Pankow

Ein Eck für Theodor Fontane

Das Ehepaar Rosemarie und Adolf Henke will den Schriftsteller in Pankow ehren. Der Bezirk ist nicht abgeneigt. Offen ist jedoch die Form.

Verbeugung vor dem Literaten: Rosemarie und Adolf Henke planen eine Geburtstagsaktion für Theodor Fontane

Verbeugung vor dem Literaten: Rosemarie und Adolf Henke planen eine Geburtstagsaktion für Theodor Fontane

Foto: Thomas Schubert

Berlin.  Schlicht soll es sein, das Eck, dem Theodor Fontane seinen Namen leiht. Wo sich in diesen Tagen noch eine verdorrte Wiese erstreckt, soll vielleicht schon im kommenden Frühjahr ein junger Birnbaum blühen, gepflanzt zum 200. Geburtstag des Literaten. Das ist jedenfalls die Idee von Rosemarie und Adolf Henke – einem Ehepaar, das in Alt-Buch schon seit Jahren Fontanes Vermächtnis pflegt.

Im heutigen Restaurant „Il Castello“ an der Karower Straße, wo der Dichter einst einkehrte, würdigt man den Schriftsteller in einem eigenen Zimmer. Es ist an allen Seiten behängt mit Bildern, Zitaten und historischen Erklärungen. Selbst einen Zeitstrahl mit den wichtigsten Lebensstationen Fontanes ließ das Paar gestaltet. „Wir haben nicht als Erste entdeckt, dass Fontane einen Bezug zu Buch hatte. Aber wir haben den Staub abgewischt, der lange über dieser Tatsache lag“, so Adolf Henke.

Und jetzt soll die Fontane-Verehrung einen Schritt weiter gehen. Durch die Ausweisung eines Platzes auf der Wiese hinter dem Restaurant – am besten gleich zu Beginn des Fontane-Jahres 2019. In der Gedenktafelkommission der Bezirksverordnetenversammlung Pankow fanden bereits erste Debatten statt, wie umfangreich die Würdigung auf dem Grünstreifen an der Karower Straße aussehen kann. Man stellte dort fest, dass bei einer Namenswidmung keine Adressänderungen nötig sind, weil an der namenlosen Ecke niemand wohnt. Trotzdem gab es einen wichtigen Einwand.

Denn Fontane lernte Buch eher flüchtig kennen. Wie sollte es auch anders sein? Der Aufenthalt war denkbar kurz: ein einziger Tag. Sind 24 Stunden im Gasthaus „Schlosskrug“ (dem heutigen Restaurant „Il Castello) und am Schlosspark ausreichend, um Fontane hier einen Platz zu widmen?

Ja, meinen Rosemarie und Adolf Henke. Wenn die Wiese schon nicht als Ganzes nach dem Dichter benannt werden kann, dann solle man wenigstens ein Fontane-Eck prüfen. Denn die wenigen Begebenheiten des 16. Juni 1860 hat der Autor in epischer Breite zu Papier gebracht. „Gleich der Eintritt ins Dorf ist malerisch“, schrieb Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. Und weiterhin heißt es dort: „Eine Feldsteinbrücke wölbt sich über ein Wässerchen, das schäumend einen Berghang herniederkommt, die Häuser steigen in leiser Schlängellinie bergan, und dann nach links hin, als wolle er das Dorf in seine Arme nehmen, zieht sich, waldartig, ein ausgedehnter Park.“ Gemeint ist der Schloßpark, dessen Charme im Laufe der 200 Jahre nicht verschwand.

Am ehesten sieht man Fontanes Spuren in Berlin in seiner alten Apotheke im Bethanien-Krankenhaus. Sie liegt rund zehn Kilometer vom Schlosspark entfernt in Kreuzberg. Im Mittelpunkt des touristischen Interesses. Dafür besitzt Buch, zumindest in den Augen der Henkes, den höheren literarischen Wert. „Diesem Ort wurde ein schriftstellerisches Denkmal gesetzt“, meint Adolf. Ein Fontane-Platz in Buch wäre für Touristen ein Anreiz, mehr von Pankow sehen zu wollen als nur Prenzlauer Berg. Dass sich der Berliner Senat trotz der Spuren Fontanes in der Stadt an den Festivitäten zum 200. Geburtstag des Märkers bislang nicht beteiligen will und die Würdigung dem Land Brandenburg überlässt, finden die Henkes enttäuschend.

Ob wenigstens das Bezirksamt Pankow mitzieht? Bürgermeister Sören Benn (Linke), zuständig für Kultur, will der Idee ein hinter der Gastätte „Il Castello“ ein „Fontane-Eck“ gestalten zu lassen nicht im Wege stehen.

„Das Bezirksamt Pankow steht dem Vorschlag aufgeschlossen gegenüber“, sagt Benn auf Anfrage. „In unserem Straßen- und Grünflächenamt wurde der Antrag bereits geprüft, und das Amt steht im Kontakt mit den Henkes.“ Nun müsse man das Vorhaben im Detail abstimmen und klären, ob es eine Gedenktafel braucht – oder ob es genügt, einen Birnbaum zu pflanzen. Ein Gewächs, das Fontane in einer seiner berühmtesten Ballade beschrieb.