Arnimplatz

Kinderhasser wollen offenbar Ratten auf Spielplatz locken

Laut Stadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) wurden in der Gegend "Fresspakete für Ratten" ausgelegt, um die Nager auf den Spielplatz zu locken.

Unter Polizeibeobachtung: Der Spielplatz auf dem Arnimplatz in Prenzlauer Berg

Unter Polizeibeobachtung: Der Spielplatz auf dem Arnimplatz in Prenzlauer Berg

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Erst die Inspektion, dann das Vergnügen: Im großen Sandkasten auf dem Arnimplatz in Prenzlauer Berg sieht man in diesen Tagen Eltern den Boden absuchen. Nachdem Unbekannte auf dem Spielplatz mitten in Prenzlauer Berg innerhalb von einem Monat dreimal Nadeln und Rasierklingen vergraben haben, lassen Familien Vorsicht walten.

Erst legten Unbekannte am 2. August Reißzwecken aus, am 23. August entdeckte ein Vater Rasierklingen. Und am Montag sammelten Mitarbeiter des Grünflächenamts Stecknadeln ein. Nur mit Glück blieben Kinder bislang unverletzt. In allen drei Fällen ermittelt die Polizei weiterhin wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung gegen Unbekannt.

Und am Mittwoch ging die Serie weiter: Nur 500 Meter weit weg vom Spielplatz wurde erneut die Polizei alarmiert. Der Hausmeister einer Kindertagesstätte in der Stavangerstraße fand gegen 6 Uhr morgens mehrere Reißzwecken. Die spitzen Gegenstände wurden sofort entfernt. Ob es einen direkten Zusammenhang gib, ist bislang unklar.

Aus Sicht des Pankower Stadtrats Vollrad Kuhn (Grüne) ist nur ein einziges Tatmotiv denkbar: Hass auf Kinder. „Offensichtlich versuchen hier ein oder mehrere Täter, Unfrieden zu stiften und Kinder um jeden Preis von diesem Spielplatz fernzuhalten. Alles deutet auf einen Nachbarn hin, der sich durch Spiellärm gestört fühlt“, sagt Kuhn. Er verurteilt die Vorfälle mit drastischen Worten: „Das sind Anschläge auf Kinder.“

Auch Fresspakete für Ratten ausgelegt

Im Zusammenhang mit den Funden von scharfen Gegenständen beobachtet das Grünflächenamt des Bezirks auch ein anderes Phänomen. Laut Stadtrat Kuhn wurden in der Gegend „Fresspakete für Ratten“ ausgelegt. Das Ziel sei offenbar, die Schädlinge mit Ködern bewusst auf den Spielplatz zu locken, weil dieser dann gesperrt werden müsste. Inzwischen hält es das Grünflächenamt für ausgeschlossen, dass es sich um zufällige Müllhaufen handelt.

Im Bezirksamt Pankow ist man heimtückische Aktionen zum Schaden von Kindern gewohnt. Etwa fünfmal im Jahr erhält man Meldungen von gefährlichen Gegenständen an Orten, wo sich Kinder gerne aufhalten, erklärt eine Referentin. Einen Täter konnte die Polizei bislang noch nie ermitteln. Die aktuellen Vorfälle auf dem Arnimplatz gehen über das bekannte Maß hinaus. Deshalb hat das Bezirksamt bei der Polizei Schwerpunktkontrollen für den Spielplatz angefragt. Und der örtliche Polizeiabschnitt sagte zu.

Arnimplatz soll in Zukunft häufiger kontrolliert werden

„Wir werden häufiger vor Ort sein und nach verdächtigen Personen Ausschau halten“, bestätigt Polizeisprecher Michael Gassen. Doch eine ständige Beobachtung des Platzes hält die Polizei für ausgeschlossen. Auf zusätzliche Präsenz setzt auch das Pankower Ordnungsamt. Der zuständige Stadtrat Daniel Krüger (parteilos, für AfD) will seine Kräfte, die im Rahmen der Parkraumbewirtschaftung im Kiez unterwegs sind, möglichst oft über den Spielplatz laufen lassen. Da der oder die Täter offenbar in der Nacht ans Werk gehen und das Ordnungsamt dann keinen Dienst schiebt, seien die Erfolgsaussichten aber eher gering, meint Krüger.

Besonders hilfreich seien in solchen Fällen wachsame Anwohner, betont Polizei-Sprecher Gassen: „Wenn man jemanden sieht, der womöglich scharfe Gegenstände auslegt, sollte man uns das sofort melden. Eine aufmerksame Nachbarschaft ist immer von Vorteil. Und hier ganz besonders.“

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