Prenzlauer Berg

Neue Fahrradstraße: Planer zählen dank Baustelle wenig Autos

2019 könnten der Bezirk die Gleim- und Stargader Straße als Fahrradstraße ausweisen – mit starken Einschränkungen für den Verkehr.

Wenn die neue Fahrradstraße ausgewiesen wird, müsste ein Großteil des motorisierten Verkehrs Umwege fahren. Wer sich nicht an die Regelung hält, wird von der Polizei belangt.

Wenn die neue Fahrradstraße ausgewiesen wird, müsste ein Großteil des motorisierten Verkehrs Umwege fahren. Wer sich nicht an die Regelung hält, wird von der Polizei belangt.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Behelmte Mütter mit Nachwuchs auf dem Kindersitz, Kuriere mit Lastenrädern, Studenten auf schmalen Rennrad-Sätteln – und dazwischen in langsamer Fahrt: Familienkombis, Motorroller, Lieferwagen. Wer an einem ganz normalen Vormittag den Verkehr auf der Gleimstraße beobachtet, dem drängt sich eine Vermutung auf: Es sind offenbar ähnlich viele Menschen mit dem Fahrrad unterwegs wie dem Auto. Und auf der anschließenden Stargader Straße bietet sich ein ähnliches Bild.

Jetzt hat das Bezirksamt Pankow für die Vermutung auch einen handfesten Beleg. Eine Verkehrszählung des Planungsbüros „Brenner Bernhard Ingenieure“ ergab: Die Gleimstraße durchqueren pro Tag etwa 6200 Autos und 4200 Fahrräder. Ins Verhältnis gesetzt heißt das: 40 Prozent Radverkehr und 60 Prozent motorisierter Verkehr. In der Stargader Straße liegt der Anteil des Radverkehrs noch einmal um vier Prozent höher.

So gesehen wäre laut Planerin Christin Schicht eine wichtige Grundvoraussetzung zur Ausweisung einer Fahrradstraße auf der zweieinhalb Kilometer langen Strecke erfüllt. Fahrradstraßen seien laut Straßenverkehrsordnung dort einzuführen, wo der Radverkehr einen besonders hohen Anteil hat oder dies in Zukunft zu erwarten ist. „Der subjektive Eindruck hat sich bei der Verkehrszählung bestätigt“, meint Schicht.

Gleimtunnel war bei der Verkehrszählung halb geschlossen

Damit ist eine erste Hürde genommen. Seit einem Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung lässt Stadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) das Vorhaben prüfen. „Im Laufe des nächsten Jahres könnte die Umsetzung erfolgen“, sagt Kuhn. Dafür müsse der Senat die Gleimstraße aus dem übergeordneten Verkehrsnetz Berlins entlassen. Aber noch steht man am Anfang des Prozesses. Und die Voruntersuchung des Planungsbüros geriet bei der öffentlichen Präsentation in die Kritik. Auf Nachfrage von Anwohnern, die an der Präsentation teilnahmen, mussten die Planer ein Problem bei der Verkehrszählung einräumen:

Die Erfassung wurde an einem Donnerstag und einem Sonntag im September durchgeführt, obwohl der Gleimtunnel – der wichtigste Zielpunkt für den Verkehr in Richtung Gesundbrunnen – immer noch halbseitig gesperrt ist. „Das Verhältnis von Fahrräder und Autos wäre mit offenem Tunnel sicher ein anderes. Und zwar zugunsten der Autos“, bemerkte ein Anwohner bei der Präsentation.

Das Planungsbüro hat dieses Problem auch selbst erkannt und will eine „Nacherhebung“ Anfang des nächsten Jahres veranlassen. Dann soll der Verkehr durch den Gleimtunnel wieder beidseitig fließen. Auch andere Schwierigkeiten haben die Planer und das Bezirksamt im Blick. Die Max-Schmeling-Halle am Mauerpark wird über die Gleimstraße beliefert. Eine mögliche Lösung: „Die Anlieferung könnte verstärkt mit Lastenrädern erfolgen“, meint Schicht. In jedem Fall sei das Abschneiden der Sportstätte vom wichtigsten Zufahrtsweg „eine Herausforderung.“

Anwohner können online Wünsche nennen

Je nachdem, wie strikt der Bezirk die Regelungen für die Fahrradstraße umsetzt, wäre die Gleimstraße nur noch für Anlieger mit dem Auto zu befahren – oder die Straße wäre für den motorisierten Verkehr komplett Tabu. Gesetzlich vorgegeben ist, dass die Höchstgeschwindigkeit in einer Fahrradstraße bei 30 Kilometer pro Stunde liegt, mehrere Radfahrer nebeneinander fahren dürfen und dass sie Vorfahrt genießen.

Alle anderen Faktoren will Stadtrat Kuhn anhand der Anwohnerwünsche festlegen. Bis zum 18. November kann man zu den Plänen für eine Fahrradstraße in der Gleimstraße und der Stargader Straße Stellung nehmen unter www.mein.berlin.de.

Mehr aus dem Bezirk Pankow lesen Sie hier.