Verkehr

Für Straßenbahnstrecke Pankow-Weißensee gibt es 20 Varianten

Eine neue Tangente soll die Ost-West-Verbindung im Bezirk verbessern – und auch das Großprojekt Pankower Tor erschließen.

Neue Wege am Bahnhof Pankow: Wo derzeit die Linien M1 und 50 abfahren, soll ein neuer Zweig nach Weißensee entstehen.

Neue Wege am Bahnhof Pankow: Wo derzeit die Linien M1 und 50 abfahren, soll ein neuer Zweig nach Weißensee entstehen.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Nur zwei Kilometer Luftlinie liegen zwischen dem S- und U-Bahnhof Pankow und dem Pasedagplatz in Weißensee. Aber in diesem Bereich befinden sich Zehntausende Haushalte, die vom Schienennetz bislang abgeschnitten sind. Spätestens wenn auf der Brache des früheren Güterbahnhofs an der Granitzstraße 2000 neue Wohnungen und eine Schule entstanden sind, dürfte die bestehende Busverbindung den Ansprüchen nicht mehr genügen. Die Zukunft, sie liegt auf der Schiene. Und eine neue Straßenbahnstrecke, die so genannte Pankow-Tangente, existiert bereits auf dem Papier – als Absichtserklärung im Koalitionsvertrag der rot-rot-grünen Landesregierung.

Jetzt steht die Senatsverwaltung für Verkehr vor der ersten großen Frage: Welche Strecke nimmt die neue Bahn? Nicht weniger als 20 Varianten haben die Senatsverkehrsverwaltung und die Planergemeinschaft „Stadt und Raum“ bei einer ersten Anwohnerversammlung im Oberstufenzentrum Max-Bill Schule präsentiert. Darunter sind Strecken durchs Kissingenviertel, vorbei an Kleingärten in Heinersdorf und durch das Gewerbegebiet an der Romain-Rolland-Straße. Eine Vorauswahl soll etwa nach einem Jahr getroffen werden. Dann folgen weitere Schritte der Bürgerbeteiligung, schließlich das Planfeststellungsverfahren und der Bau. Bestenfalls könnte in sieben Jahren die erste Straßenbahn von Pankow zum Pasedagplatz fahren.

Noch steht das Verfahren aber ganz am Anfang. „Es geht darum, dass wir frühzeitig Konflikte erkennen, bevor politische Entscheidungen getroffen werden“, erklärt Imke Steinmeyer von der Senatsverwaltung für Verkehr. Dass unter den Varianten auch unsinnige Vorschläge – wie die Durchquerung einer Kleingartenkolonie – vorhanden sind, hat formelle Gründe. „Wenn wir eine Variante übersehen, könnte uns das im späteren Verfahren als Planungsfehler zur Last gelegt werden“, betont Steinmeyer. Und so können sich Anwohner der Ordnung halber auch mit Möglichkeiten beschäftigen, die wohl bereits in den nächsten Wochen ausscheiden werden. Auf der schmalen Binzstraße im östlichen Pankow lässt sich zum Beispiel nicht einmal ein Müllwagen überholen. Aber eine zweigleisige Straßenbahnstrecke zwischen den Altbaublöcken wird bei der Vorplanung trotzdem untersucht.

Neue Tangente wird Strecke der verlängerten M2 kreuzen

Obwohl der gesamte „Variantenstrauß“ unvoreingenommen betrachtet wird, deutet sich schon nach der ersten Präsentation eines an: Der geradlinigste Weg von Pankow nach Weißensee im Süden des Untersuchungsgebiets ist der unwahrscheinlichste. Diese Varianten eins und zwei mit mehreren Untervarianten würden außerdem den Güterbahnhof Pankow, wo das neue Stadtviertel Pankower Tor entsteht, links liegen lassen. So hätte man ein enormes Fahrgastpotenzial verschenkt. Die besten Aussichten gibt es stattdessen für die nördlichsten Routen vier und fünf mit je zwei Untervarianten. Sie würden die 2000 Wohnungen im Neubaugebiet Pankower Tor anbinden, einen Umstieg am S-Bahnhof Heinersdorf ermöglichen und mehrere Wohngegenden von Heinersdorf erschließen. Das letzte, östliche Teilstück ist bei allen 20 Varianten gleich: Hier führt die Strecke über die Rennbahnstraße zur schon vorhandenen Wendeschleife am Pasedagplatz.

Konflikte mit dem motorisierten Verkehr könnte es vor allem auf Staustrecken wie der Romain-Rolland-Straße, der Rothenbachstraße oder der Gustav-Adolf-Straße in Weißensee geben. In vielen der untersuchten Straßen hätte die Straßenbahn wohl keinen eigene Trasse, sondern würde mit Autos und Lastwagen auf der Straße fahren. Besondere Schwierigkeiten dürfte auch die Kreuzung der neuen Straßenbahn mit der stark befahrenen Prenzlauer Promenade bereiten.

Trotz des dreistündigen Programms erschien manchen Teilnehmern die erste Veranstaltung zum Projekt Pankow-Tangentiale als zu oberflächlich. Denn im Publikum saßen Dutzende Interessenten, die sich auch über ein zweites Straßenbahnprojekt in dem Gebiet informieren wollten: Die Verlängerung der Linie M2 von der jetzigen Endstation Am Steinberg nach Blankenburg. Die verlängerte Nord-Süd-Strecke wird an einem Punkt die Pankow-Tangente kreuzen müssen. Aber obwohl beide Projekte miteinander zusammenhängen, plant der Senat für den Ausbau der M2 ein gesondertes Beteiligungsverfahren.

Auch eine zweite große Frage, die das Publikum in der Anwohnerversammlung interessierte, blieb offen: Denn im Nordosten der Stadt wird auch ein neuer Betriebshof der BVG entstehen müssen. Anders wäre der zusätzliche Straßenbahnverkehr nicht umzusetzen. Aber die Diskussion, wo genau der Betriebshof gebaut wird, gehört nicht zum Programm für die Bürgerbeteiligung zur Pankow-Tangente.

Info: Die Senatsverwaltung für Verkehr sammelt zum Straßenbahn-Neubauprojekt noch bis zum 21. November Meinungen von Anwohnern unter https://mein.berlin.de/projects/strassenbahntangente-pankow/

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