Geschichte

DDR-Ausstellung feiert fünften Geburtstag

Seit 2013 zeigt das Museum in Kulturbrauerei den Alltag im Sozialismus. Nicht alle wissen noch, dass Prenzlauer Berg zur DDR gehörte

Als man auf Trabant-Dächern zeltete: Besucher in der Kulturbrauerei erleben die kuriosen Seiten der DDR.

Als man auf Trabant-Dächern zeltete: Besucher in der Kulturbrauerei erleben die kuriosen Seiten der DDR.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Auf dem Wandbild in der früheren Fahrzeuhalle der Kulturbrauerei ist Berlin bis heute von einer Grenze durchzogen. Mitten im Gebiet von Ost-Berlin steckt ein Pin, wie man ihn als Ortsangabe in Onlinekarten kennt. Hier also liegt die alte Schultheiss-Brauerei in Prenzlauer Berg. Als es Ost-Berlin noch gab, waren Stadtpläne natürlich noch aus Papier. Und was heute im Museum der heutigen Kulturbrauerei für Erstaunen sorgt, war die Lebenswirklichkeit von 1,2 Millionen Menschen in der Hauptstadt der DDR. „Viele unserer Besucher wissen gar nicht mehr, dass Prenzlauer Berg zu Ost-Berlin gehörte“, wundert sich Museumsleiter Mike Lukasch.

Solche Unsicherheiten aus der Welt aus der Welt zu schaffen, das ist seit fünf Jahren eine Mission seines Hauses. Fast 700.000 Besucher konnten Lukasch und sein Team seit der Eröffnung des Museums 2013 in der Dauerausstellung „Alltag in der DDR“ und diversen Sonderschauen begrüßen. „Es geht darum, jungen Menschen, die die DDR nicht mehr kennen, das damalige Leben zu zeigen, damit sie daraus sinnvolle Schlüsse ziehen“, sagt Lukasch. Zum damaligen Leben gehören Dinge, die jungen Menschen von heute skurril erscheinen müssen. In der Dauerausstellung finden sie einen froschgrünen Trabant mit aufgesetztem Zelt, Plakate mit betagten Parolen wie „Mein Arbeitsplatz ist mein Kampfplatz für den Frieden“ – aber gleichzeitig gibt es Erscheinungen, die heute wieder Konjunktur haben. Auch im Sozialismus las man Zeitschriften, die Naturverbundenheit feiern – wie „Wohnen im Grünen.“ Oder Magazine für die stilbewusste Frau wie „Modische Maschen.“

160.000 DDR-Objekte lagern in Spandau

Der Fundus von Exponaten speist sich aus der früheren Sammlung „Industrielle Gestaltung“, welche die Stiftung Haus der Geschichte auf Bitten des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien nach der Wende übernahm. Doch der Beauftragte hatte tiefgestapelt und nur 5000 Exponate angekündigt. In Wirklichkeit handelte es sich um 160.000 Objekten, Dokumente und Fotos. Dieses Sammelsurium lagert bis heute in einem Depot in Spandau – was in Prenzlauer Berg gezeigt wird, sind vergleichsweise wenige, ausgewählte Stücke.

Als das Museum in der Kulturbrauerei 2013 eröffnet wurde, waren die Aufbauarbeiten noch gar nicht abgeschlossen – „wir haben einfach gesagt: es ist fertig. Und dann weitergearbeitet“, erinnert sich Hans Walter Hütter, der Präsident der Stiftung Haus der Geschichte. Dieser Bonner Institution ist das Museum in der Kulturbrauerei angeschlossen. Und so geht es im Grunde nicht darum, Touristen zu belustigen, sondern einen Bildungsauftrag zu erfüllen. Alles, was dem Publikum gezeigt wird, bedeutet eine Gratwanderung. Das Museum will weder beschönigen noch verdammen. „Was wir hier haben, ist nicht Schwarz oder Weiß. Es geht um Multiperspektivität“, formuliert es Lukasch. In Zeiten, da touristische Trabant-Karawanen an der East Side Gallery vorbeirollen, brauche es mehr denn je geschichtliche Einordnung. Und einen Online-Pin in der Karte von Ost-Berlin.

Museum in der Kulturbrauerei, Knaackstraße 97, 10435 Berlin, Di-So 10 bis 18 Uhr, Do bis 20 Uhr, Eintritt frei

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