Volkspark Friedrichshain

Berlin ältestes Beachvolleyball-Zentrum vor dem Aus

Der Anlage am Nordostrand des Volksparks Friedrichshain wurde der Pachtvertrag gekündigt. Pankow braucht das Areal als Schulstandort.

Katrin Harflinger und Eckhard Klemm vom Verein City Beach Berlin wollen wenigstens ein Spielfeld am Volkspark Friedrichshain verteidigen.

Katrin Harflinger und Eckhard Klemm vom Verein City Beach Berlin wollen wenigstens ein Spielfeld am Volkspark Friedrichshain verteidigen.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Die Netze sind schon abmontiert, die Bälle verstaut, der Sand liegt fein geharkt in der Herbstsonne. Katrin Harf­linger und Eckhard Klemm haben die Tore zur ältesten Beachvolleyball-Anlage Berlins zugesperrt. Vielleicht für immer. Bis vor wenigen Wochen genossen die beiden Sportler vom Verein City Beach Berlin und die befreundeten Mannschaften auf der Anlage am Nordostrand des Volksparks Friedrichshain noch den Spätsommer, da setzte ein Brief dem Spaß ein Ende: die Kündigung des Pachtvertrages. Zum Jahresende werde die 1996 geschlossene Vereinbarung mit dem Bezirksamt Pankow zur Nutzung der Fläche auf der sogenannten Werneuchener Wiese aufgelöst, lautete die Botschaft. „Es kam ohne jede Vorwarnung“, beschwert sich Klemm.

Verein hat schon 1000 Unterschriften gesammelt

Fakt ist: Für die Freifläche gibt es neue Pläne. Auf der Werneuchener Wiese entstehe ein Ausweichstandort für mehrere Schulen des Bezirks, die in den nächsten Jahren saniert werden müssen, teilt Stadtentwicklungsstadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) auf Nachfrage mit. Die übrige Fläche biete nicht genug Platz, um alle Initiativen, die an einer Nutzung interessiert sind, gleichermaßen unterzubringen. Wann das Schulbauprojekt startet, bleibt fraglich. Zunächst soll es aber keine dauerhafte Behausung geben, sondern nur ein provisorisches Gebäude, bestehend aus einzelnen Containern. Kuhn sieht es als unverzichtbar an, das bezirkseigene Sportgelände am Volkspark Friedrichshain heranzuziehen, zumal der Baubedarf für Schulen gerade im Süden von Prenzlauer Berg groß ist.

Beim Verein City Beach Berlin hat man für die Dringlichkeit der Lage durchaus Verständnis. „Es ist nicht so, dass wir die Schulnutzung auf der Wiese verhindern möchten“, betont Klemm. Der Bezirk solle aber prüfen, ob sich die neuen Container nicht so aufstellen lassen, dass wenigstens eines der beiden Spielfelder erhalten bleibt. Auch Harflinger schlägt versöhnliche Töne an und sagt: „Ich bin selbst Lehrerin und kenne die Platznot.“ Ärgerlich finden beide vor allem die Kommunikation. Obwohl es durchaus ein Beteiligungsverfahren für die Anrainer zur künftigen Verwendung der Wiese gab, fand die Diskussion mit dem Verein nicht statt. Erst durch die Kündigung erfuhren die Sportler, dass sie die Wiese verlassen müssen.

Dabei gehören die beiden Beachvolleyball-Felder zu den bekanntesten der Stadt. 1996, als die Anlage entstand, war der heutige Trendsport noch eine Randerscheinung. Dann trainierten hier Weltstars wie Maike Friedrichsen und Vincent Lange. Beachvolleyball wurde populär. Aber nicht nur die Berühmtheiten des Trendsports schlugen Bälle über die Netze, sondern auch Amateure. Für 14 Euro pro Stunde konnte jeder Partien veranstalten. Damit ist es nun vorbei.

Aber noch geben sich die Volleyballer nicht geschlagen. Um Aufmerksamkeit zu erzeugen, hat der Verein eine Petition im Onlineportal change.org gestartet. Darin heißt es: „Wir sind bereit, große Teile unserer Fläche an andere Vereine und an die geplante Schule abzutreten. Gerade deswegen möchten wir natürlich auch mit unserer Sportstätte auf der Werneuchener Wiese verbleiben.“ In zwei Wochen fanden sich für die Petition schon knapp 1000 Unterstützer.

Und nicht nur die Sportler, auch Baupolitiker sind über die Kündigung der Pachtfläche verwundert. Mike Szidat, der als Vertreter der SPD den Ausschuss für Stadtentwicklung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) leitet, zeigt sich unzufrieden mit dem groben Einschnitt. Zwar gab es einen einstimmigen BVV-Beschluss, die Fläche als „Bürgerwiese“ für die Anwohner des Bötzow-Viertels zu entwickeln. Später habe man die Pläne um den Bau einer Containerschule ergänzt. Aber es sei nicht vorgesehen gewesen, dass der Bezirk dabei eine schon vorhandene Nutzergruppe vergisst. „Das Ganze ist sehr bedauerlich“, sagt Szidat zur drohenden Verdrängung. Auf einer so großen Wiese müssten mehrere Nutzungsarten möglich sein. Er wird das Thema im Ausschuss besprechen lassen und im Namen des Vereins einen Kompromiss suchen.

Katrin Harflinger und Eckhard Klemm wollen sich auf solche Versprechen nicht verlassen. Sie sammeln weiter Unterschriften dafür, dass ihr Sport dem Druck der Platznot in Pankow standhält.

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