“, sagt Kuhn zum schleppenden Baugeschehen. Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Stadtrat sich mit dem Fall befassen muss. Es gab bereits Anwohnerbeschwerden wegen Problemen mit der Stromversorgung. Der hohe Leerstand im Eckhaus an der Schönhauser Allee und Wisbyer Straße führte zu einem Verfahren wegen Zweckentfremdung von Wohnraum.

Bei der großen Anzahl von Baustellen im Bezirk seien die Mitarbeiter schlichtweg nicht in der Lage, solche Projekte permanent zu beaufsichtigen und bei Problemen sofort zu reagieren, sagt Kuhn. Und die neue Bauplane? Sie soll dafür sorgen, dass man trotz kalter Witterung die Fassade streichen kann, berichtet er. Voraussichtlich bis Mitte Dezember sollen die Arbeiten beendet sein.

Verordnete wollen Baugerüste sofort entfernen lassen

Unabhängig von dieser Zeitkalkulation der Eigentümergesellschaft drängen die Pankower Bezirksverordneten zur Eile. Sie haben am Mittwoch einstimmig einen Antrag der Linken beschlossen, wonach der Bezirk in der Schönhauser Allee 90 „schnellstmöglich wieder eine angemessene Wohnnutzung ermöglichen und die erheblichen Einschränkungen durch das Baugerüst beenden soll.“ Notfalls müsse Kuhn ein Zwangsgeld verhängen, fordern die Linken.

Eine Vertreterin der Hausverwaltung zeigte sich vom politischen Widerstand überrascht und bezeichnet die Darstellung des Mieters Andreas Geil gegenüber der Berliner Morgenpost als unwahr. „Es wurde auf dieser Baustelle immer gearbeitet“, sagt sie auf Anfrage. Wenn von außen keine Arbeiter auf den Gerüsten sichtbar seien, heiße das nicht, dass nicht gebaut wird. Zu Art und Umfang der Sanierungsmaßnahme und zum Zeitpunkt der Fertigstellung wollte sich die Sprecherin aber nicht äußern. Dass es einen Konflikt mit der gesamten Mieterschaft der Schönhauser Allee 90 gibt, bezweifelt die Dame. Nur ein einzelner Mieter sehe die Lage kritisch. „Die meisten in dem Haus sind sehr froh, dass jetzt intensiv gebaut wird." Es gehe mit den Arbeiten sichtlich voran.

Am Mittwochvormittag war von Geschäftigkeit allerdings nichts zu sehen. Nur die weiße Plane flatterte im Wind.

Mehr Nachrichten aus dem Bezirk Pankow lesen Sie hier.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.