Lokal in Prenzlauer Berg

Wirtin des Café Niesen zeigt Sophia Thomalla an

Die Ex-Freundin des Rammstein-Stars und Eigentümers Till Lindemann beschimpft die Betreiberin. Die erstattet Anzeige.

Fühlt sich verleumdet: Café-Betreiberin Christine Wick will gerichtlich gegen Sophia Thomalla vorgehen.

Fühlt sich verleumdet: Café-Betreiberin Christine Wick will gerichtlich gegen Sophia Thomalla vorgehen.

Foto: Thomas Schubert / BM

Keine Rache, kein böses Blut. Christine Wick wollte friedlich Abschied nehmen von ihrem Café Niesen, einem der bekanntesten Lokale im Gleimkiez. Ein Ort, an dem Familien mit Kindern ebenso willkommen waren wie Besucher, die lieber in einem abgeschiedenen Bereich sitzen. Mehr als zehn Jahre lang gelang der gesellschaftliche Spagat in einem der kinderreichsten Viertel von Prenzlauer Berg.

Eigentlich wollte Wick nach der geplatzten Verhandlung über eine Vertragsverlängerung mit der Hausverwaltung ihren Frieden finden. Aber pünktlich zum Ausverkauf der Café-Einrichtung am Wochenende ist der Streit um die Mieterhöhung im Haus des Rammstein-Sängers Till Lindeman eskaliert.

Der Auslöser: Ein Bericht der Bild-Zeitung, dessen Illustration die Außenterrasse des Cafés neben dem Gesicht des Rockstars zeigt. Das Antlitz des Rammstein-Sängers ist zu einer aggressiven Fratze verzerrt. Aber war Lindemann wirklich derjenige, der das Aus des Café Niesen besiegelt hat? Bis heute gibt es dazu keine Stellungnahme.

Schlechte Hygiene soll Mäuseplage ausgelöst haben

Dafür spricht nun Lindemanns Ex-Freundin – die Schauspielerin Sophia Thomalla. In ihrem Instagram-Profil zeigte sie die Illustration des Bild-Artikels und schrieb darunter eine persönliche Abrechnung mit der Café-Betreiberin.

"Seit Jahren betteln wir, dass die Toiletten gemacht werden sollen. Nix." Das Café sei in einem so desolaten Zustand gewesen, so dass es zu einer Mäuseplage kam, heißt es. "Dank mangelnder Hygiene war zum Schluss sogar das ganze Haus befallen. Widerlich", schmäht sie die Betreiberin.

Thomalla schreibt außerdem, es habe in den letzten Jahren durchaus Einigungsversuche gegeben. Doch Wick habe Till Lindemanns Angebote ausgeschlagen, obwohl die bisherigen Konditionen unter der ortsüblichen Gewerbe-Miete in Prenzlauer Berg gelegen hätten. Den Wunsch nach einer "fetten" Abfindungszahlung der Betreiberin bezeichnet sie als unangemessen. Auch die Qualität des Cafés zieht die Schauspielerin in Zweifel und kommt zu einem abfälligen Gesamturteil: "Grusel-Café statt Kult-Kaffee."

Unter dem Beitrag bei Instagram fanden sich zahlreiche zustimmende, aber auch kritische Kommentare. "Die Schließung ist letztlich der einzige Schritt, um das Trauerspiel zu beenden", schreibt einer der Nutzer. Ein andere hält dagegen und verteidigen das Café. "Für die Menschen im Kiez, Familien, Kindern, Künstlern, Rentner, Geringverdiener war es Kult."

"Diese Frau muss man nicht verstehen."

Thomalla und Lindemann sind inzwischen nicht mehr liiert. An den Verhandlungen um die Zukunft des Cafés scheinen aber beide beteiligt gewesen zu sein. Auch die Hausverwaltung des Gebäudes an der Schwedter Straße hat inzwischen auf die Berichterstattung der Bild reagiert. Sie macht andere Angaben zu den Konditionen für einen neuen Mietvertrag. Die Miete sollte nicht von 12,85 auf 20 Euro pro Quadratmeter steigen, sondern nur auf 18 Euro. Und diese Steigerung sollte erst in zwei Jahren in Kraft treten.

Christine Wick zweifelt dies an und will die Vorwürfe Thomallas nicht auf sich sitzen lassen. "Ich werde sie Anzeigen wegen Verleumdung. Diese Frau muss man nicht verstehen", sagte die 50-Jährige der Berliner Morgenpost. Die Vorwürfe zu hygienischen Mängeln bezeichnete sie als unwahr.

Bei einer früheren Gelegenheiten erwähnte Wick, dass tatsächlich mehrfach das Gesundheitsamt bei ihr vorstellig wurde - weil offenbar jemand einen Vorwand suche, um das Café zu schließen, so die Deutung. Für den verwohnten Zustand des Haus will Wick nicht verantwortlich sein. Die Hausverwaltung habe ihr schon vor Jahren abgeraten, in das Lokal zu investieren, sagte sie. Denn eine Vertragsverlängerung sei ohnehin nicht zu erwarten.

Das Lokal in der Schwedter Straße blieb am Montag nach dem Ausverkauf geschlossen. Hinter den Fenstern sieht man bereits die Spuren des Auszugs. Wer die Passanten fragt, hört zumeist Sympathiebekundungen für das Niesen. "Schade, dass es jetzt zu so einer Schlammschlacht kommt", sagte zum Beispiel eine junge Frau namens Pauline. "Es war natürlich kein schickes Szene-Café, aber meine Tochter hat es geliebt."