Botanischer Volkspark

Geologische Wand in Blankenfelde ist etwas Besonderes

Die denkmalgeschützte Gesteinsmauer im Botanischen Volkspark Blankenfelde ist jetzt ein Nationales Geotop.

Gesteinsforscherin Angela Ehling begleitete die Wiederherstellung der 1894 erbauten Wand mit allen 123 Bestandteilen der Erdkruste

Gesteinsforscherin Angela Ehling begleitete die Wiederherstellung der 1894 erbauten Wand mit allen 123 Bestandteilen der Erdkruste

Foto: Thomas Schubert

Berlin mag den Pergamonaltar beherbergen, die Büste der Nofretete oder den Schädel eines Tyrannosaurus Rex. Aber im Vergleich zu den Steinen in der Geologischen Wand des Botanischen Volksparks Blankenfelde-Pankow sind selbst die ältesten Schätze dieser Stadt junge Randerscheinungen der Geschichte.

Was da am rechten Rand der 30 Meter langen und 2,5 Meter hohen Mauer im Mörtel steckt, ist zum Teil eine Milliarde Jahre alt. Das skandinavische Geschiebe gehört zu den frühesten Bestandteilen der Erdkruste, die der Menschheit bekannt sind. Und in der Geowand hat der Erbauer Eduard Zache schon im Jahre 1894 die gesamte Kruste im kleinen Maßstab nachempfunden. „Es ist die größte und vollständigste Wand dieser Art in Europa“, erklärt Angela Ehling vom Verein der Geowissenschaftler in Berlin und Brandenburg. Sie gehörte zu dem Team, das dieses verfallene Denkmal seit 2015 wiederherstellt. Unter der Leitung des landeseigenen Unternehmens Grün Berlin, das den gesamten Botanischen Volkspark bewirtschaftet, sind die Arbeiten jetzt zum vorläufigen Abschluss gekommen.

Auf der Liste der sogenannten Nationalen Geotope

Das Ergebnis: Die Wand wurde am Sonntag feierlich in die Liste der sogenannten Nationalen Geotope aufgenommen – bislang gab es in Deutschland 77 an der Zahl. Dazu gehören zum Beispiel die komplette Insel Helgoland, das Wattenmeer an der Nordseeküste oder die Kreideküste auf der Insel Rügen. Orte, die es in diese Liste schaffen, kommen sogar für eine Prüfung zur Aufnahme in das Unesco-Welterbe infrage.

Eine Fachkommission hat nun also entschieden, dass die Gesteinswand im nördlichen Pankow einen ähnlichen Wert besitzt wie das berühmte Elbsandsteingebirge. „Für viele wirkt das Ganze aber nur wie ein Haufen Steine“, gibt Klaus Reinhold vom Verein der Geowissenschaftler zu. Es braucht fachkundige Erklärungen, um das Sammelsurium aus Sandstein, Kohle, Schiefer und Basalt in insgesamt zwanzig Wandbereichen für Laien interessant zu machen. Der erste Schritt: eine Internetseite und ein gedruckter Wegweiser, der im Botanischen Volkspark ausliegt.

Die Steinproben könnten Welterbe werden

Auch die Wissenschaftlerin Angela Ehling muss bei der Zuordnung von steinalten Brocken und geologischen Zeitaltern kurz überlegen, liefert dann aber präzise Aussagen ab. Sie gehört zu denjenigen, die für seltene Steinformationen begeistern können und Laien begreiflich machen wollen, warum es eine Errungenschaft bedeutet, wenn man die Erdkruste anschauen und anfassen kann.

Denn die Brocken haben auch mit der Berlin Stadtgeschichte zu tun. Den Granit der Gehwegplatten vom Typ „Schweinebauch“ findet man in der Wand ebenso wieder wie den Sandstein des Berliner Reichstags. Auch Umwelt-Staatssekretär Stefan Tidow sieht
Bezüge zwischen den steinalten Brocken und dem modernen Stadtleben. „Der Boden ist existenziell für unser Wohlergehen. Und im Gegensatz zum Zustand von Wasser und Luft wird darüber kaum geredet“, sagt Tidow. Er fordert, stärker darüber nachzudenken, bei Bauprojekten weniger Bodenfläche zu versiegeln und den Untergrund Berlins häufiger im natürlichen Zustand zu belassen.

Dass die Geowand denkmalgerecht wiederhergestellt wurde, ließ sich die Senatsverwaltung für Umwelt bislang rund 40.000 Euro kosten, wobei auch Fördergeld der EU mit einfloss. Isabel Keil von Grün Berlin schätzt, dass es noch einmal die gleiche Summe kosten wird, die empfindlichen Steine vor einem erneuten Verfall zu schützen. Denn auch der härteste und älteste Fels hat einen natürlichen Feind: das Wasser.

Die eigentliche Herausforderung war es, die Wand gegen Feuchtigkeit abzudichten. Dafür wurden im hinteren Bereich Bäume und Sträucher entfernt, um Platz zu schaffen für eine 50 Zentimeter dicke Schutzplatte aus Ton. Aus Sorge vor dem erneuten Verfall sind besonders empfindliche Mineralien wie Salze oder Tonfragmente bislang noch nicht wieder eingefügt. Laut Angela Ehling untersuchen Studenten derzeit, wie man sie mit einer durchsichtigen Beschichtung konservieren kann.

Eine weitere mögliche Gefahr: Parkbesucher, die in der Wand eine sportliche Herausforderung sehen. Um Missverständnissen vorzubeugen, gibt es jetzt ein kleines Hinweisschild, das besagt: „Dies ist keine Kletterwand – wir bitten um angemessenen Umgang.“

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