Bürgerengagement

Berliner packen an: Wichtiger Einsatz oder Politik-Versagen?

In Pankow helfen Eltern bei der Sanierung von Spielplätzen. Ein Ausdruck der Liebe zu ihren Kindern? Oder ein Versagen des Senats?

Der Spielplatz auf dem Arnimplatz wurde zum dritten Mal in diesem Monat gesperrt

Der Spielplatz auf dem Arnimplatz wurde zum dritten Mal in diesem Monat gesperrt

Foto: Thomas Schubert

Pro: Persönlicher Einsatz aus Liebe zum Kind

Von Thomas Schubert

Eltern, die Spenden sammeln für die Spielplatzsanierung, Mütter und Väter, die Abrisshämmer schwingen, um verfallene Spielgeräte aus dem Weg zu räumen – das klingt aus der Ferne betrachtet nach Verzweiflung und Fatalismus. In Pankow aber gehen Eltern gut gelaunt ans Werk. Sie sehen ihren Einsatz für intakte Spielplätze nicht als Frondienst für einen unfähigen Staat, sondern als Ausdruck der Liebe zu ihren Kindern.

Diese Bürger wissen, dass es ohne Eigenleistung in ihrer Nachbarschaft kein neues Spielparadies geben wird, schon gar nicht bereits im kommenden Jahr. Die Pankower Eltern sind lieber Pragmatiker als Populisten. Und diejenigen von ihnen, die an Politikverdrossenheit leiden, finden einen konstruktiven Weg, mit dem Ärger umzugehen. Ihnen sind Lösungen lieber als Probleme, die man anderen anlasten kann.

Contra: Der Staat muss für Infrastruktur sorgen

Von Florian Schmidt

Privat vor Staat? Grundsätzlich richtig. Im konkreten Fall aber der völlig falsche Ansatz. Dass in Pankow Eltern für die Sanierung von Spielplätzen Spenden sammeln und gar selbst Hand anlegen, ist ein Armutszeugnis für die Berliner Politik, wenngleich auch kein buchstäbliches. Denn Berlin schwimmt im Geld. Seit Jahren erwirtschaften Land und Bezirke Überschüsse, für dieses Jahr schätzt die Finanzverwaltung das Plus auf 1,2 Milliarden Euro.

Fast unmöglich erscheint es angesichts dieser Summe, dass dem Bezirk das Geld fehlt, um Spielplätze zu reparieren. Zwar ist es löblich, dass sich die Eltern zusammentun, sich für ihre Kinder engagieren. Trotzdem war, ist und bleibt es die Aufgabe des Staates, für eine ordentliche Infrastruktur zu sorgen. Dafür zahlen die Berliner Steuern. Zu Recht dürfen sie deshalb erwarten, dass ihre Stadt funktioniert.

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