Jüdische Kulturtage

Y-Studs gastieren zur Eröffnung in der Synagoge Rykestraße

Die Y-Studs aus New York bringen A-cappella-Spaß - setzen aber auch nachdenkliche Akzente.

Die Y-Studs  sangen in der Synagoge Rykestraße zur Eröffnung der Jüdischen Kulturtage.

Die Y-Studs sangen in der Synagoge Rykestraße zur Eröffnung der Jüdischen Kulturtage.

Foto: DAVIDS/Christina Kratsch

Berlin. Der erstaunlichste Song des Abends ist die „Evolution of Jewish Music“. Ein Potpourri mit schnellen Schnitten. 1200 Jahre jüdischer Musikgeschichte in fünf Minuten. Es beginnt mit den Tempelgesängen des 9. Jahrhunderts und arbeitet sich durch die Jahrhunderte rasant vor bis zu „Hava Nagila“, „Bei mir bist du scheen“ und dem Reggae-Hit „One Day“. Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Und doch ist es mehr als ein Gag. Die Y-Studs geben damit in aller Kürze einen Einblick in das Wesen der jüdischen Musikkultur.

Die sieben jungen Männer aus New York waren für das Eröffnungskonzert der Jüdischen Kulturtage in der Synagoge Rykestraße am vergangenen Sonnabend eine gute Wahl. Eine A-cappella-Truppe mit viel Schwung und Lebendigkeit, aber auch ein paar nachdenklichen Akzenten. Das „Y“ steht für die jüdische Yeshiva-Universität. Dort haben sich die Gründungsmitglieder vor zehn Jahren kennengelernt. Inzwischen haben sie sich professionalisiert und von der Universität gelöst. Seit fünf Jahren können sie von ihrer Musik leben. Sie sind schon zum dritten Mal in Deutschland. Auch in der Schweiz, England, Kanada, Südamerika waren sie schon. Die Konzerte sind Höhepunkte in ihrem Musikerleben, daneben spielen sie bei jüdischen Hochzeiten und Bar-Mizwas. Vielleicht finden sie deshalb so leicht Kontakt zum Publikum. In Berlin zeigen die Jungs in den grauen Anzügen erst einmal ihre bunten Socken, und der Moderator spricht pathetisch den Satz: „Ich bin ein – Pfannkuchen.“ Sie sind ein bisschen albern und recht sympathisch. Sonnyboys, die viel und ansteckend lachen. Sie geben eher eine Show als ein Konzert. Sie haben einen fantastischen Beatboxer dabei, der mit dem Publikum übt, wie man Basstrommel, Becken und Snaredrum mit dem Mund nachmacht.

Musikalisch setzen sie auf stilistische Vielfalt. Auf das einleitende Friedensgebet folgt ein Tanzlied. Da haben sie das mitklatschende Publikum schon auf ihrer Seite. Zum Rap rufen alle zusammen „Y-Studs!“ Mit der Filmmusik aus „Greatest Showman“ wird es dann wieder etwas sentimentaler. Originell ist der Beatles-Song „Let It Be“ auf He­bräisch. „Rise Up“ heißt ihr Statement zum Antisemitismus im Alltag. Dazu gibt es ein eindringliches Video auf Youtube. Überhaupt setzen die New Yorker stark auf soziale Medien. Fürs Internet haben sie witzige Hitparodien gedreht.

Vom Bass bis zum Tenor sind alle Stimmlagen gut vertreten. Manche sind charismatischere und stimmstärkere Solisten als andere. Wer am Mischpult saß, hat manchen solistischen Einsatz verschlafen. Die Entertainer-Qualitäten des tänzelnden Ensembles machen aber vieles wett.

Jüdische A-cappella-Gruppen schießen in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden. Die bekanntesten stammen aus New York. Die traditionellen orthodoxen Regeln verbieten es, einer singenden Frauenstimme zuzuhören. Vielleicht gibt es deshalb viele rein männliche Ensembles. Anders als manche Konkurrenten können die Y-Studs zwar weder mit Preisen prahlen, noch haben sie im Weißen Haus gesungen. Aber das kann ja alles noch kommen.