Bauvorhaben

Pankower Tor: „Im Herbst 2021 werden hier Kräne tanzen“

Tempo am Pankower Tor: Möbelunternehmer Kurt Krieger will schnellstmöglich bauen. Die Bürger wollen und sollen mitreden.

Senatorin Katrin Lompscher, Bürgermeister Sören Benn und Investor Kurt Krieger wollen in drei Jahren die ersten Wohnungen bauen.

Senatorin Katrin Lompscher, Bürgermeister Sören Benn und Investor Kurt Krieger wollen in drei Jahren die ersten Wohnungen bauen.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Kurt Krieger sitzt mit gesenktem Kopf auf einer Kirchenbank und hört zu. Hinter den Unternehmer diskutieren die Menschen im überfüllten Gotteshaus das Für und Wider seines 550 Millionen Euro teuren Bauvorhabens, das Pankow 2000 Wohnungen beschert. Die einen fürchten sich vor zusätzlichem Verkehr. Die anderen fragen: Warum es so lange dauert mit dem wichtigsten Bauvorhaben in Pankow seit der Wende? Die Leute wollen mitreden – das zeigt die Bürgerversammlung in der Hoffnungskirche von der ersten Minute an. Und sie sollen es sogar. Seit Freitagabend läuft nach einem zehnjährigen Ringen um das Pankower Tor das offizielle Dialogverfahren. Bis Heiligabend kann jeder seine Wünsche zu Protokoll geben. Auf einer Seite im Internet und am Tresen eines Infomobils. Dieser Wagen tourt in den nächsten Wochen kreuz und quer den Bezirk – das Beteiligungsverfahren läuft auf Kriegers Rechnung.

600 der 2000 Wohnungen werden sozial vermietet

Lange genug hat der Stillstand gedauert. Jetzt kommt das Großprojekt auf dem früheren Rangierbahnhof zwischen Damerow- und Granitzstraße wirklich ins Rollen: Der Investor, der Senat und das Bezirksamt wollen auf schnellstem Wege Baurecht schaffen. Eine neue Siedlung mit 1500 Wohnungen, eine Gemeinschaftsschule, ein Möbelhaus, ein Einkaufszentrum mit 25.000 Quadratmeter Fläche und 500 weiteren Wohnungen auf dem Dach, ein Fahrradparkhaus mit 1000 Plätzen sowie eine neue Grünfläche am Bahnhof Pankow – die Vorgaben lassen erahnen, wie dieses Bauvorhaben den Bezirk verändern wird. Und Krieger hat es jetzt eilig. „Im Herbst 2021 werden hier Kräne tanzen“, erklärt der Möbelunternehmer, als er für eine kurze Ansprache vor den Altar tritt. Dann soll das Bebauungsplanverfahren, das im Herbst 2019 beginnen wird, beendet sein. Parallel dazu läuft die Änderung des Flächennutzungsplans. Und noch in diesem Jahr soll ein Workshopverfahren mit sechs Architekturbüros Klarheit darüber bringen, wie das Quartier am Pankower Tor tatsächlich aussieht. Eine Jury kürt Mitte des kommenden Jahres den besten Entwurf. Aber kann ein Verfahren, das so zäh in Gang kam, so schnell zum Ende kommen?

„Ich hätte gerne schon angefangen“, verteidigt sich Krieger. Und erklärt die Verzögerung mit den immer neuen Anforderungen, die verschiedene Senatoren im Laufe der Jahre an sein Projekt stellten. Wie viele Wohnungen müssen es sein? Wie viel Handelsfläche verträgt das neue Quartier? Michael Müller war mit diesen Fragen als früherer Bausenator ebenso befasst wie sein Nachfolger Andreas Geisel (beide SPD). Einigkeit herrschte erst im April 2018, als Krieger, der Senat und das Bezirksamt in einer Absichtserklärung die jetzigen Projektdaten festzurrten.

Aber planerisch gesehen steht das Verfahren wieder am gleichen Punkt wie vor zwei Jahren. Damals wollte Bausenator Geisel schon einmal den Flächennutzungsplan ändern lassen. Derzeit tritt seine Nachfolgerin Katrin Lompscher (Linke) bei dem gleichen Programmpunkt auf der Stelle. Sie hält sich zugute, dass man den Durchbruch in ihrer Amtszeit erzielte. Und verweist darauf, dass immerhin 600 der 2000 Wohnungen zu Mieten ab 6,50 Euro pro Quadratmeter bezugsfertig sein werden. Doch der langsame Projektfortschritt lässt viele Pankower noch immer zweifeln. „Ich bin entsetzt, dass wir jetzt wieder von vorne anfangen“, ruft eine Frau im Publikum. Auch Thomas Brandt, der Vorsitzende des Vereins für Pankow, merkt kritisch an, dass sich das Vorhaben jahrelang im Kreis drehe. „Man hat sich zu wenig getraut“, beklagt er die Bedenkenträgerei in der Politik.

Streit um den denkmalgeschützten Rundlokschuppen

Risiken, die zu erneuten Verzögerungen führen können, gibt es zuhauf. Zum Beispiel den Streit um den denkmalgeschützten Rundlokschuppen am S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf. Während das Bezirksamt immer wieder den Wiederaufbau des maroden Denkmals fordert und deshalb auch juristisch gegen Krieger vorgeht, will der den Abriss. Statt der Ruine des Schuppens könne hier die Schule stehen, schlägt er vor.

Auch die fünf laufenden Untersuchungen zu den Themen Mobilität, Umwelt, zur Streckenführung einer neuen Straßenbahn auf dem Gelände, zur Verträglichkeit des Einzelhandels und zum Lärmschutz könnten zu Ergebnissen kommen, die das Verfahren bremsen. „Wir wissen jetzt noch nicht, was diese Studien erbringen werden,“ sagt Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke). Aber man wolle konstruktiv damit umgehen.

„Unser Fahrplan ist der schnellstmögliche“, meint auch Klaus Risken, der Leiter des Pankower Stadtentwicklungsamts. Eine Garantie für die Pünktlichkeit gibt es in diesem Fahrplan allerdings nicht.

Die Internetseite zur Bürgerbeteiligung ist bis Heiligabend freigeschaltet unter: www.pankower-tor.de

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