Stadtentwicklung

Kritik an Workshop für Bauprojekt mit bis zu 1500 Wohnungen

Der Senat will an der Michelangelostraße eines der größten Neubauprojekte Berlins verwirklichen. Die Anwohner sind schwer zu überzeugen

Streit um viel Freiraum: Anwohner der Siedlung Michelangelostraße wollen höchstens 1000 neue Wohnungen von ihren Häusern tolerieren.

Streit um viel Freiraum: Anwohner der Siedlung Michelangelostraße wollen höchstens 1000 neue Wohnungen von ihren Häusern tolerieren.

Foto: Thomas Schubert / BM

Elfgeschossige Riegel blicken über einen Parkplatz und eine weite Wiese. Fast einhundert Meter Freiheit bis zur nächsten Hauswand – an der Michelangelostraße im Süden von Prenzlauer Berg gäbe es Platz genug für neue Nachbarn. Das meinen die Planer des Senats. Fast vier Jahre ist es nun her, dass sie die ersten Pläne für den Bau eines neuen Stadtviertels mit überwiegend preisgünstigen Mietshäusern an dieser Stelle präsentierten. Aus einem städtebaulichen Wettbewerb ging ein Vorschlag des Architekten Frank Görge und des Landschaftsarchitekturbüros Breimann & Bruun als Siegentwurf hervor. Darin wurde dargestellt, wie vor allem Parkplätze vor den Wohnriegeln aus der DDR-Zeit überbaut werden können.

Neben dem neu entstehenden Wohnviertel war auch der Bau einer neuen Grundschule und einer Sporthalle vorgesehen. „Positiv sehe ich vor allem, dass der Bestand in das Konzept gut integriert wird und eine Aufwertung erfährt“, äußerte sich damals Senatsbaudirektorin Regula Lüscher zur Nachverdichtung. Im Kiez ist die Meinung bis heute eine andere. Vor allem dem Widerstand der Anwohner ist es geschuldet, dass bisher wenig geschah. Sie organisieren sich im „Verein für Lebensqualität an der Michelangelostraße“ und kämpfen gegen eine Masse an neuen Wohnungen vor ihren Fenstern, die aus ihrer Sicht die Infrastruktur überfordert.

Anwohner kritisieren Workshop-Verfahren

Ein Beteiligungsverfahren sollte Frieden stiften. Bürger, die mitreden und mitplanen sind offen für Veränderungen – das war die Idee aus der Politik. Doch inzwischen zeigt sich: Auch nach einem ersten Workshop-Verfahren in diesem Sommer wurden kritische Stimmen nicht leiser.

Im Rahmen eines Workshops konnten die Bewohner der Michelangelostraße an Modellen arbeiten und am Ende vier eigene Entwürfe fertigstellen, die allerdings nur zwischen 725 und 1150 Wohnungen aufwiesen. In den meisten Modellen waren sie auf mehrere Riegel verteilt, die den heutigen Häusern gegenüberliegen.

Für Verärgerung sorgte aber nun die Tatsache, dass im Stadtentwicklungsausschuss der Bezirksverordnetenversammlung Pankow wieder von einem deutlich höheren Volumen die Rede war als im Workshop. Bis zu 1500 Wohnungen sind im Gespräch.

„Wir sind nicht gegen eine Bebauung. Aber sie muss moderat ausfallen“, stellt Karin Spieker von der Anwohnerinitiative klar. Diese Gruppe betrachtet es schon als Zugeständnis, dass sie sich von ihrer Höchstgrenze von 600 Wohnungen entfernt hat und bei den Entwürfen im Workshop maximal 1150 Wohneinheiten in der Landschaft verteilt wurden.

Modelle werden am 20. November vorgestellt

Warum die Vorgabe für das Bauvolumen im Workshop-Verfahren so klein ausfiel? Dafür hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung eine einfache Erklärung. Bei der Veranstaltung sei man davon ausgegangen, dass es sich bei jeder Einheit um eine 100 Quadratmeter große Wohnung handelt. Dies geschehe, um bei solch einem Verfahren einen einheitlichen Standard zu haben, begründet eine Sprecherin. In der Praxis sei die Durchschnittsgröße aber geringer, wodurch mehr Wohneinheiten auf einer ähnlich bemessenen Fläche entstehen.

Doch die Initiative will sich von dieser Aussage nicht beruhigen lassen. Die Gefahr sei hoch, dass von den Anwohnerideen im endgültigen Entwurf zu wenig erkennbar sei, meint Karin Spieker. Sie sagt: „Wir sehen nicht, dass das, was wir erarbeitet haben, in den Prinzipienentwürfen wiederfindet.“ Wie man sich die endgültige Anordnung der Wohnungen vorzustellen hat, das wollen Bezirk und Senat bei einer am 20. November im Hotel Andel‘s an der Landsberger Allee bestimmen. Von 18.30 bis 21 Uhr haben Anwohner erneut die Chance, ihre Vorstellungen einzubringen. Mit grünen oder roten Klebezetteln werden sie in den vorläufigen Modellen markieren können, was ihnen gefällt und was sie stört. Und zum Ende des Jahres, wenn die Vorzugsvariante feststeht, soll dann klar sein, wie neue und alte Nachbarn im nächsten Jahrzehnt gemeinsam in der Michelangelostraße leben werden.